147 Wohnungen im Turbotempo: Wie Modulbau Berlin entlasten soll
Ein Neubau in Berlin-Neukölln zeigt, welches Potenzial Modulbauweise für bezahlbaren Wohnraum, kurze Bauzeiten und funktionale Details bietet.
Modulbauweise in Berlin-Neukölln: Die Balkonmontage erfolgt schnell und effizient direkt an der Fassade.
Foto: Schöck Bauteile GmbH
Berlin braucht Wohnraum. Gleichzeitig steigen Kosten, und Bauzeiten geraten unter Druck. Ein Neubauprojekt im Stadtbezirk Neukölln zeigt, wie Modulbauweise diesen Herausforderungen begegnet. Am Dröpkeweg 13 und 15 entsteht ein achtgeschossiges Wohngebäude mit 147 Wohnungen. 133 davon verfügen über frei auskragende Balkone. Das Projekt steht exemplarisch für eine Bauweise, die Effizienz mit Wohnqualität verbindet.
Modulbauweise als Antwort auf urbane Verdichtung
Das Gebäude wurde als Nachverdichtung in einem gewachsenen Wohngebiet realisiert. Der Ortsteil Buckow ist geprägt von Gärten und ruhigen Straßen. Genau hier fügt sich der Neubau ein. Im Erdgeschoss sind ein Gemeinschafts-Wohncafé sowie Flächen für Kleingewerbe vorgesehen. Ergänzend entstehen Spiel- und Aufenthaltsbereiche im Außenraum. Modulbauweise ermöglicht diese Nutzungsmischung, da Grundrisse früh standardisiert und präzise geplant werden.
Hoher Vorfertigungsgrad dank Modulbauweise
Ein zentrales Merkmal des Projekts liegt im hohen Vorfertigungsgrad. Über 90 Prozent der Bauleistungen entstanden im Werk. Dort wurden komplette Raummodule gefertigt – inklusive Sanitäranlagen, Küchen, Heizungs- und Elektrotechnik sowie Innenausbau. Dadurch verlagerte sich ein Großteil der Arbeit in kontrollierte Produktionsbedingungen. Auf der Baustelle mussten die Module lediglich angeliefert, per Kran eingehoben und verbunden werden. Das verkürzte die Bauzeit deutlich.
Modulbauweise stellt besondere Anforderungen an Details
So effizient die serielle Bauweise ist, sie stellt hohe Anforderungen an konstruktive Details. Besonders anspruchsvoll war der nachträgliche Anschluss der Balkone. Die Bodenplatten der Module sind nur zwölf Zentimeter stark. Zusätzlich verlaufen Bewehrungslagen dicht beieinander.
„Die Herausforderung war, dass die Bodenplatten unserer Module nur zwölf Zentimeter dick sind, mit einer Standardlösung braucht man aber 16 Zentimeter für einen Balkonanschluss“, erklärt Lisa Rudolf, Teamleiterin der Planungsabteilung bei DMF.
Technische Lösungen mit Unterstützung von Schöck
Für die komplexe Anschlusssituation arbeiteten die Planer eng mit dem Hersteller Schöck zusammen. Zum Einsatz kam das tragende Wärmedämmelement Schöck Isokorb T S, das speziell für frei auskragende Stahlkonstruktionen entwickelt wurde und sich für die nachträgliche Montage eignet. In gemeinsamen Abstimmungen und Tests entstand eine Lösung, die die vorhandenen Bauteilstärken optimal nutzt.
Modulbauweise profitiert von angepasster Konstruktion
Ein speziell entwickeltes Adapterstück überbrückt den Versatz zwischen übereinandergestapelten Modulen. Ergänzend sorgt ein im Fertigteilwerk integrierter Zugstab für die sichere Kraftübertragung. In dieser Kombination konnte Schöck Isokorb T S sowohl Zug- als auch Querkräfte zuverlässig aufnehmen. Die erforderlichen Anpassungen im Werk beschränkten sich auf gezielte Bewehrungszulagen und ließen sich problemlos in den Produktionsablauf integrieren.
Modulbauweise beschleunigt die Montage vor Ort
Die Vorteile zeigten sich besonders deutlich bei der Montage. Drei Monteure montierten 66 Balkone des ersten Bauabschnitts innerhalb von nur zwei Tagen. Standardisierte Abläufe und klare Kennzeichnungen sorgten für einen reibungslosen Prozess. „Die Montage war einfach und gut auszuführen. Die Gewindeanschlüsse waren hervorragend und wir kamen schnell voran“, sagt Metallbauer Steffen Junker. Auch hier zahlte sich der Einsatz von Schöck Isokorb T S aus, da Toleranzen direkt vor Ort ausgeglichen werden konnten.
Modulbauweise als zukunftsfähiges Bauprinzip
Am Ende bestätigt das Projekt das große Potenzial modularen Bauens. Die frei auskragenden Balkone kommen ohne zusätzliche Fundamente aus und sparen Material. Gleichzeitig erfüllen sie hohe Anforderungen an Gestaltung und Nutzung. Dirk Thiel, Tragwerksplaner bei der DMF, fasst zusammen: „Im Modulbau sind wir generell auf der Suche nach Lösungen, die viel Vorfertigung im Werk erlauben, damit ein schnellerer Bauablauf möglich wird.“ Die konstruktive Lösung in Zusammenarbeit mit Schöck zeigt, wie sich Modulbauweise technisch weiterentwickeln lässt. (Schöck / Heike van Ooyen)
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