Diese Holzfaserdämmstoffe könnten Glaswolle bald verdrängen
Wie Holzfaserdämmstoffe aus regionalem Buchenholz die Bauindustrie verändern: energieeffizient, nachhaltig und zukunftsweisend – ein neues Kapitel für ressourcenschonende Wärmedämmung.
Ein Wärmedämmziegel mit nachhaltigen Holzfaserdämmstoffen aus Buchenholz kann herkömmliche Dämmstoffe ersetzen.
Foto: Fraunhofer WKI / Manuela Lingnau
Beim Bauen tritt immer die Frage nach der Energie auf. Häuser, die heute gedämmt werden, sollen morgen energieeffizient, nachhaltig und langlebig sein. Genau hier setzen Holzfaserdämmstoffe an – Dämmmaterialien, die in Zukunft herkömmliche Lösungen wie Glaswolle oder Mineralwolle ersetzen könnten. Forschende haben wegweisende Ergebnisse erzielt, indem sie Buchenholzfasern nutzbar gemacht haben, die zuvor kaum als Baustoff genutzt wurden.
Nachhaltigkeit neu gedacht im Ziegelbau
In der Baupraxis steckt oft ein Widerspruch zwischen Effizienz und Nachhaltigkeit. Doch durch den Einsatz von Holzfaserdämmstoffe aus Buchenholz verändert sich dieser Konflikt zugunsten der Umwelt. Warum Buche? Weil sie reichlich vorhanden ist und – anders als Nadelholz – auch in Zeiten des Klimawandels nachwächst. Wissenschaftler haben für die Bauindustrie neue Dämmmatten und Holzschaumgranulate entwickelt, die genau diesen Rohstoff nutzen. Dr. Nina Ritter vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung
Wilhelm-Klauditz-Institut WKI berichtet dazu: „Mit unserem Projekt haben wir eine nachhaltige Perspektive für die Bauwirtschaft sowie eine hochwertige Nutzungsmöglichkeit für Buchenholz geschaffen.“
Mit Holzfaserdämmstoffe clever dämmen
Ein besonders Anwendungsfeld sind Wärmedämmziegel, bei denen das Dämmmaterial gleich im Ziegel steckt. Statt wie früher einfache Steinwolle einzusetzen, wird heute geprüft, ob Holzfaserdämmstoffe diese Aufgabe übernehmen können. Die Forschenden haben gezeigt, dass Buchenholzfasern als Füllung geeignet sind, wenn sie als flexible Matten oder als Schaumgranulat verarbeitet werden. Damit lassen sich Ziegel nicht nur effizient dämmen, sondern auch ressourcenschonend herstellen. So entsteht ein Produkt, das von innen heraus Energie spart – und gleichzeitig recyclebar bleibt.
Der Weg der Holzfaserdämmstoffe in die Praxis
Das Konzept alleine genügt nicht – deshalb wurde ein vollumfängliches Pilotprojekt gestartet. Gemeinsam mit Industriepartnern haben Forschende ein finales Konzept für eine Produktionsanlage entwickelt, die Holzfaserdämmstoffe aus Buchenholz herstellen kann. Dieser Schritt ist entscheidend, um aus einem Forschungsergebnis ein industrielles Produkt zu machen. Was dabei auffällt: Neben der Dämmwirkung testen die Entwickler auch, wie gut sich die Materialien verarbeiten, stapeln und wiederverwerten lassen. Diese ganzheitliche Betrachtung sorgt dafür, dass die Dämmstoffe nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMELH) förderte das Projekt über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). In der Förderdatenbank der FNR ist das Vorhaben unter den Förderkennzeichen 2221HV003A bis 3C gelistet. Damit unterstreicht die Förderung die Relevanz des Projekts für nachhaltiges, ressourceneffizientes Bauen.
Die ökologische Stärke der neuen Dämmstoffe
Ein weiterer Vorteil der Holzfaserdämmstoffe ist ihre Recyclingfähigkeit. Anders als viele konventionelle Dämmmaterialien lassen sich Ziegel mit Holzfaserdämmung nach ihrem Einsatz mechanisch trennen und wiederverwerten. Durch Nass- oder Windsichtung werden Dämmstoffmatten vom Ziegelmaterial getrennt und zu neuen Holzwerkstoffplatten verarbeitet – ein echter Gewinn für die Kreislaufwirtschaft. Das schont Ressourcen, spart Energie und sorgt dafür, dass Dämmung nicht am Ende ihrer Lebenszeit zur Belastung wird.
Holzfaserdämmstoffe in der Baupraxis
Für Bauherren und Handwerker eröffnen Holzfaserdämmstoffe neue Perspektiven: leichtere Verarbeitung, geringere Umweltbelastung und echte Einsparpotenziale beim Energieverbrauch. Gleichzeitig bieten sie gute thermische Eigenschaften, die im direkten Vergleich mit traditionellen Dämmstoffen konkurrenzfähig sind. Zudem reagiert die Bauindustrie auf steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Die neuen Holzfaserlösungen passen zu dieser Entwicklung.
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