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Bau

Aufstockung statt Neubau: So entsteht neue Bürofläche ohne zusätzlichen Bodenverbrauch

30. April 2026

Aufstockung eines Bestandsgebäudes mit Holzrahmenbau, Gipsfaser-Platten und moderner Faserzementfassade für neue Büroflächen.
Aufstockung eines Bürogebäudes: Holzrahmenbau, Gipsfaser-Platten und moderne Faserzementfassade verbinden Bestand und Neubau. Foto: James Hardie Europe GmbH
Eine Aufstockung im Bestand schafft neue Büroflächen, verbessert die Gebäudeeffizienz und vermeidet zusätzliche Flächenversiegelung.
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Die Transformation von Bestandsgebäuden rückt im gewerblichen Bau immer stärker in den Fokus. Denn Flächen sind knapp, während der Bedarf an modernen, flexiblen Arbeitsumgebungen wächst. Eine Aufstockung bietet hier eine effiziente Lösung. Sie schafft zusätzliche Nutzfläche, ohne neue Grundstücke zu versiegeln, und verbindet Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit. Am Beispiel eines Verwaltungsgebäudes in Euskirchen zeigt sich, wie sich architektonischer Anspruch, funktionale Qualität und ressourcenschonendes Bauen sinnvoll vereinen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Aufstockung im Bestand als nachhaltige Alternative

Die Aufstockung bestehender Gewerbeimmobilien gilt heute als zentrale Strategie, um Flächenpotenziale zu aktivieren. Statt Neubauten auf der grünen Wiese zu errichten, nutzen Planer vorhandene Strukturen weiter. Dadurch bleiben Bodenressourcen erhalten, während Investitionskosten sinken. Gleichzeitig lassen sich Gebäude an aktuelle technische, energetische und funktionale Anforderungen anpassen.

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Gerade im Gewerbebau bietet diese Vorgehensweise klare Vorteile. Bestehende Tragwerke ermöglichen häufig eine zusätzliche Etage, sofern sie statisch geprüft und gezielt ertüchtigt werden. Darüber hinaus lassen sich bauphysikalische Schwächen wie mangelhafter Wärme- oder Schallschutz im Zuge der Maßnahme beheben. Das Ergebnis sind zukunftsfähige Arbeitswelten mit deutlich verbessertem Komfort.

Ausgangslage: Ein ungenutztes Dachgeschoss

Das viergeschossige Verwaltungsgebäude aus den 1980er-Jahren war ursprünglich vollständig belegt. Mehr als 200 Mitarbeitende nutzten die Flächen. Nach strukturellen Veränderungen blieb das Dachgeschoss jedoch über Jahrzehnte ungenutzt. Erst mit dem Einzug einer großen Steuerberatungsgesellschaft entstand neuer Bedarf an Bürofläche.

Im Rahmen der Expansion begutachteten Bauherr und Nutzer die vorhandenen Räume gemeinsam. Schnell wurde deutlich, dass eine einfache Sanierung nicht ausreichen würde. „Die Büros befanden sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Ein Eimer Farbe und ein neuer Teppich hätten nicht gereicht um hier ein akzeptables Arbeitsumfeld zu schaffen“, sagt Marcel Schnietz, Geschäftsführer des Interpares-Mobau-Zentrallager-Rheinland. Damit war der Weg für einen grundlegenden Eingriff vorgegeben.

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Aufstockung durch Rückbau und Neubeginn

Die vorhandene Dachkonstruktion entsprach weder funktional noch energetisch heutigen Standards. Deshalb entschieden sich die Beteiligten für einen vollständigen Rückbau. Nach der Entkernung wurde das Dach bis auf die oberste Geschossdecke abgetragen. Dieser Schritt ermöglichte einen klaren Neubeginn auf bestehender Struktur.

Ursprünglich prüfte der Bauherr eine Stahlleichtbauweise. Letztlich fiel die Wahl jedoch auf den Holzrahmenbau. Ausschlaggebend waren das geringe Eigengewicht sowie die konstruktiven Vorteile im Bestand. Zudem erlaubte der hohe Vorfertigungsgrad eine kurze Bauzeit. Das erwies sich als entscheidend, denn während der gesamten Maßnahme arbeiteten die Mieter in den darunterliegenden Etagen weiter.

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Aufstockung mit hohem Vorfertigungsgrad

Sämtliche Holztafelelemente entstanden unter kontrollierten Bedingungen in den Werkhallen der Adams Holzbau-Fertigbau GmbH. Durch präzise Planung ließen sich die Bauteile passgenau vorfertigen und just-in-time zur Baustelle liefern. Dadurch verkürzte sich die Montagezeit deutlich, während Lärm und Beeinträchtigungen gering blieben.

Ein speziell entwickeltes Markierungssystem erleichterte die Zuordnung der einzelnen Elemente. So lief der Aufbau reibungslos ab. Gerade bei Bauvorhaben im laufenden Betrieb zeigt sich der Vorteil dieser Vorgehensweise. Denn schnelle Abläufe reduzieren Konflikte zwischen Baustelle und Nutzung.

Aufstockung und Brandschutz in Gebäudeklasse 5

Bei Aufstockungen in der Gebäudeklasse 5 gelten besonders hohe Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Tragende und raumabschließende Bauteile müssen auch im Brandfall ihre Funktion über einen definierten Zeitraum erfüllen. Gleichzeitig sollen Konstruktionen wirtschaftlich bleiben und sich effizient umsetzen lassen. Genau hier zeigt sich die Stärke moderner Holzbaukonzepte in Kombination mit leistungsfähigen Plattenwerkstoffen.

Im vorliegenden Projekt kam eine Holzrahmenkonstruktion zum Einsatz, deren brandschutztechnisch wirksame Bekleidung mit Gipsfaser-Platten ausgeführt wurde. Diese Platten übernehmen mehrere Funktionen zugleich. Sie schützen die tragenden Holzbauteile, erhöhen die Feuerwiderstandsdauer und tragen zur Aussteifung der Konstruktion bei. Dadurch lassen sich selbst anspruchsvolle Brandschutzanforderungen im mehrgeschossigen Holzbau zuverlässig erfüllen.

Materialeigenschaften der eingesetzten Gipsfaser-Platten

Die verwendeten Gipsfaser-Platten von fermacell bestehen aus einer homogenen Mischung aus Gips, Wasser und recycelten Papierfasern. Sie kommen ohne zusätzliche Bindemittel oder Leimzusätze aus. Das Material erhält seine Festigkeit allein durch die Verfilzung der Fasern mit dem Gipskern.

Diese Zusammensetzung bringt mehrere Vorteile mit sich. Zum einen sind die Platten nachweislich emissionsarm und enthalten keine gesundheitsgefährdenden Stoffe wie Formaldehyd. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden Raumklima. Zum anderen sorgt die hohe Rohdichte für eine überdurchschnittliche Stabilität, die im Holzbau besonders geschätzt wird.

Tragfähigkeit und Aussteifung im Holzbau

Ein wesentlicher Vorteil der Gipsfaser-Platten liegt in ihrer hohen mechanischen Belastbarkeit. Aufgrund ihrer Stabilität dürfen sie im Holzbau sowohl tragend als auch aussteifend eingesetzt werden. Sie eignen sich damit nicht nur zur Bekleidung, sondern auch zur konstruktiven Aussteifung von Wänden und Decken.

Gerade bei Aufstockungen im Bestand spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Denn zusätzliche Stahl- oder Holzverbände lassen sich häufig nur eingeschränkt integrieren. Die Platten übernehmen hier statische Aufgaben, ohne den konstruktiven Aufbau unnötig zu verkomplizieren. Zudem ermöglichen sie eine schlanke Wandkonstruktion, was wertvolle Nutzfläche erhält.

Brandschutz bis F120

Im Brandfall profitieren Gipsfaser-Platten von den materialtypischen Eigenschaften des Gipses. Dieser enthält chemisch gebundenes Kristallwasser, das bei Hitzeeinwirkung freigesetzt wird. Dadurch verzögert sich der Temperaturanstieg auf der Bauteilrückseite erheblich. Je nach Konstruktionsaufbau lassen sich so Feuerwiderstandsklassen bis F120 realisieren.

Darüber hinaus sind die Platten gemäß DIN EN 13501 als nichtbrennbarer Baustoff der Klasse A2 eingestuft. Diese Eigenschaft ist besonders relevant für Gebäude der Klasse 5, da sie den Einsatz brennbarer Materialien in tragenden Bauteilen stark einschränkt. Die Gipsfaser-Platten ermöglichen hier abweichend feuerbeständige Konstruktionen, die den Holzbau auch in höheren Gebäudeklassen zulassen.

Schallschutz und Arbeitskomfort

Neben dem Brandschutz spielt der Schallschutz im Bürogebäude eine zentrale Rolle. Konzentration, Vertraulichkeit und akustischer Komfort beeinflussen die Qualität von Arbeitsplätzen erheblich. Auch in diesem Bereich bieten Gipsfaser-Platten klare Vorteile.

Normgerecht geprüfte Holzständerwände mit einlagiger Beplankung erreichen Schalldämmwerte von bis zu Rw 57 dB. Bei zweilagiger Beplankung sind sogar Werte bis Rw 68 dB möglich. Diese Leistungsfähigkeit erlaubt flexible Grundrisse, ohne akustische Nachteile in Kauf zu nehmen. Gerade in modernen Bürokonzepten mit Einzel-, Team- und Besprechungsräumen stellt dies einen entscheidenden Mehrwert dar.

Nachhaltigkeit und bauökologische Qualität

Die eingesetzten Gipsfaser-Platten fügen sich auch aus ökologischer Sicht gut in das Gesamtkonzept der Aufstockung ein. Sie bestehen überwiegend aus natürlichen und recycelten Rohstoffen und lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus sortenrein zurückbauen. Zudem bestätigen unabhängige Institute wie das Institut für Baubiologie sowie das eco-Institut Köln ihre Umweltverträglichkeit.

Eine Umwelt-Produktdeklaration des Instituts Bauen und Umwelt e. V. dokumentiert die ökologischen Kennwerte transparent. Damit eignen sich die Platten auch für Bauvorhaben, die im Rahmen von Gebäudezertifizierungen bewertet werden. In Kombination mit der Holzrahmenbauweise entsteht so ein konsequent nachhaltiger Aufbau, der sowohl technische als auch ökologische Anforderungen erfüllt.

Eigenständige Optik durch moderne Fassadenlösung

Auch die äußere Gestaltung folgte klaren Vorgaben. Für die Außenwandbekleidung waren nicht brennbare Baustoffe vorgeschrieben. Die Wahl fiel auf eine hinterlüftete Fassade mit Faserzementtafeln von James Hardie. „Wir haben hier verschiedene Baumaterialien geprüft und uns letztlich für Hardie Panel Fassadenbekleidungen aus Faserzement entschieden“, erklärt Schnietz. „Der Vorteil dieser Faserzement-Fassadentafeln von James Hardie ist, dass sie nicht brennbar sind.“

Die großformatigen Tafeln überzeugen durch Langlebigkeit, geringe Wartungskosten und eine pflegeleichte Oberfläche. Gleichzeitig unterstützen sie nachhaltige Baukonzepte durch reduzierte CO2-Emissionen. Gestalterisch setzt der aufgestockte Baukörper bewusst einen Kontrast zum Bestand. Dennoch greift er dessen Rhythmik auf und fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein.

Fazit: Aufstockung als zukunftsfähige Lösung

Die Aufstockung des Bürogebäudes in Euskirchen zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial im Bestand steckt. Durch gezielte Eingriffe entstanden moderne Büroflächen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Gleichzeitig konnten funktionale, energetische und gestalterische Defizite nachhaltig behoben werden.

Das Projekt verdeutlicht, dass Aufstockungen im Gewerbebau nicht nur wirtschaftlich sinnvoll sind. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung und schaffen hochwertige Arbeitsumgebungen für die Zukunft.

(James Hardie Europe / Heike van Ooyen)

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