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Architektur 23.04.2026, 15:30 Uhr

Förderpreis des Deutschen Stahlbaus: Forschung im Fokus

Junge Perspektiven, innovative Forschung und starke Entwürfe: Der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus zeigt, wie der Nachwuchs die Baukultur von morgen aktiv gestaltet.

Isarsteg in Freising als Siegerentwurf des Förderpreises des Deutschen Stahlbaus, der Brückenbau, Architektur und Landschaft in einer Stahlkonstruktion verbindet.

Die Gewinnerin des Förderpreises des Deutschen Stahlbaus zeigt mit dem Entwurf des Isarstegs in Freising, wie Brückenbau, Architektur und Landschaft zu einem nachhaltigen Ensemble im Stahlbau verschmelzen.

Foto: BFS

Wenn über die Zukunft des Bauens gesprochen wird, stehen häufig neue Materialien, digitale Prozesse oder Nachhaltigkeitsstrategien im Fokus. Doch mindestens genauso entscheidend sind die Menschen, die diese Entwicklungen vorantreiben.

Der Nachwuchs in Architektur und Ingenieurbau bringt neue Denkweisen, kombiniert Forschung mit Gestaltung und setzt innovative Impulse für eine zukunftsfähige Baukultur. Genau hier setzt der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus an: Er rückt junge Talente bewusst ins Zentrum und macht ihre Ideen sichtbar.

Förderpreis des Deutschen Stahlbaus als Plattform für den Nachwuchs

Im Rahmen des DASt-Kolloquiums 2026 in Berlin wurden erneut herausragende studentische und wissenschaftliche Arbeiten mit dem Förderpreis des Deutschen Stahlbaus ausgezeichnet. Die prämierten Projekte zeigen eindrucksvoll, mit welcher Klarheit, analytischen Tiefe und gestalterischen Qualität sich Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen aktuellen Herausforderungen widmen.

Dabei wird deutlich: Innovative Lösungen für den Stahlbau von morgen werden längst gedacht – und der Nachwuchs nutzt die Chance, sich einer breiten Fachöffentlichkeit zu präsentieren, aktiv und selbstbewusst.

Wissenschaft und Praxis im Dialog

Das DASt-Forschungskolloquium ist eine etablierte Plattform für Promovierende, Jungingenieurinnen und Jungingenieure im Stahl-, Metall- und Verbundbau. Hier treffen wissenschaftliche Fragestellungen auf praktische Anforderungen.

Der intensive fachliche Austausch schafft neue Perspektiven und stärkt das gemeinsame Verständnis für die komplexen Aufgaben des Bauens. Der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus ist dabei ein zentrales Instrument, um exzellente Leistungen sichtbar zu machen und den Transfer zwischen Forschung und Praxis nachhaltig zu fördern.

Förderpreis des Deutschen Stahlbaus und aktuelle Forschungsthemen

Die diesjährigen Preisträger des Kolloquiums stehen exemplarisch für die thematische Breite moderner Stahlbauforschung. Ausgezeichnet wurden Arbeiten, die sich zentralen Fragestellungen von Sicherheit, Resilienz und Bestandserhalt widmen:

  • Nils Rittich und Markus Feldmann (RWTH Aachen)
    Zuverlässigkeitsorientierte Charakterisierung und Klassifizierung additiv gefertigter Stahlbauteile
    Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur sicheren Anwendung additiver Fertigungsverfahren im Stahlbau.
  • Kira Buchenau und Max Spannaus (Universität der Bundeswehr München)
    Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Explosionsschutz kritischer Infrastrukturen
    Der Fokus liegt auf der Erhöhung der Widerstandsfähigkeit sicherheitsrelevanter Bauwerke gegenüber Extremereignissen.
  • Marco Maibaum und Karsten Geißler (TU Berlin)
    Messdatenbasierte Bewertung von Temperatureinwirkungen bei Bestandsbrücken
    Die Arbeit zeigt praxisnahe Wege auf, wie Monitoringdaten für den nachhaltigen Erhalt von Infrastruktur genutzt werden können.

Diese Projekte verdeutlichen, wie präzise Analyse, innovative Methoden und hohe Praxisrelevanz zusammenwirken. Der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus würdigt damit nicht nur einzelne Leistungen, sondern setzt gezielt Impulse für die Weiterentwicklung der gesamten Branche.

Förderpreis des Deutschen Stahlbaus: Nachwuchsförderung mit Weitblick

Für den Deutschen Ausschuss für Stahlbau ist die gezielte Förderung junger Talente ein zentrales Anliegen. Der Stahlbau lebt von Erfahrung – aber ebenso von neuen Perspektiven. Gerade die Verbindung von Forschung, Gestaltung und Konstruktion ist entscheidend, um nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus schafft dafür eine verlässliche Bühne und motiviert den Nachwuchs, Verantwortung für die gebaute Umwelt zu übernehmen.

Erster Platz: Isarsteg mit Flussbad in Freising

Ein besonderes Highlight der diesjährigen Auszeichnung ist der erstplatzierte Entwurf „Isarsteg mit Flussbad in Freising“ von Lojaen Shahoud, Studentin an der Hochschule München. Der Entwurf zeigt, wie Infrastruktur weit über ihre reine Funktion hinauswachsen kann. Eine filigrane Stahlkonstruktion in Form eines Monocoque-Hohlkastens überspannt stützenfrei 60 Meter und verbindet Architektur, Landschaft und Tragwerk zu einem überzeugenden Gesamtkonzept.

Die Aufteilung in unterschiedliche Ebenen ermöglicht eine klare Trennung von Rad- und Fußverkehr und schafft gleichzeitig hohe räumliche Qualität. Die Brücke wird Teil eines Ensembles aus Flussbad, Steganlagen und ergänzenden Baukörpern. Wetterfester Stahl reduziert den Wartungsaufwand und unterstreicht den nachhaltigen Ansatz. In Kombination mit naturbelassenen Materialien entsteht ein Ort mit Aufenthaltsqualität, der sich sensibel in den Naturraum einfügt und zugleich ein starkes gestalterisches Statement setzt.

Zweiter Platz: Modulare Aula für die Universität Bonn

Der zweite Platz beim Förderpreis des Deutschen Stahlbaus geht an den Entwurf einer studentischen Arbeitsgruppe der RWTH Aachen. Zum Team gehören Jana Winkelmeyer, Angelina Schreyer, Bianka Oliwia Bojanowicz, Veliana Despodova, Kristin Luise Paul und Carolin Springob. Die Jury würdigt eine Arbeit, die zeigt, wie konsequent zirkuläres Bauen im Stahlbau bereits heute gedacht und umgesetzt werden kann.

Die „Modulare Aula für die Universität Bonn“ ist als temporärer, aber langlebig nutzbarer Baukörper konzipiert. Im Mittelpunkt steht ein klar strukturiertes Stahltragwerk, das mit vorgefertigten Holzbauelementen kombiniert wird. Alle Komponenten sind so entwickelt, dass sie sich einfach montieren, demontieren und an anderer Stelle erneut verwenden lassen. Damit folgt der Entwurf konsequent den Prinzipien des modularen und rückbaubaren Bauens.

Modulare Aula für die Universität Bonn als zweitplatzierter Entwurf des Förderpreises des Deutschen Stahlbaus mit Stahltragwerk und Holzmodulen für zirkuläres Bauen.
Der zweite Platz des Förderpreises des Deutschen Stahlbaus geht an die modulare Aula für die Universität Bonn. Der Entwurf zeigt, wie zirkuläres Bauen mit Stahltragwerk und Holzmodulen im Hochschulbau umgesetzt werden kann. Foto: BFS

Besonders überzeugend bewertet die Jury den ganzheitlichen Ansatz: Der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes wird von der Planung über die Nutzung bis hin zum Rückbau mitgedacht. Durch die hohe Standardisierung entsteht eine effiziente Logistik sowie ein schneller und ressourcenschonender Bauablauf. Gleichzeitig bleibt die architektonische Qualität erhalten. Die modulare Aula fügt sich selbstverständlich in unterschiedliche bauliche Kontexte ein und zeigt, dass temporäre Architektur im Stahlbau weder provisorisch noch beliebig sein muss.

Anerkennungen für weitere Arbeiten

Neben den beiden Hauptpreisen wurden im Rahmen des Förderpreises des Deutschen Stahlbaus weitere Arbeiten mit Anerkennungen ausgezeichnet, die die thematische Vielfalt des Fachgebiets unterstreichen. Die Projekte reichen von architektonischen Entwürfen im städtebaulichen Kontext bis hin zu ingenieurwissenschaftlich geprägten Forschungsarbeiten.

Einige Arbeiten zeigen beispielhaft, wie sich Stahl als prägender Baustoff in bestehende Quartiere integrieren lässt und dabei sowohl konstruktive als auch gestalterische Anforderungen erfüllt. Andere Beiträge widmen sich der Weiterentwicklung und Erhaltung bestehender Infrastrukturen. Hier kommen moderne Methoden wie Structural Health Monitoring, Materialanalysen und digitale Auswertungsverfahren zum Einsatz, um Bauwerke langfristig nutzbar zu halten und nachhaltiger zu bewerten.

Auch experimentelle Untersuchungen zu modularen Brückensystemen im Stahlbau wurden präsentiert. Sie verdeutlichen das Potenzial standardisierter, flexibel kombinierbarer Konstruktionen, die sich effizient an unterschiedliche Anforderungen anpassen lassen.

Impulsgeber für die Branche

Der Förderpreis des Deutschen Stahlbaus zeigt auch in diesem Jahr eindrucksvoll, wie eng Forschung, Lehre und Baupraxis miteinander verbunden sind. Die ausgezeichneten Arbeiten stehen für eine neue Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren, die komplexe Herausforderungen als Gestaltungsaufgabe begreift.

In einer Zeit, in der nachhaltiges Bauen, Ressourceneffizienz und Digitalisierung im Bauwesen zunehmend an Bedeutung gewinnen, kommt dem Nachwuchs eine zentrale Rolle zu. Die eingereichten Projekte machen deutlich, dass viele innovative Lösungen bereits existieren – sie müssen nur sichtbar gemacht und konsequent in die Praxis überführt werden. (bauforumstahl e.V. / Heike van Ooyen)

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