42 Grad steil, 380 t schwer: So wurde Hallstatts neue Salzbergbahn gebaut
Nach nur 362 Tagen Bauzeit nimmt die neue Salzbergbahn im österreichischen Hallstatt ihren Betrieb auf. 594 m Fahrbahn, 42 Grad Hangneigung, 380 t Stahl – und eine eigens gebaute zweite Seilbahn, nur um das Material in den Hang zu bringen
Der Neubau der Salzbergbahn im österreichischen Hallstatt dauerte gerade einmal 362 Tage.
Foto: Thomas Sattler
Wenn am 29. August die neue Salzbergbahn im österreichischen Hallstatt ihren Betrieb aufnimmt, endet eine ungewöhnliche Bauphase. Auf der bestehenden Trasse ist innerhalb von nur 362 Tagen eine vollständig neue Standseilbahn entstanden. Die Strecke ist 594 m lang und überwindet einen Hang mit bis zu rund 42 Grad Neigung.
Besonders anspruchsvoll war dabei nicht nur die Konstruktion der Bahn, sondern vor allem die Logistik. Für die neue Fahrbahn wurden 44 vorgefertigte Stahlbauelemente mit einem Gesamtgewicht von rund 380 t ins schwer zugängliche Gelände gebracht. Entlang der Trasse entstanden dafür 43 Stützenfundamente, einzelne Stützen erreichen eine Höhe von bis zu 28 m.
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Eine Seilbahn für den Bau der Salzbergbahn
Um Material und Bauteile in den steilen Hang zu bringen, errichtete das Projektteam parallel zur bestehenden Strecke eine eigene Materialseilbahn. Sie transportierte während der Bauphase Stützen, Fahrbahnteile und weitere Baustoffe und absolvierte dabei mehrere tausend Transporte. Für die Abspannung der temporären Anlage waren allein rund 70 m3 Beton nötig.
Eingesetzt wurde die Materialseilbahn aber nicht nur beim Neubau. Vor der Montage der neuen Strecke musste zunächst die alte Standseilbahn abgebaut werden. Rund 700 t Schienen, Stützen und technische Bauteile wurden nach Angaben der Salzwelten mit der temporären Anlage ins Tal transportiert.

Die alte Bahn absolvierte am 31. August 2025 ihre letzte Fahrt. Sie war seit 1980 in Betrieb und hatte in dieser Zeit mehr als 10 Mio. Fahrgäste befördert. Beim Rückbau kam unter anderem ein Hubschrauber zum Einsatz. Die ersten rund 40 Meter der alten Schienen wurden mit einem Super Puma aus dem Gelände ausgeflogen. Knapp elf Monate später kam derselbe Helikoptertyp noch einmal zum Einsatz – diesmal jedoch für den Aufbau statt den Abbau.
Hubschrauber bringt die letzten Bauteile
Die neue Fahrbahn wurde nicht vollständig vor Ort gefertigt: 44 Elemente wurden beim Seilbahnbauer Garaventa in der Schweiz vorbereitet und anschließend mit mehr als 20 Lkw-Ladungen nach Hallstatt transportiert. Zur Fahrbahnkonstruktion gehört außerdem ein durchgehender Dienstweg aus 2197 Gitterrosten, der Wartungs- und Rettungsarbeiten entlang der Strecke ermöglicht.
Die Montage der vorgefertigten Elemente erforderte eine präzise Koordination von Transport und Einbau. Den Großteil der Bauteile brachte die temporäre Materialseilbahn an die jeweiligen Einbauorte. Für die letzten Fahrbahnelemente reichte diese Lösung jedoch nicht mehr aus.
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Am 13. Juli 2026 setzte deshalb erneut ein Super Puma die abschließenden Stahlbauteile an ihren Positionen ab. Der Hubschrauber, der beim Rückbau die alte Bahn aus dem Tal geholt hatte, brachte nun die neue Fahrbahn an ihren Einbauort. Damit war die 594 m lange Fahrbahn erstmals durchgehend geschlossen.
Antrieb mit 40 t Gewicht
Auch die Anlagentechnik bringt erhebliche Dimensionen mit. In der Bergstation befindet sich ein rund 40 t schwerer Antrieb, in der Talstation sorgt ein etwa 7 t schweres Spanngewicht für die notwendige Seilspannung. Die Antriebsscheiben besitzen jeweils einen Durchmesser von mehr als 3,60 m und wiegen rund 5,5 t.
Die neue Bahn ist als 60-FUL-Standseilbahn ausgeführt, die technische Fahrgeschwindigkeit beträgt bis zu 6 m/s. Für die aktuelle Inbetriebnahme ist zunächst eine Geschwindigkeit von 5,5 m/s vorgesehen, während die Anlage schrittweise hochgefahren und die Brems- und Sicherheitssysteme geprüft werden.
| Technische Daten der neuen Salzbergbahn | |
| Streckenlänge | 594 m |
| maximale Neigung: | ca. 42° |
| Fahrgeschwindigkeit | bis zu 6 m/s |
| Fahrbahnelemente | 44 |
| Stützenfundamente | 43 |
| maximale Stützenhöhe | bis zu 28 m |
| Kabinen | 2 × 60 Personen |
| Kabinengewicht | jeweils rund 15,5 t |
| Antrieb | rund 40 t |
| Spanngewicht | rund 7 t |
Der Seilbahnhersteller Doppelmayr gibt eine maximale Förderleistung von bis zu 1000 Personen pro Stunde an – deutlich mehr als bei der alten Bahn: Die neuen Fahrzeuge nehmen jeweils 60 Personen auf. Bei der Vorgängeranlage waren es 24.
Waagerecht auch am steilsten Hangabschnitt
Die beiden neuen Kabinen wurden von Carvatech in Oberweis bei Gmunden gefertigt. Sie wiegen jeweils rund 15,5 t und bieten Platz für bis zu 60 Personen. Ihr gläsernes Design orientiert sich an der Struktur von Salzkristallen.

Eine technische Besonderheit ist die automatische Niveauregulierung. Sie sorgt dafür, dass der Fahrgastraum während der Fahrt unabhängig von der jeweiligen Streckenneigung waagerecht bleibt – selbst dort, wo die 42 Grad Hangneigung am größten sind. In den Stationen ergänzen horizontal geführte Gleisabschnitte und Perrontüren das Konzept. Der Einstieg soll dadurch niveaugleich und barrierearm möglich sein.
Neue Stationen am Tal und Berg
Mit der neuen Bahn wurde auch die Infrastruktur rund um die Strecke angepasst. Die Tal- und Bergstation wurden von Grund auf neu errichtet. Das architektonische Konzept stammt von Hasenauer.Architekten unter der Federführung von Sigrid Aigner und soll sich in die UNESCO-Welterbelandschaft von Hallstatt einfügen.
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Die Talstation wurde gegenüber ihrem bisherigen Standort um rund 25 m talwärts verschoben. Dort entstand unter anderem eine rund 300 m² große Verkaufsfläche der Salzwelten. Die Bergstation umfasst neben der Ankunftsebene ein Bistro, Sanitäranlagen und eine Aussichtsterrasse mit Glasfassade in Richtung Hallstatt und Hallstätter See. Zudem wird die neue Station an bestehende Einrichtungen wie den Aufzugsturm und den Panoramasteg angebunden.
362 Tage für den Nebau der Salzbergbahn
Der Zeitplan war für das Projekt ebenso ambitioniert wie die technische Umsetzung. Während die alte Bahn bis Ende August 2025 noch in Betrieb war, liefen bereits erste Bauarbeiten. Nach der letzten Fahrt begann der Rückbau. 362 Tage später soll die neue Anlage wieder Fahrgäste befördern. Rückbau, Neubau der Fahrbahn, Montage der Seilbahntechnik und Errichtung der neuen Stationen mussten dafür in einem vergleichsweise kurzen Zeitfenster koordiniert werden – in einem Gelände mit großer Steigung und begrenzten Platzverhältnissen.

Der Neubau ist Teil einer umfassenderen Modernisierung des Standorts. Die Salzwelten beziffern die Gesamtinvestition auf rund 34 Mio. Euro, darin enthalten sind neben der neuen Standseilbahn auch weitere Maßnahmen an den Salzwelten Hallstatt.
Quellen
- Salzwelten: Pressemitteilung zur neuen Salzbergbahn
- Salzwelten: Bautagebuch – Neue Standseilbahn in Hallstatt
- Doppelmayr Gruppe: Salzbergbahn: Neues Highlight für Hallstatt
- seilbahn.net: Hallstatt startet in eine neue Ära: Modernste Standseilbahn Europas und ältestes Salzbergwerk der Welt




