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Deutschlands Wasserstoff-Kernnetz wird real: Start von 400-Kilometer-Pipeline

12. Dezember 2025

Deutschlands Wasserstoff-Kernnetz wird real: Start von 400-Kilometer-Pipeline
Am 11.12. wurde die Umstellung eines 400 km langen Erdgasleitungsabschnitts beendet. Foto: Sascha Schwarzer/Gascade
Deutschland bekommt sein Wasserstoff-Netz: Mit 400 km ist der bislang größte Abschnitt des Kernnetzes in Betrieb.
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Der erste große Streckenabschnitt ist betriebsbereit: Die Gascade Gastransport GmbH aus Kassel hat am Donnerstag (12. Dezember) eine rund 400 km lange Verbindung bestehender Erdgasleitungen auf Wasserstofftransport umgestellt. „Flow – making hydrogen happen“ – so der Name des Umstellungsprogramms – bildet eine Nord-Süd-Achse für Wasserstofftransporte vom Ostseeraum bis nach Sachsen-Anhalt. Zugleich ist es ein erstes sichtbares Ergebnis im umfassendsten Energieinfrastrukturprojekt der bundesdeutschen Geschichte.

Stahlwerke, Chemieparks und Raffinerien – die großen Zentren der Wasserstoff-Abnahme brauchen einen konstanten Zugang zu dem grünen Energieträger. Mit Lkw-Lieferungen ist es nicht getan: Pipelines braucht das Land. Aus diesem Grund begannen mit der Genehmigung durch die Bundesnetzagentur im Oktober 2024 die Arbeiten an dem 9.000 km langen Wasserstoff-Kernnetz durch die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB).

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Die Energiewende hat die Gasnetze erreicht. Was sollte man darüber wissen?

Inhaltsverzeichnis

Das Wasserstoff-Kernnetz in Zahlen

Kennzahl Zielwert (2032)
Gesamtlänge 9.040 km
Investitionsvolumen 18,9 Mrd. €
Transportkapazität ca. 278 TWh
Fertigstellung bis 2032
Umstellung/Neubau 60 % / 40 %
„Hochlaufentgelt“/Nutzungsgebühr 25 €/kWh/h/a
Beteiligte 15 FNB + 10 VNB

Wie verläuft der erste Kernnetz-Abschnitt?

Der jetzt fertiggestellte Abschnitt führt von der Ostseeküste bei Lubmin durch die Uckermark und das Radeland bis in die Region Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. Gascade griff bei der Umstellung auf verschiedene Abschnitte der bestehenden OPAL- und JAGAL-Pipelines zurück: 112,3 km auf der Strecke Lubmin-Uckermark, 169,5 km von der Uckermark ins Radeland und weitere 114 km vom Radeland bis Bobbau.

Die Pipeline passiert mehrere potenzielle Einspeisepunkte: Durch ihren Verlauf kann sie grünen Wasserstoff aus dem europäischen Ostseeraum aufnehmen sowie internationale Importe über den Hafen Rostock oder auch grünen Wasserstoff, der an der deutschen Ostseeküste produziert wird.

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Die Karte des Kernnetzes nach dem Stand vom 22.10.2024. Bild: FNB Gas e.V.

„Technische Pionierleistung“

Anlässlich der Inbetriebnahme erklärte Gascade-Chef Ulrich Benterbusch:

Sein Unternehmen stelle H2-Produzenten und -Abnehmern fortan „verlässlich“ eine „großvolumige und zentrale Wasserstoff-Infrastruktur“ bereit. Managing Director Christoph von dem Bussche ergänzte, „Flow“ sei „mehr als ein technisches Projekt. Es ist ein Versprechen für die Zukunft.“

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Ein Gemisch aus Erdgas und Wasserstoff brennt ab beim Abschluss der Befüllung der ersten Wasserstoff-Pipeline. Gascade nutzt dafür einen Leitungsstrang der ehmaligen Opal.

Nächster Schritt: Süddeutschland und Mitteleuropa

Der nun betriebsbereite Teil ist der erste Schritt zu einem flächendeckenden Roll-Out des Kernnetzes: Bis 2029 sollen die Industriezentren in Süddeutschland angeschlossen werden. Im Rahmen des Flow-Programms werden außerdem Leitungen nach Polen, Tschechien sowie in Richtung Bayern und Österreich umgestellt oder neu gebaut.

Damit will der FNB aus Hessen weitere H2-Importkorridore im Nord- und Ostseeraum erschließen. „Nur gemeinsam gelingt der Aufbau einer starken grenzüberschreitenden Wasserstoff-Wirtschaft“, so Gascade-Manager von dem Bussche.

Die fertige Infrastruktur soll auch das sogenannte Henne-Ei-Problem des Wasserstoffhochlaufs lösen: Mit verlässlichen Transportkapazitäten erhalten Wasserstoffproduzenten und -abnehmer die nötige Investitionssicherheit für eigene Projekte. Ab Anfang 2026 können Marktteilnehmer Ein- und Ausspeisekapazitäten im Kernnetz verbindlich reservieren. Die 22 Kernnetzbetreiber veröffentlichten im Oktober die entsprechenden Rahmenbedingungen.

2025: Das Jahr des Wasserstoff-Kernnetzes

Die Flow-Inbetriebnahme ist der größte Einzelbaustein des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes in diesem Jahr – aber nicht der einzige. Im März nahm Nowega zwischen Lingen und Bad Bentheim den ersten Abschnitt des GET-H2-Leitungsprojekts in Betrieb. In Lingen planen RWE und BP bis 2027 jeweils Elektrolyseure mit 100 MW Kapazität.

Ebenfalls in Mitteldeutschland hat der Leipziger FNB Ontras eine 25 km lange Strecke zwischen Bad Lauchstädt und der TotalEnergies-Raffinerie in Leuna umgestellt. Dort entsteht mit dem Energiepark Bad Lauchstädt auch ein 30-MW-Elektrolyseur samt Wasserstoff-Kavernenspeicher.

Damit nimmt das Kernnetz insgesamt schneller Gestalt an als ursprünglich geplant. Ob es in diesem Tempo weitergeht? Bis 2032 soll das gesamte Netz fertiggestellt sein.



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