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Das Smartphone befiehlt: Jetzt wird gewaschen

03. April 2025

Der Austausch von Strom zwischen Nord- und Süddeutschland könnte verringert werden, fossile Kraftwerke länger Pause machen und Solar- und Windstrom ließen sich effektiver nutzen, wenn ein noch kaum genutztes Potenzial erschlossen würde: die Flexibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher. Auch der Ausbau von Niederspannungsnetzen, der vermeintlich nötig ist, um den zunehmenden…
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Der Austausch von Strom zwischen Nord- und Süddeutschland könnte verringert werden, fossile Kraftwerke länger Pause machen und Solar- und Windstrom ließen sich effektiver nutzen, wenn ein noch kaum genutztes Potenzial erschlossen würde: die Flexibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher. Auch der Ausbau von Niederspannungsnetzen, der vermeintlich nötig ist, um den zunehmenden Strombedarf von Elektroautos und Wärmepumpen zu decken könnte verlangsamt werden. „Doch der schleppende Smart Meter Rollout stellt für uns als Übertragungsnetzbetreiber eine große Hürde dar, die großen Potenziale an verfügbarer dezentraler Flexibilität netzdienlich zu heben“, klagt Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung des Stuttgarter Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW. Bereits kleine finanzielle Anreize könnten helfen, dieses Potenzial zu heben, vorausgesetzt, Haushalte verfügen über intelligente Stromzähler (Smart Meter).

Wer Überschussstrom nutzt wird finanziell belohnt

Genau das macht das Unternehmen jetzt gemeinsam mit dem Londoner Stromanbieter Octopus, der in seinem Heimatmarkt bereits Erfahrung hat mit der Umerziehung der Stromkundinnen und -kunden. Wenn diese ihren Verbrauch in einer Zeit reduzieren, zu der wenig Wind- und Solarstrom ins Netz eingespeist werden, und umgekehrt ihre Wasch- und Spülmaschinen, Wäschetrockner, Wärmepumpen und Ladegeräte für E-Autos bevorzugt dann nutzen, wenn grüner Strom im Überfluss ins Netz fließt, werden sie finanziell belohnt.

Angebotsorientierte Strompreise

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher diese lukrative Wahl haben brauchen sie Informationen darüber, wann es für sie finanziell am günstigsten ist, ihre Großverbraucher anzuwerfen. Das lässt sich sogar in Echtzeit via Internet bewerkstelligen. Dazu sind Smart Meter unverzichtbar, die der Stromanbieter alle paar Minuten automatisch abliest – ebenfalls übers Internet – um die Strompreise angebotsorientiert festzulegen.

„Power-Ländle-Aktion“

Privatpersonen in Baden-Württemberg haben seit Kurzem im Rahmen der „Power-Ländle-Aktion“ die Möglichkeit, mithilfe der Energiewende-App „StromGedacht“ ihren Energieverbrauch „netzdienlich“ anzupassen und durch die Teilnahme an einem Gewinnspiel sowie die Rückerstattung eines Teils der Stromrechnung finanziell zu profitieren. „Damit haben wir gezeigt, dass Verbrauchsverschiebungen bei prognostizierten Netzengpässen ein volkswirtschaftlich effizientes Mittel sind, um perspektivisch die Kosten des Engpassmanagements für alle Stromkundinnen und -kunden zu reduzieren“, so Götz.

Solarstromabnahme lässt sich stoppen

Mit Engpassmanagement meint Götz die Bemühungen der Übertragungsnetzbetreiber, zu jeder Zeit genauso viele Stromerzeuger zu aktivieren wie alle Verbraucher benötigen. Dazu gehören das Ein- und Ausschalten von Kraftwerken, der Einsatz von Pumpspeicherkraftwerken und Batterien, Zwangspausen für industrielle Großabnehmer bei Strommangel, internationale Im- und Exporte und im – immer häufiger auftretenden Extremfall – die zeitweise Abschaltung ganzer Windparks und Solarkraftwerke. Mit dem gerade in Kraft getretenen Solarspitzengesetz ist es den Netzbetreibern jetzt auch möglich, die Einspeisung von Solarstrom vom Dach privater Photovoltaik-Betreiber (ab einer Nennleistung von 7 kW) zu stoppen. Das „Dispatch“ genannte Eingreifen in die Stromerzeugung ist sehr teuer und wird auf alle Stromkunden umgelegt. Mit dem „netzdienlichen“ Einsatz von Stromverbrauchern könnten es die Dispatcher ruhiger angehen lassen.

Zehn Millionen Pfund für bewussten Stromverbrauch

„Jede verschobene Kilowattstunde ist günstiger als teurer Backup-Strom“, sagt Bastian Gierull, Geschäftsführer von Octopus Energy Deutschland. „So sinken die Systemkosten und das eingesparte Geld fließt zurück an die Verbraucherinnen und Verbraucher statt an fossile Kraftwerksbetreiber. In England verschieben wir so schon Gigawattstunden an Strom und konnten bereits mehr als 10 Mio. £ (12 Mio. €) an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben.“

Strompreisinformation per Push-Meldung

„StromGedacht“ informiert die Nutzerinnen und Nutzer per Smartphone mit einer einfachen Farbskala über den Status des Stromnetzes in Baden-Württemberg und weist per Push-Nachricht darauf hin, wann es sinnvoll ist, den Stromverbrauch anzupassen. Im Januar 2025 prognostizierte die Systemführung von TransnetBW zweimal einen potenziellen Netzengpass aufgrund von hoher Windeinspeisung in Norddeutschland und fehlender Transportkapazitäten im Übertragungsnetz nach Süddeutschland. Die App löste daraufhin den Netzstatus „Orange“ (Strommangel) aus und forderte per Push-Benachrichtigung dazu auf, flexible Lasten zu verschieben, die Batterien des E-Autos also erst später aufzuladen.

Großbritannien liegt in Führung

Während der beiden Engpässe verschoben jeweils rund 13 000 Nutzerinnen und Nutzer den Betrieb von Großverbrauchern. Insgesamt wurden dabei 28,5 MWh von Privatpersonen verschoben. Genau die mussten nicht von fossilen Kraftwerken produziert werden, sondern wurden verbraucht, als Wind und Sonne wieder genügend Strom einspeisten. Während beispielsweise in Großbritannien bereits zwei Drittel aller Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sind, geht es in Deutschland in diesem Jahr erst richtig los. Bis 2032 sollen die meisten Haushalte damit ausgestattet sein. Bisher sind es weniger als 10 %.



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