
Wer mehr Verantwortung übernimmt, Projekte erfolgreich abschließt und sein Fachwissen erweitert, erwartet häufig, dass sich das auch auf dem Gehaltszettel bemerkbar macht. Doch nicht jeder Arbeitgeber zieht mit. Wird die geforderte Gehaltserhöhung abgelehnt, ist der Ärger oft groß. Gleichzeitig stellt sich eine wichtige Karrierefrage: Lohnt es sich, weiterzuverhandeln, oder lässt sich die eigene Leistung bei einem anderen Unternehmen besser bezahlen?
Ein Jobwechsel kann finanziell deutlich attraktiver sein als eine interne Gehaltsanpassung. Allerdings ist ein höheres Einstiegsgehalt allein kein ausreichender Grund für eine Kündigung. Arbeitszeit, Sonderzahlungen, betriebliche Altersvorsorge, Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit gehören ebenfalls in die Rechnung.
Inhaltsverzeichnis
- Wie viel mehr Gehalt bringt ein Jobwechsel?
- Den eigenen Marktwert vor der Bewerbung ermitteln
- Nicht nur das Bruttogehalt vergleichen
- Was beim Wechsel mit der betrieblichen Altersvorsorge passiert
- Wann sich ein Jobwechsel besonders lohnen kann
- Gehaltserhöhung abgelehnt: Was Ingenieure jetzt tun sollten
Warum Arbeitgeber Gehaltserhöhungen ablehnen
Eine abgelehnte Gehaltsforderung bedeutet nicht automatisch, dass die eigene Arbeit zu wenig wertgeschätzt wird. Oft spielen betriebliche Rahmenbedingungen eine Rolle. Unternehmen arbeiten mit festgelegten Gehaltsbändern, jährlichen Budgets und internen Vergütungsstrukturen. Selbst wenn eine Führungskraft die Leistung eines Mitarbeiters anerkennt, kann ihr finanzieller Spielraum begrenzt sein.
In tarifgebundenen Unternehmen kommen weitere Vorgaben hinzu. Gehaltsgruppen und definierte Eingruppierungsmerkmale bestimmen, welche Vergütung für eine bestimmte Tätigkeit vorgesehen ist. Neben tariflichen Entgeltsteigerungen können je nach Tarifvertrag auch Entwicklungsstufen oder Leistungszulagen eine Rolle spielen. Für eine höhere Eingruppierung ist entscheidend, ob die Tätigkeit die entsprechenden tariflichen Anforderungen erfüllt.
Bei einem externen Wechsel gelten andere Voraussetzungen. Das Unternehmen muss eine offene Stelle besetzen und orientiert sich dabei an den Anforderungen der Position, dem verfügbaren Budget und dem Arbeitsmarkt. Dadurch kann ein neuer Arbeitgeber ein höheres Gehalt anbieten, obwohl sich die Tätigkeit auf den ersten Blick kaum von der bisherigen unterscheidet.
Das ist allerdings kein Automatismus. Auch beim Jobwechsel hängt das Angebot von der Branche, der gesuchten Qualifikation, der Berufserfahrung und der Verhandlungssituation ab.
Wichtig ist deshalb, zunächst den konkreten Grund für die Ablehnung zu erfahren. Ist das Budget ausgeschöpft, kann eine spätere Gehaltsanpassung möglich sein. Fehlen dagegen die Voraussetzungen für eine höhere Eingruppierung, muss geklärt werden, welche Aufgaben oder Qualifikationen dafür erforderlich sind. Allein aus guter Leistung oder zusätzlicher Verantwortung ergibt sich nicht automatisch ein Anspruch auf mehr Gehalt.
Wie viel mehr Gehalt bringt ein Jobwechsel?
Wer innerhalb des Unternehmens eine Gehaltserhöhung aushandelt, stößt häufig auf engere Grenzen als bei einem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Wie groß der Unterschied tatsächlich ausfällt, lässt sich jedoch nicht mit einer pauschalen Prozentzahl für alle Ingenieurberufe beziffern.
Besonders gute Chancen auf ein höheres Gehalt haben Fachkräfte, deren Qualifikationen gefragt sind oder die Kenntnisse mitbringen, die dem neuen Arbeitgeber unmittelbar nutzen. Dazu können beispielsweise Erfahrungen in der Automatisierungstechnik, Softwareentwicklung, Energietechnik oder technischen Projektleitung gehören.
Auch ein Wechsel aus einem kleineren, nicht tarifgebundenen Unternehmen in einen tarifgebundenen Industriebetrieb kann finanziell interessant sein. Neben dem Grundgehalt können tarifliche Sonderzahlungen, eine kürzere Wochenarbeitszeit und zusätzliche Leistungen den Unterschied ausmachen.
Umgekehrt ist nicht jeder Wechsel ein Gehaltssprung. Wer in einer wirtschaftlich angespannten Branche arbeitet oder sich auf eine Stelle mit weniger Verantwortung bewirbt, kann auch mit einem vergleichbaren oder niedrigeren Angebot konfrontiert werden.
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Den eigenen Marktwert vor der Bewerbung ermitteln
Vor der Entscheidung lohnt es sich, den eigenen Marktwert zu prüfen. Dafür sollten Ingenieurinnen und Ingenieure nicht nur Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben vergleichen, sondern auch die Anforderungen ähnlicher Positionen berücksichtigen.
Wichtige Kriterien sind:
- Berufserfahrung: Wie viel praktische Erfahrung ist für vergleichbare Stellen gefragt?
- Spezialisierung: Welche technischen Kenntnisse sind besonders gefragt?
- Verantwortung: Geht es um fachliche Führung, Projektleitung, Budgetverantwortung oder Personalführung?
- Branche und Unternehmensgröße: Wie unterscheiden sich die Vergütungsmodelle?
- Standort: Wie hoch sind die Lebenshaltungs- und Pendelkosten am neuen Arbeitsort?
Auch Gespräche mit Personalberatungen und konkrete Bewerbungsgespräche können helfen, realistische Gehaltsvorstellungen zu entwickeln. Dabei sollte die Gehaltsforderung zur angestrebten Position passen und sich durch Erfahrung, Ergebnisse und Qualifikationen begründen lassen.
Diese Informationen können auch für ein erneutes Gehaltsgespräch beim bisherigen Arbeitgeber hilfreich sein. Wer seine Vergütung mit vergleichbaren Positionen begründen kann, verfügt über eine bessere Verhandlungsgrundlage als jemand, der lediglich eine höhere Bezahlung fordert.
Worauf man bei der Gehaltsverhandlung achtet, erklärte Bastian Hughes beim Recruiting Tag in München.
Nicht nur das Bruttogehalt vergleichen
Ein höheres Bruttogehalt bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich ein Jobwechsel finanziell lohnt. Wie viel davon tatsächlich übrig bleibt, hängt unter anderem von Steuern, Sozialabgaben und den individuellen Lebensumständen ab. Deshalb sollten Beschäftigte vor einer Unterschrift die gesamte Vergütung vergleichen.
Dazu gehören neben dem monatlichen Bruttogehalt auch Weihnachts- und Urlaubsgeld, leistungsabhängige Boni, betriebliche Altersvorsorge, Mobilitätsleistungen und weitere Zusatzangebote. Entscheidend ist, welche Leistungen vertraglich zugesichert sind und welche lediglich freiwillig gewährt werden.
Auch die Arbeitszeit macht einen Unterschied. Wer von einer tariflichen 35-Stunden-Woche in eine Position mit 40 Wochenstunden und regelmäßigen Überstunden wechselt, muss den Gehaltsaufschlag ins Verhältnis zur zusätzlichen Arbeitszeit setzen.
Ein Beispiel: Steigt das Jahresbruttogehalt um 15 %, nimmt gleichzeitig aber auch die vertragliche Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden zu, erhöht sich der rechnerische Bruttostundenverdienst lediglich um rund 0,6 %. Unbezahlte Überstunden würden diesen Vorteil weiter schmälern.
Hinzu kommen mögliche Mehrkosten für den Arbeitsweg, einen Umzug oder eine teurere Wohnung. Ein vermeintlich lukratives Angebot kann dadurch einen Teil seines finanziellen Vorteils verlieren.
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Was beim Wechsel mit der betrieblichen Altersvorsorge passiert
Ein weiterer Punkt wird bei Gehaltsvergleichen häufig übersehen: die betriebliche Altersvorsorge. Wer den Arbeitgeber verlässt, sollte prüfen, welche Ansprüche bereits erworben wurden und wie die Versorgung beim neuen Unternehmen geregelt ist.
Dabei kommt es auf die konkrete Versorgungszusage an. Für arbeitgeberfinanzierte Anwartschaften gelten gesetzliche Unverfallbarkeitsregeln. Bei neueren Zusagen bleiben die Ansprüche grundsätzlich erhalten, wenn Beschäftigte mindestens 21 Jahre alt sind und die Versorgungszusage seit mindestens drei Jahren besteht. Für ältere Zusagen können andere Voraussetzungen gelten.
Ansprüche aus einer Entgeltumwandlung sind dagegen von Beginn an unverfallbar. Das bedeutet, dass bereits erworbene Anwartschaften bei einem Arbeitgeberwechsel nicht verloren gehen. Unter bestimmten Bedingungen lässt sich das Versorgungskapital auf den neuen Arbeitgeber übertragen. Eine unveränderte Fortführung des bisherigen Vertrags ist allerdings nicht in jedem Fall möglich.
Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Wechsel die Unterlagen zur betrieblichen Altersversorgung einzusehen und bei Bedarf beim bisherigen sowie beim künftigen Arbeitgeber nachzufragen. So lässt sich besser einschätzen, ob durch den Wechsel finanzielle Nachteile entstehen.
Wann sich ein Jobwechsel besonders lohnen kann
Ein Wechsel ist vor allem dann eine Überlegung wert, wenn die Gehaltsentwicklung dauerhaft hinter der übernommenen Verantwortung zurückbleibt. Wer inzwischen komplexe Projekte steuert, ein Team führt oder zusätzliche technische Kompetenzen eingebracht hat, sollte prüfen, ob die aktuelle Position noch zur eigenen Qualifikation passt.
Ein wichtiges Signal ist auch, wie der Arbeitgeber auf die Gehaltsforderung reagiert. Wird sie mit einer nachvollziehbaren Begründung abgelehnt und ein konkreter Zeitpunkt für eine erneute Prüfung vereinbart, kann es sinnvoll sein, zunächst diese Perspektive abzuwarten.
Anders sieht es aus, wenn Vorgesetzte wiederholt ausweichen, zusätzliche Aufgaben dauerhaft ohne angemessenen Ausgleich übertragen oder keine Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Dann kann ein Blick auf den externen Arbeitsmarkt Klarheit schaffen.
Dabei muss nicht sofort eine Kündigung folgen. Bewerbungen und Gespräche mit anderen Unternehmen helfen zunächst, den eigenen Marktwert einzuschätzen. Ein konkretes Angebot schafft zudem eine bessere Verhandlungsgrundlage, sofern die Bereitschaft besteht, den Arbeitgeber tatsächlich zu wechseln.
Vorsicht ist geboten, wenn der Wechsel vor allem aus Frust erfolgt. Ein neues Unternehmen kann zwar mehr bezahlen, aber auch weniger Entwicklungsmöglichkeiten, eine höhere Arbeitsbelastung oder eine unsichere wirtschaftliche Perspektive bieten. Auch das Risiko einer erneuten Probezeit sollte in die Entscheidung einfließen.
Gehaltserhöhung abgelehnt: Was Ingenieure jetzt tun sollten
Nach einer Absage empfiehlt sich ein sachliches Gespräch. Beschäftigte sollten nachfragen, welche Gründe gegen eine Gehaltserhöhung sprechen und welche Voraussetzungen für eine spätere Anpassung erfüllt sein müssen. Ein konkreter Termin für eine erneute Gehaltsprüfung ist hilfreicher als eine unverbindliche Zusage.
Für das nächste Gespräch sollten Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Argumente möglichst konkret vorbereiten. Dazu gehören erfolgreich abgeschlossene Projekte, übernommene Verantwortung, zusätzliche Qualifikationen oder nachweisbare Verbesserungen von Abläufen. Entscheidend ist, welchen Beitrag diese Leistungen für das Unternehmen haben und wie sie zur aktuellen Vergütung passen.
Wenn das Grundgehalt nicht verhandelbar ist, können auch andere Leistungen interessant sein. Dazu zählen beispielsweise ein Zuschuss zum Deutschlandticket, zusätzliche Urlaubstage, Weiterbildungsbudgets oder eine bessere betriebliche Altersversorgung. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von den persönlichen Bedürfnissen und den steuerlichen Rahmenbedingungen ab.
Auch eine Anpassung der Arbeitszeit oder eine verbindliche Vereinbarung über den nächsten Entwicklungsschritt kann eine Alternative sein. Bei tarifgebundenen Unternehmen ist allerdings zu prüfen, welche Regelungen individuelle Vereinbarungen zulassen.
Parallel dazu lohnt sich ein Vergleich mit ähnlichen Stellen am Markt. Stimmen Aufgaben, Verantwortung und Qualifikationen mit besser bezahlten Positionen überein, kann eine Bewerbung der nächste Schritt sein.
Eine sofortige Kündigung ist dafür nicht notwendig. Wer sich zunächst über alternative Stellen informiert und die Bedingungen vergleicht, kann fundierter entscheiden, ob eine weitere Gehaltsverhandlung sinnvoll ist oder ein Arbeitgeberwechsel die bessere Perspektive bietet.
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