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Erneuerbare Energien beleben Genossenschaftsmodell

14. September 2012

Erneuerbare Energien beleben Genossenschaftsmodell
Genossenschaftsmodell: Nicht nur Großinvestoren können in neue Energien investieren.
Für die Investitionen in die deutsche Energiewende blickt die Politik oft auf Großinvestoren. Doch das Genossenschaftsmodell hat gezeigt, dass es für den Ausbau erneuerbarer Energien tragfähig ist und gleichzeitig Akzeptanz schafft. Es könnte auch beim erforderlichen Netzausbau helfen.
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Feierabend kennt Micha Jost kaum noch. Verantwortlich dafür sind die Windenergie und eine ausgefallene Idee: die Gründung einer Genossenschaft zum Betrieb einer Windenergieanlage. Was sich eher wie ein verstaubtes Relikt einer vergangenen Epoche anhört, gewinnt mit der Energiewende wieder an Bedeutung.

Energiegenossenschaften schießen im Sektor erneuerbarer Energien wie Pilze aus dem Boden. 90 % beschäftigen sich mit Photovoltaik. Nur einige wie die Energiegenossenschaft Starkenburg mit Windenergie. Denn das ist kompliziert. Vor allem die Projektierung ist teuer und langwierig.

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Genossenschaftsmodell für erneuerbare Energien nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt

Die Ausrichtung auf erneuerbare Energien ist zwar neu und die Genossenschaften erhalten dadurch einen modernen Anstrich, aber auf Gewinnmaximierung sind sie nach wie vor nicht ausgelegt. Die Dividende liegt im Durchschnitt bei lediglich 4 %. Es geht dabei um etwas anderes. Die Menschen wollen vor Ort aktiv sein, etwas für die Region tun und nebenbei noch Geld verdienen.

800 Mio. € sind laut Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) bereits in erneuerbare Energien investiert worden. „Energiegenossenschaften bieten Bürgern einen idealen Rahmen, sich vor Ort für den Umbau der Energieversorgung zu engagieren und steigern damit die Akzeptanz für Energieprojekte in der Region“, sagt der DRGV-Vorstandsvorsitzende Eckhard Ott.

Probleme, 3,5 Mio. € für die geplante 2-MW-Anlage zu bekommen, hatte Jost nicht. 474 Menschen beteiligten sich sofort an der Genossenschaft mit mindestens 2000 €. Kredite waren überflüssig.“Wir suchen jetzt weitere Projekte“, so Jost, der den Job als Vorstand der Energiegenossenschaft ehrenamtlich macht. Ihm ist es wichtig, etwas zu bewegen und vor Ort Projekte umzusetzen.

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So geht es vielen: 400 Personen stehen bei Jost auf der Warteliste der Genossenschaft. „Geld spielt im Moment keine Rolle“, sagt er. Einfach ist die Projektrealisierung dennoch nicht. Die Windenergie steckt im Odenwald noch in den Kinderschuhen und genehmigte Standorte sind schwer zu finden. Mit ins Boot hat Jost zur Umsetzung und Finanzierung der Projektentwicklung daher die Stadtwerke geholt – „Windenergie ist Mannschaftssport, alleine geht es nicht.“

Bürgerbeteiligungsmodell Genossenschaft ermöglicht demokratische Mitgestaltung der Energiewende

„Indirekt“ profitieren Mitglieder regionaler Energiegenossenschaften davon, dass die Wertschöpfung in der Region verbleibt. „Auch die Möglichkeiten zur demokratischen Mitgestaltung der Energiewende, der gemeinsamen Verwirklichung auch größerer Energieprojekte und Partizipation sind bei keinem anderen Bürgerbeteiligungsmodell so ausgeprägt wie bei einer Genossenschaft“, weiß Volker Hetterich, Pressesprecher des Genossenschaftsverbandes, der froh über den Aufschwung ist. Von den insgesamt 586 Energiegenossenschaften sind allein in den vergangenen fünf Jahren etwa 300 neue hinzugekommen.

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„Erneuerbare Energien bleiben eine der wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland“, ist Lars Quandel, Leiter Vertrieb Renewables der HSH Nordbank, überzeugt. Übliches Finanzierungsmodell ist die GmbH und Co. KG, da leicht Kommanditanteile verkauft werden können und die Haftung beschränkt ist. Genutzt wird dies auch für die Gründung von Bürgerwindparks, die vor allem im nördlichen Schleswig-Holstein beliebt sind.

Aber auch die immer stärker in den Markt eindringenden strategischen Finanzinvestoren – die in Wind und Co. investieren, weil es zu der Firma passt, sie den Strom für das eigene Unternehmen nutzen oder sich damit einen „grünen“ Anstrich für Marketingstrategien verpassen – nutzen diese Rechtsform. Quandel: „Inzwischen investiert jeder Investorentyp, selbst Private Equity, in erneuerbare Energien.“ Dies sei unabhängig von der Energiewende eine der Kernbereiche für Kapitalanlagen, in der eine Chance auf langfristig stabile Erträge mit überschaubaren Risiken gesehen werde, so Quandel.

Im Windpark Asseln, mit 380 ha einer der größten Binnenwindparks in Europa, gehören 18 Anlagen einer GmbH & Co. KG. Bereits seit 1997 speisen sie Strom ins Netz ein. Seit gut einem Jahr beliefert die Asselner Windkraft GmbH & Co. KG (AWK) jedoch Haushalte für 19,5 Cent /kWh plus einem monatlichen Grundpreis von 6,50 € direkt mit Strom. 130 Kunden sind es zurzeit.

Den Ausgleich von zu viel oder zu wenig Wind übernimmt Ökostromanbieter Clean Energy Sourcing GmbH aus Leipzig. Ein Projekt, für das die AWK den Deutschen Solarpreis 2011 als vorbildliches Beispiel für die praktischen Möglichkeiten der Energieautonomie erhielt. „Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten“, erklärt AWK-Mitarbeiterin Rabea Klüter. Aus ganz Deutschland würden Anfragen eingehen. Beliefert wird aber nur vor Ort. Denn genau darum geht.

„Wir wollen den Menschen einen Ausgleich für die riesigen Windspargel vor der Haustür bieten“, erklärt Klüter. Auch wenn aufgrund der direkten Belieferung des Stroms in einem räumlich zusammenhängenden Gebiet der Direktverkauf von der Stromsteuer befreit ist, werden darüber keine großen Gewinne erzielt.

Der Energiewende drücken die Beteiligungsmodelle nach Ansicht von Benjamin Dannemann, Pressereferent der Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin, bisher keinen riesigen Stempel auf. Eine große Bedeutung haben sie vielmehr für die Erhöhung der Akzeptanz – gerade bei der Windenergie.

Genossenschaften könnten beim Stromnetzausbau für mehr Akzeptanz sorgen

In Zukunft könnte die Genossenschaft auch beim Stromnetzausbau durch die finanzielle Beteiligung zu mehr Akzeptanz vor Ort führen. Bisher ist das ein Novum. Dies wird aber erstmals für den Bau der 135 km langen und bis zu 200 Mio. € teuren 380-kV-Leitung an der Westküste Schleswig-Holsteins diskutiert.

Als „Allheillösung“ sieht Dannemann dies noch nicht. Übertragungsnetzbetreiber Tennet steht einer Bürgerbeteiligung jedoch offen gegenüber. Allerdings nur zu 49 %. „Es werden immer Tennet-Leitungen sein, da sie ins europäische Netz integriert sind“, so Pressesprecher Alexander Greß. „Zurzeit befindet sich das noch in der juristischen Prüfung.“

Aus Sicht des Windenergie-Branchenverbands Windcomm Schleswig-Holstein e. V. wäre dies ein Angebot an die betroffenen Anwohner der geplanten Trasse und Miteigentum am Stromnetz zu erwerben sowie aus dem eingesetzten Kapital zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften.

„Wir setzen auf eine umfassende Bürgerbeteiligung bei einem insgesamt zügigen Verfahren“, betonte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig beim Energieforum des Landes im Juni in Heide. Es gebe auch weiterhin viele Gespräche mit den Netzbetreibern. „Wir haben in unserem Land ideale Bedingungen, um eine weltweit beachtete Rolle zu spielen.“ 



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