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Continental ruft großes Ziel aus: 100 Prozent nachhaltige Reifen

15. Februar 2023

Reifenbestandteile
Altreifen werden mechanisch aufbereitet, um Rohstoffe herauzulösen.
Foto: Continental AG
Continental ersetzt nach und nach die Materialien für die Reifenproduktion. Der Plan sind Reifen, die vollständig aus natürlichen oder recycelten Rohstoffen bestehen. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg: Im Jahr 2050 soll es soweit sein.
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Autoreifen sind komplexer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Nach Angaben von Continental setzt das Unternehmen für seine Reifen bis zu einhundert unterschiedlichen Rohmaterialien ein, um die gewünschten Eigenschaften zu erreichen. Die genaue Abstimmung ist ein langwieriger Prozess. Entsprechend schwer ist es, Rohstoffe gegen alternative Materialien auszutauschen. Continental nimmt sich also viel vor. Denn spätestens im Jahr 2050 sollen alle Reifen ausschließlich aus nachhaltigen Materialien bestehen. Erste Schritte sind gemacht: Unter anderem Asche von Reishülsen, Kautschuk aus Löwenzahn, recyceltes Gummi oder PET-Flaschen werden für den Reifenbau getestet und zum Teil bereits verwendet.

Auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit muss natürlich die gesamte Produktionskette betrachtet werden: „Unsere starke Innovationskraft ermöglicht es uns, neue und nachhaltigere Wege zu gehen. Das beginnt bei der Herkunft und Beschaffung unserer Materialien und reicht bis zur Wiederverwertung und dem Recycling unserer Reifen“, sagt Claus Petschick, Leiter Nachhaltigkeit des Reifenbereichs bei Continental.

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Continental beeinflusst die Produktion von Naturkautschuk

Die Umstellung hat bereits begonnen. Continental spricht davon, dass in Standard-Pkw-Reifen aktuell ein Anteil an nachhaltigen Materialien stecke, der sich in einer Größenordnung zwischen 15% und 20% bewege.

Continental setzt auf Bio und Recycling für Oberflächen im Fahrzeuginnenraum

Aber manche Rohstoffe sind besonders schwer zu ersetzen. Das gilt vor allem für Naturkautschuk. Er ist stoßfest und sehr haltbar, was mit der Dehnungskristallisation des Kautschuks zusammenhängt. Dabei ist Kautschuk prinzipiell ein nachhaltiger Rohstoff, weil er nachwächst. Das setzt jedoch voraus, dass Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit stattfinden. Hier setzt Continental an: mit digitalen Technologien, lokalem Engagement und einer engen Zusammenarbeit mit Lieferanten, um einerseits mehr Transparenz zu erreichen und andererseits Wertschöpfung und Transport positiv zu beeinflussen.

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Parallel findet das sogenannte Taraxagum-Projekt statt. Dahinter steht die Idee, Naturkautschuk aus speziell gezüchteten Löwenzahnpflanzen zu gewinnen. Gemeinsam mit Partnern arbeitet Continental daran, genau das auf einem industriellen Niveau umzusetzen.

Füllstoffe sollen bei Continental auf natürlicher Basis entstehen

Eine weitere wichtige Komponente in Autoreifen sind Füllstoffe, etwa Silika für den Reifenbau. Silika wird unter anderem benötigt, um Grip, Rollwiderstand und Laufleistung zu verbessern. Auch in diesem Bereich soll ein neuer Ausgangsstoff in Spiel kommen, nämlich Reishülsen. Dabei handelt es sich um ein Abfallprodukt der Reisproduktion, das weder als Nahrungsmittel noch als Tierfutter verwendet werden kann. Continental verarbeitet die Reishülsen dabei nicht direkt, sondern ihre Asche. Auf diese Weise soll die Silika-Herstellung effizienter werden – normalerweise wird dafür beispielsweise Quarzsand eingesetzt.

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Andere Füllstoffe in herkömmlichen Autoreifen werden auf der Basis von Rohöl produziert. In diesem Bereich ist Continental bereits ein gutes Stück vorangekommen. Die Alternativen sind pflanzlich Öle wie Rapsöl oder Harze, die aus Reststoffen der Papier- und Holzindustrie gewonnen werden. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um Öle technischer Qualität, die also nicht für den Verzehr geeignet wären.

Recycling ist ein wichtiges Standbein auf dem Weg Richtung Nachhaltigkeit

Abgesehen von nachwachsenden Rohstoffen sind Wertstoff-Kreisläufe ein gute Option für mehr Nachhaltigkeit. Continental will dementsprechend verstärkt Materialien einsetzen, die von recycelten Produkten stammen.

Teil dieser Strategie ist eine Entwicklungsvereinbarung mit Pyrum Innovations. Pyrum nutzt ein besonderes Pyrolyseverfahren, um Altreifen in Industrieöfen in ihre Bestandteile zu zersetzen. Auf diese Weise ist es möglich, einzelne Rohstoffe herauszufiltern und erneut zu verwenden. Neben hochwertigem Ruß sollen langfristig auch hochwertige Rohmaterialien gewonnen werden.

Continental fertigt Mountainbike-Reifen fair und nachhaltig

Eine andere Möglichkeit ist die mechanische Aufbereitung von Altreifen, die dazu dient, Gummi, Stahl und Textilcord voneinander zu trennen. Das Gummi kann anschließend für die Herstellung neuer Reifen verwendet werden.

Ebenfalls mit Partnern erprobt Continental eine Methode, um recycelte PET-Flaschen in hochwertiges Polyestergarn zu verwandeln. Bei einigen Reifenmodellen ersetzt es schon das bislang übliche Polyester. Dabei denkt Continental auch den Transport mit: Die PET-Flaschen stammen alle aus der Region. Denn bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen nicht nur die Reifen nachhaltig produzieren, sondern komplett klimaneutral sein.

Mehr lesen über nachhaltige Ansätze:

  • „Wir leben Logistik nachhaltig“
  • Wie nachhaltig ist mein Unternehmen eigentlich?


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