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BMW ruft 744.000 Autos zurück: Warum Rückrufe auf hohem Niveau bleiben

24. Juli 2026

BMW Zentrale in München
Der BMW-Konzern muss weltweit rund 750.000 Fahrzeuge in die Werkstätten bitten. Grund: Mögliche Brandgefahr durch einen Fehler im Anlasser. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
BMW hat einen weltweiten Rückruf wegen Brandgefahr gestartet. Weltweit sind fast 750.000 Fahrzeuge betroffen, in Deutschland sind es 42.300.
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BMW startet einen weltweiten Rückruf von mehr als 744.000 Fahrzeugen. Ursache ist ein möglicher Kurzschluss im Starterrelais, der im Extremfall einen Fahrzeugbrand auslösen kann. Der aktuelle Fall steht exemplarisch für eine Entwicklung in der gesamten Automobilindustrie: Die Zahl der sicherheitsrelevanten Rückrufe steigt kontinuierlich.

Eine Auswertung der offiziellen Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigt, dass im ersten Halbjahr 2026 rund 28 % mehr Rückrufaktionen veröffentlicht wurden als im gleichen Zeitraum 2016. Gleichzeitig verschieben sich die technischen Ursachen zunehmend von klassischen mechanischen Defekten hin zu elektrischen, elektronischen und softwarebasierten Systemen.

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Inhaltsverzeichnis

BMW ruft weltweit mehr als 744.000 Fahrzeuge zurück

BMW hat unter der KBA-Referenznummer 16790R eine sicherheitsrelevante Rückrufaktion gestartet. Weltweit sind 744.234 Fahrzeuge betroffen, davon rund 42.300 in Deutschland. Erfasst werden Fahrzeuge, die zwischen dem 31. Juli 2020 und dem 26. Februar 2026 produziert wurden. Zum Rückruf gehören Fahrzeuge der Baureihen 2er, 3er, 4er, 5er, 6er und 7er sowie die SUV-Modelle X3, X4, X5, X6 und X7. Ebenfalls betroffen sind der BMW Z4 und das Elektrofahrzeug BMW i3.

Auslöser ist ein Fehler im RWT-Starterrelais. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes können durch Abrieb leitfähige Partikel entstehen, die den Kontaktwiderstand innerhalb des Relais erhöhen. Der steigende Übergangswiderstand führt zu einer höheren Verlustleistung und damit zu einer thermischen Überlastung. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich das Bauteil stark erhitzen und einen Kurzschluss verursachen. Daraus ergibt sich im Extremfall eine Brandgefahr.

Das Starterrelais übernimmt eine sicherheitsrelevante Funktion im Startsystem des Fahrzeugs. Es schaltet den hohen Strom zwischen Batterie und Anlasser. Bereits geringe Änderungen des elektrischen Kontaktwiderstands können aufgrund der hohen Stromstärken zu einer deutlichen Temperaturerhöhung führen. BMW ersetzt bei allen betroffenen Fahrzeugen den Starter. Nach Angaben des KBA sind bislang keine Sach- oder Personenschäden bekannt geworden.

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Betroffenes Fahrzeug prüfen

Ob ein Fahrzeug tatsächlich vom Rückruf erfasst wird, lässt sich ausschließlich über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) feststellen. BMW informiert betroffene Halter schriftlich. Zusätzlich können Fahrzeughalter ihre FIN auf der Rückrufseite des Herstellers eingeben und dort prüfen, ob Handlungsbedarf besteht. Anschließend kann direkt ein Termin in einer Vertragswerkstatt vereinbart werden.

Kostenlose Nachbesserung und weitere Ansprüche

Die Rückrufmaßnahme erfolgt für die Fahrzeughalter kostenfrei. Da der Rückruf einen sicherheitsrelevanten Mangel betrifft, überwacht das Kraftfahrt-Bundesamt die Durchführung. Halter sollten die Reparatur zeitnah durchführen lassen. Unabhängig von der kostenlosen Nachbesserung können sich aus dem Kaufrecht weitere Ansprüche ergeben, etwa wenn bereits Folgeschäden entstanden sind oder sich die Reparatur über längere Zeit verzögert. Gewährleistungsansprüche richten sich grundsätzlich gegen den Verkäufer des Fahrzeugs.

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Rückrufzahlen steigen weiter an

Der BMW-Rückruf reiht sich in eine Entwicklung ein, die sich seit Jahren beobachten lässt. Die Auswertung der offiziellen KBA-Rückrufdatenbank zeigt einen deutlichen Anstieg der veröffentlichten Rückrufaktionen. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt 272 Rückrufaktionen. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2016 waren es 212. Das entspricht einem Anstieg von rund 28 % innerhalb von zehn Jahren.

Auch der langfristige Trend bestätigt diese Entwicklung. Nach Auswertungen des ADAC wurden 2025 insgesamt 532 Rückrufaktionen veröffentlicht – fast dreimal so viele wie noch im Jahr 2010. Parallel wächst die Zahl der betroffenen Fahrzeuge. Allein 2024 mussten rund 2,84 Mio. Fahrzeuge wegen sicherheitsrelevanter Mängel überprüft oder nachgebessert werden.

Häufigste Rückrufursachen im 1. Halbjahr 2016

Rang Rückrufursache Anzahl
1 Unzulässige Abschalteinrichtung im Emissionskontrollsystem (Diesel) 15
2 Undichte Ölleitung 3
3 Bruch der Lenksäule 3
4 Fehlerhafter Fahrerairbag 2
5 Fehlerhafte Airbag-/Gurtstraffer-Auslösung 2
6 Glasdach kann sich lösen 2
7 Fehlerhafter Katalysator 2
8 Ausfall von Beleuchtung und Scheibenwischer 2
9 Sonnenblende kann sich bei Airbagauslösung lösen 2
10 Kraftstoffleitung undicht 2

Elektrik und Software verdrängen klassische Defekte

Die Ursachen der Rückrufe haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Während 2016 vor allem die Folgen des Dieselskandals mit Rückrufen wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen die Statistik prägten, dominieren heute elektrische und elektronische Komponenten. Im ersten Halbjahr 2026 war Brandgefahr die häufigste Rückrufursache. Dahinter folgen Probleme mit Takata-Airbags, Ausfälle des Antriebsstrangs sowie Defekte, bei denen sich Bauteile lösen oder in den Verkehrsraum gelangen können.

Ebenfalls häufig vertreten sind Fehler bei Fahrerassistenzsystemen, Reifendruckkontrollsystemen und elektronischen Steuergeräten. Die Entwicklung spiegelt den tiefgreifenden technologischen Wandel moderner Fahrzeuge wider. Hochvoltbatterien, Leistungselektronik, komplexe Bordnetze sowie eine stetig wachsende Zahl softwaregesteuerter Funktionen erhöhen die technische Komplexität erheblich. Entsprechend steigen auch die Anforderungen an Entwicklung, Validierung und Qualitätsabsicherung.

Rangliste der häufigsten Rückrufursachen im 1. Halbjahr 2026

Da das KBA jede Rückrufaktion mit einer individuellen Mangelbeschreibung veröffentlicht, treten viele Formulierungen nur einmal auf. Nach Häufigkeit ergibt sich folgende Rangfolge:

Rang Rückrufursache Anzahl
1 Brandgefahr 48
2 Takata-Gasgenerator – Überdruckreaktion bei Airbagauslösung 7
3 Antriebsausfall / Teile können in den Verkehrsraum gelangen 7
4 Teile im Verkehrsraum 6
5 Fehlerhaftes Reifendruckkontrollsystem 5
6 Vorschriftenabweichung bei Geschwindigkeitsanzeige bzw. Fahrerassistenzsystemen 5
7 Antriebsausfall 5
8 Antriebsverlust 4
9 Brandgefahr kombiniert mit Abgasvorschriften 4
10 Teile können sich lösen und in den Verkehrsraum gelangen 4

Ford und Stellantis führen die Rückruf-Statistik an

Die Auswertung der KBA-Daten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern. Ford veröffentlichte im ersten Halbjahr 2026 40 Rückrufaktionen und führt damit die Statistik an. Es folgen Citroën mit 22 sowie Opel mit 20 Rückrufen. Jeweils 15 Rückrufaktionen entfielen auf Mercedes-Benz, Peugeot und Fiat. BMW verzeichnete sieben Rückrufe und lag damit im Mittelfeld. Volkswagen kam auf sechs Rückrufaktionen; Audi, Porsche, Škoda sowie Seat und Cupra werden vom Kraftfahrt-Bundesamt separat erfasst.

Auffällig ist insbesondere der Stellantis-Konzern. Addiert man die Marken Citroën, Opel, Peugeot, Fiat, Jeep, DS Automobiles und Alfa Romeo, ergeben sich 81 Rückrufaktionen allein im ersten Halbjahr 2026. Allerdings erlaubt die reine Zahl der Rückrufe keine unmittelbaren Aussagen über die Qualität eines Herstellers. Eine Rückrufaktion kann wenige Hundert Fahrzeuge betreffen oder mehrere Hunderttausend. Für eine technische Bewertung sind daher neben der Anzahl der Aktionen insbesondere die Zahl der betroffenen Fahrzeuge, die Schwere des Mangels und die Ursachen entscheidend.

Rangliste der Hersteller mit den meisten Rückrufaktionen (1. Halbjahr 2026)

Rang Hersteller Rückrufaktionen
1 Ford 40
2 Citroën 22
3 Opel 20
4 Fiat 15
4 Peugeot 15
4 Mercedes-Benz 15
7 BMW 7
8 Land Rover 6
8 Hyundai 6
8 Volkswagen 6
8 Toyota 6
12 Jeep 5
12 DS Automobiles 5
14 Alfa Romeo 4
14 Nissan 4
16 Cadillac 3
16 Cupra 3
16 MAN 3
16 Honda Motorrad 3
16 Mercedes-Benz Trucks 3

Komplexere Fahrzeugarchitekturen führen zu häufigeren Rückrufen

Die steigenden Rückrufzahlen sind nicht ausschließlich Ausdruck wachsender technischer Probleme. Sie spiegeln auch die zunehmende Komplexität moderner Fahrzeugarchitekturen sowie eine intensivere Marktüberwachung wider. Hersteller reagieren heute häufig bereits auf kleinste Auffälligkeiten, bevor sicherheitsrelevante Schäden im Feld auftreten.

Mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs, der Einführung zonaler E/E-Architekturen und dem Übergang zum softwaredefinierten Fahrzeug verschiebt sich der Schwerpunkt der Qualitätssicherung zunehmend von einzelnen mechanischen Komponenten auf das Zusammenspiel aus Hardware, Leistungselektronik und Software. Für Entwicklungsingenieure bedeutet dies, dass funktionale Sicherheit, Softwarevalidierung und Lebensdaueranalysen künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken werden.



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