Anzeige

Mythos Elektroauto-Brand

11. November 2025

513655595
Wenn E-Autos brennen, dann meist aufgrund externer Faktoren oder Brandstiftung – so wie dieser Tesla in Berlin-Steglitz
Foto: picture alliance / PIC ONE/Christian Ender
Videos von brennenden E-Autos gehen viral – und prägen das Bild des gefährlichen Stromers. Eine aktuelle Studie räumt mit dem Mythos auf: Die Wahrheit sieht völlig anders aus.
Anzeige
Anzeige


Sie sind heiße Ware in den sozialen Medien: Videos von brennenden Elektro­autos verbreiten sich dort in Sekunden – und brennen sich ins kollektive Bewusstsein ein. Der Eindruck: Wenn ein batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) Feuer fängt, ist die Ursache meist die Batterie. Zudem seien diese Feuer extrem schwer zu löschen oder flackern nach einigen Tagen von selbst wieder auf.

Doch eine aktuelle Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) dürfte diese Wahrnehmung auslöschen.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Brennende Stromer sind eine Seltenheit

Die Forscher des AZT haben dazu 45 bei der Allianz gemeldete Schadensfälle aus den Jahren 2020 bis 2024 ausgewertet. Ziel war eine nüchterne technische Bewertung des Brandrisikos. „Schon eine ausreichende Zahl ausgebrannter E-Autos zu finden, war gar nicht so einfach“, so Carsten Reinkemeyer, Leiter Sicherheitsforschung im AZT und Verantwortlicher für die Studie.

Denn brennende Stromer sind eine Seltenheit. Von den untersuchten Fällen entpuppten sich lediglich 20 als tatsächliche Fahrzeugbrände – der Rest betraf beispielsweise abgebrannte Lagerhallen, in denen auch Räder von Elektro­autos gelagert waren, oder Zubehörteile wie mobile Ladekabel.

Das zentrale Ergebnis: Nur ein Viertel dieser Brände ist tatsächlich durch technische Defekte im Fahrzeug selbst entstanden. 40 % wurden durch externe Quellen ausgelöst, etwa Brände in Gebäuden, Carports oder benachbarten Fahrzeugen. Weitere 10 % sind auf Brandstiftung zurückzuführen, bei einem Viertel der Fälle ist die Ursache unklar geblieben.

Anzeige
Anzeige

Diesel brennt öfter

Den Experten wundert das schon deswegen nicht, weil die möglichen Brandquellen mangels brennbarer Flüssigkeiten im E-Auto prinzipiell geringer sind.

Ursachen für den E-Auto-Brand

Wenn Elektrofahrzeuge tatsächlich aus technischen Gründen brennen, liegt das zumeist an klassischen elektrischen Fehlern – etwa an Kurzschlüssen oder Defekten in der Leistungselektronik. In keinem der analysierten Fälle war ein sogenannter „Thermal Runaway“ – also eine chemisch bedingte Kettenreaktion in der Batterie – die Ursache.

Anzeige
Anzeige

Dies ist auch praktisch nur bei fehlerhaft hergestellten Akkus möglich, in denen sich eine Zelle entzünden und die Nachbarn mit entflammen könnte. Auch diese hypothetische Gefahr ist fast nur auf Lithium-Ionen-Batterien beschränkt. Die immer populäreren Lithium-­Eisenphosphat-Batterien seien bauartbedingt noch weniger gefährdet, in Brand zu geraten, so der Experte. Denn ihre Kathode ist chemisch stabiler und setzt bei mechanischer Beschädigung oder Überhitzung keinen Sauerstoff frei. Die Nahrung für weitere Flammen fehlt also.

Die Studie dokumentiert mehrere Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich die Ursachen technischer Brände bei Elektrofahrzeugen sein können. So hatte sich in einem Fall ein Steuergerät der elektrischen Lenkunterstützung infolge eines Fertigungsfehlers entzündet, während in einem anderen ein Kurzschluss im Relaismodul einen Brand auslöste, der jedoch nicht auf die Batterie übergriff. Nur ein einziger Brand konnte direkt auf einen Defekt an der Hochvoltbatterie zurückgeführt werden, wobei die Batteriezellen selbst unbeschädigt blieben.

Externe Faktoren überwiegen

Ein weiterer Sonderfall betraf ein Fahrzeug, das in Eigen­regie auf Elektroantrieb umgebaut worden und in Brand geraten war – ein Vorfall, der nach Einschätzung der Allianz-Fachleute nicht repräsentativ für serienmäßig produzierte Elektroautos ist.

Auch der vielfach diskutierte Brand nach Unfällen oder Überflutungen erwies sich als weitgehend harmlos. Laut Allianz-Daten sind bei Kollisionen bislang keine Auffälligkeiten im Vergleich zu Benzin- oder Dieselfahrzeugen aufgetreten. Der Grund: Die Batterie ist durch eine massive Struktur geschützt. Selbst bei schweren Kollisionen, etwa dem Frontaufprall eines BMW iX, blieb sie unbeschädigt – während ein benzinbetriebenes Fahrzeug beim selben Unfall Feuer fing.

Selbst nach Überflutungen wie im Ahrtal 2021 zeigten sich keine spontanen Brände. Die Hochvoltbatterien moderner BEVs waren gegen Wasser druckdicht versiegelt. Nur bei langfristiger Salzwassereinwirkung, beispielsweise nach Hurrikans in den USA, konnte es über Wochen zu korrosiven Prozessen kommen, die Brände begünstigten.

Vorurteile und Mythen

Den Vorurteilen und Mythen rund um die Brandgefahr durch E-Autos tut dies keinen Abbruch. Bei viel beachteten Schiffsbränden wie auf der Felicity Ace (2022), der Freemantle Highway (2023) oder der Morning Midas (2025) kursieren etwa schnell Behauptungen, Elektroautos hätten das Feuer ausgelöst. Beweise dafür gab es aber nicht.

Im Gegenteil, so der AZT-Experte: Auf der Freemantle Highway konnten sogar zahlreiche E-Fahrzeuge nach der Bergung aus eigener Kraft das Schiff verlassen. Vermutet wird inzwischen, dass durch das Löschwasser ausgelöste Korrosionsprozesse später zu Selbstentzündungen geführt haben – nicht die Batteriechemie selbst.

„Es ist jedoch immer zu beachten, dass die Brandzahlen bei Elektrofahrzeugen allgemein noch sehr gering sind und somit Schwankungen unterworfen sein können“, betont Reinkemeyer. Sein Fazit fällt dennoch eindeutig aus: Elektrofahrzeuge brennen nicht häufiger als Verbrenner, eher seltener. Und die meisten dokumentierten Brandfälle gingen nicht auf den Antrieb, sondern auf äußere Umstände zurück. Das selbstentzündende E-Auto ist damit weitgehend kalter Kaffee.

Hinweis: Das AZT wird die Ergebnisse der Studie im Dezember detailliert publizieren.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige