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„Der Automatisierungsgrad hat in der Flexibilität seine Grenzen“

04. Januar 2013

Wie sich neue Strategien in der Produktion auf die Zukunft der Arbeit auswirken, untersuchte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Ende Januar sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Laut Institutsleiter Prof. Dieter Spath werden in Zukunft sogar mehr menschliche Eingriffe in die Produktion nötig sein.
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VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Bei der Einführung der Automatisierungstechnik gab es viele Bedenken, dass der Mensch aus der Produktion verdrängt würde – wie sieht es nun bei Industrie 4.0 aus?

Spath: Bei der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung sehe ich das nicht kritisch. Wenn wir eines aus der Zeit des CIM-Hypes gelernt haben, dann dass der Automatisierungsgrad in der Flexibilität seine wirtschaftlichen Grenzen hat. Daran wird auch Industrie 4.0 nichts Grundlegendes ändern.

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Spath: Die großen Stückzahlen für Vollautomatisierungen werden wir in Deutschland zukünftig immer seltener haben. Flexible Reaktion auf volatile Märkte wird der entscheidende Erfolgsfaktor sein. Wenn wir es schaffen, durch Industrie 4.0 im internationalen Wettbewerb hier Vorsprünge zu erwirtschaften, dann ist das der beste Beitrag zur Beschäftigungssicherung. Daher bin ich mir sicher, dass die Marktanforderungen bei uns eher zu lokalen Automatisierungen mit flexibler Verknüpfung führen, durchaus durch Menschen.

Welche Aufgaben wird der Mensch in der Fabrik der Zukunft übernehmen?

Spath: Wir werden im Schnitt höherwertige Arbeit erleben, was aber nicht bedeutet, dass es keine einfachen Tätigkeiten mehr gibt. Gerade KMU werden auf absehbare Zeit stark darauf angewiesen sein, dass auch einfache Tätigkeiten von Menschen ausgeführt werden. Eine Automatisierung rechnet sich hier aufgrund der hohen Individualität der Produkte und der Änderungsgeschwindigkeit der Prozesse nicht. Hier brauchen wir sogar noch mehr menschliche Eingriffe als bisher, nur so kann die Flexibilität der Produktion weiter steigen.

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Auf der anderen Seite werden auch in Zukunft Menschen wichtige Entscheidungen bei der Produktionssteuerung treffen. Unterstützt werden sie dabei verstärkt über Methoden und Daten aus der Industrie 4.0. Hier geht es darum, die Informationen so aufzuarbeiten, dass immer mehr Mitarbeiter in der Lage sind, solche Tätigkeiten zu übernehmen.

Wichtig dabei ist es, dass die Mitarbeiter ein Verständnis für das Gesamtkonzept haben. Die Mitarbeiter müssen verstehen, wie ihre Entscheidung das System beeinflusst, sonst hilft jede noch so gute Informationsaufbereitung nichts.

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Wie können die Mitarbeiter auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden?

Spath: Wir müssen uns bewusst machen, dass es entscheidend ist, möglichst viele Menschen im Rahmen ihrer Fähigkeiten an die maximale Einsatzmöglichkeit ihrer Fähigkeiten zu bringen. Dazu brauchen wir ein förderndes Ausbildungssystem, kein selektives. Das werden wir aufgrund der demografischen Entwicklung noch bitter lernen müssen, nicht nur wie heute bei hochqualifizierten Ingenieuren und bei Fachpersonal, sondern in allen Bereichen.

Um alle Mitarbeiter mitnehmen zu können, müssen wir deutlich machen, welche Vorteile für den Einzelnen dabei rauskommen. Wir müssen die Mitarbeiter als führende Entscheidungsinstanz einbinden, die durch die Technik unterstützt wird. Wie schnell die Mitarbeiter – egal welcher Generation – sich neue Technik zu eigen machen, wenn sie einen Vorteil für sich erkennen, haben wir oft gesehen.

Wichtig wird auch sein, die Weiterbildung, so gut es geht, on the Job zu machen. Wir können es uns nicht mehr leisten, Leistungsträger auf lange Zeit aus dem Arbeitsprozess zu reißen, auf die Schulbank zu setzen und dann nur einen kleinen Teil des Gelernten wieder einsetzen zu können. Industrie 4.0 selbst bietet viele neue Möglichkeiten, um die Weiterbildung als „Just-in-time-Learning“ zu realisieren.

Wie groß wird das Thema Industrie 4.0 auf Ihrem Zukunftsforum und welche Themen sind sonst noch zu erwarten?

Spath: Das Zukunftsforum beleuchtet die Zukunft der Arbeit von drei Seiten. Neben der Produktionsarbeit werden Wissens- und Büroarbeit sowie Dienstleistungsarbeit die Zukunft der Arbeit in Deutschland prägen. Diese Sichtweisen werden in der Plenarveranstaltung am Vormittag eingeführt und in drei parallelen Vortragssessions vertieft.

Industrie 4.0 wird die Produktionsarbeit der Zukunft entscheidend prägen. Wie das konkret aussehen wird, zeigt die IAO-Leitstudie „Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0“, die auf dem Zukunftsforum exklusiv vorgestellt wird.

Das Zukunftsforum: „Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft“ findet am 31. Januar 2013 in Stuttgart statt.



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