Anzeige

Baukasten für die Energieoptimierung von Werkzeugmaschinen

26. Oktober 2026

Maschine mit eingeblendeten Diagrammen
Untersuchung des Energieverbrauchs am Beispiel des 5-Achs-Bearbeitungszentrums „DMP 70“ von DMG Mori: Die einzelnen zu modellierenden ­Komponenten, wie der Ölnebelabscheider, wurden dazu mit zusätzlichen elektrischen Multifunktionsmessgeräten ausgestattet. Foto: European Union/IfW
Hohe Energiekosten und CO₂-Ziele machen Energiemonitoring unverzichtbar. Erfahren Sie, wie sich der Energiebedarf von Maschinen mit möglichst wenig Sensorik überwachen lässt.
Anzeige
Anzeige


Moderne Werkzeugmaschinen sind häufig ­bereits mit Energiemessgeräten ausgestattet. Damit wird das Monitoring für nachgelagerte Manufacturing Execution Systeme (MES) möglich. Aus Kostengründen wird jedoch oft nur an der elektrischen Hauptversorgung mit einer geringen Abtastrate von 1 – 2 Hz gemessen. Diese Messung liefert den Lastgang der gesamten Maschine, aber nicht den Verbrauch einzelner Komponenten.

Das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) Hannover untersucht die Modellierung des Energieverbrauchs der Werkzeugmaschine auf Komponenten­ebene. Ziel ist die Einsparung von Sensorik. Dies läuft im Rahmen des Projekts „Factory-X“ [1] ab. Das Projekt ist Teil der Initiative „Manufacturing-X“ und wird durch ein Kon­sortium führender Industrieunternehmen wie Siemens, SAP sowie mehreren Forschungseinrichtungen vorangetrieben [2]. Auch in anderen Projekten analysiert das IFW Hannover Wege zur Steigerung der Energieeffizienz von Werkzeugmaschinen [3; 4].

Anzeige
Anzeige

Im laufenden Betrieb sollen zukünftig keine zusätzlichen ­Sensoren an den Energieverbrauchern einer Werkzeugmaschine erforderlich sein. Stattdessen werden ausgewählte Komponenten (wie Kühlaggregat und Ölnebelabscheider) nur einmalig für die Modellbildung mit zusätzlichen Messgeräten ausgestattet. Mit den Modellen kann dann im laufenden Betrieb der Energie­verbrauch prognostiziert werden. Dafür werden mathematische Modelle erstellt und auf Edge-Geräten implementiert. Nachdem diese Modelle auf den Lastgang einer Komponente angelernt wurden, kann dieser gänzlich ohne Sensorik an der Komponente bestimmt werden.

Wie lässt sich eine Datenbasis für die Modellierung 
schaffen?

Die Untersuchungen für die Modellierung wurden am 5-Achs-Bearbeitungszentrum „DMP 70“ von DMG Mori durchgeführt. Die einzelnen zu modellierenden Komponenten (zum Beispiel der Ölnebelabscheider) wurden mit zusätzlichen elektrischen Multifunktionsmessgeräten der Siemens AG vom Typ „Sentron PAC 7KM2200-2EA30-1EA1“ ausgestattet. Neben den physischen Messdaten zeichnet das System auch Steuerungsdaten der „Sinumerik 840D sl“ auf. Ein kostengünstiges Edge-Gerät („Raspberry Pi 5“) speichert alle Daten. Für die Datenverar­beitung wird die grafische Entwicklungsumgebung Node-RED verwendet. Somit liegen für jede Komponente der Werkzeugma­schine Lastgänge mit Abtastraten von 1 – 2 Hz vor. Bild 1 zeigt, wie daraus Modelle entstehen.

Messergebnisse als Diagramme
Bild 1. Ableitung von energetischen Komponentenmodellen für Werkzeugmaschinen. Foto: IFW

Mithilfe der Lastgänge werden mathematische Prognose­modelle für den Energiebedarf der Werkzeugmaschinenkom­ponenten abgeleitet. Diese ermöglichen eine verlässliche Erfassung der Spitzenlast PPeak und des Energiebedarfs E der Komponente. Die Messdaten werden mit dem folgenden Verfahren zu Modellen:

Anzeige
Anzeige

1. Korrektur der Spitzenlast

Am Maximum eines Lastgangs gehen durch geringe Abtast­raten Daten über die Spitzenlasten verloren. Diese sind jedoch wichtig, da KMU wichtige Maßnahmen (wie die Spitzenkappung zur Lastverteilung) sonst nicht umsetzen können. Eine geome­trische Ersatzfunktion (Hutfunktion) wird daher an die Punkte in der Nähe des lokalen Maximums gelegt, um die Spitzenlast zu rekon­struieren, Bild 2.

Diagramm Leistung über Zeit
Bild 2. Segmentierung des Lastgangs eines Ölnebelabscheiders. Foto: IFW

2. Segmentierung und Regression

Der vollständige Lastgang wird in aufeinanderfolgende Segmente zerlegt, um die Prognosegüte global zu steigern. Vier ­charakteristische Phasen wurden für den in Bild 2 gezeigten ­Öl­nebelabscheider beispielhaft identifiziert: eine Startphase, den Hochlauf, einen Peak sowie ein anschließendes Plateau. Je nach Verbrauchsmuster der Komponente sind die Anzahl und Reihenfolge der Segmente auf Grundlage von Domänenwissen bekannt.

3. Segmente modellieren

Der in Bild 2 dargestellte Lastgang einer Komponente (Öl­nebelabscheider mit Sanftanlauf) zeigt die verbleibende Herausforderung: Es ist noch unklar, an welchen Übergangsstellen t1 – t3 die Segmente enden oder beginnen. Für die einzelnen Segmente wird anschließend aus verschiedenen Regressionsarten die beste funktionale Darstellung ausgewählt. Bild 3 zeigt dies für die Segmente Hochlauf und Peak.

Diagramm von Hochlauf und Peak
Bild 3. Regressionsanalyse von Hochlauf und Peak eines Nebelabscheiders. Foto: IFW

In einer Rastersuche werden dafür gleichzeitig die Übergangsstellen t1 – t3 sowie die zuvor identifizierten Funktionsansätze variiert. Dabei zeigt sich, welche Näherungsfunktion je Segment gewählt werden sollte und wann das Segment endet. Im Hochlauf (a) erreicht eine quadratische Funktion das größte Bestimmtheitsmaß (R²) mit 0,94 und somit die geringste Differenz zwischen modellierter und tatsächlich ausgewiesener Energiebedarfsmenge. Für das Peak-Segment (b) erreicht eine parabolische Funktion das beste Ergebnis. Das resultierende Komponentenmodell besteht somit aus den segmentweisen Näherungsfunktionen mit optimalen Parametern sowie den Übergangsstellen zwischen den Segmenten.

Anzeige
Anzeige

Smartes Monitoring: Die nächsten Schritte

Der zentrale Vorteil der gezeigten mathematischen Modelle ist der geringe Rechenaufwand. Dies macht den Ansatz praxis­tauglich: Die Modelle können auf Edge-Geräten oder direkt in der Maschinensteuerung hinterlegt und berechnet werden. Komponentenmodelle sind für produzierende Unternehmen unmittelbar nutzbar. Die Werkzeugmaschine muss nicht mehr mit zusätz­licher Sensorik ausgestattet werden, um Energieeinsparpotenzial in der Fertigung zu erfassen. Für viele Komponenten reicht allein das Wissen darüber aus, wann eine Komponente steuerungsseitig geschaltet wird, um das entsprechende Modell zu aktivieren und den Energieverbrauch zu schätzen.

Darüber hinaus ergeben sich zwei weitere Anwendungsmöglichkeiten: Erstens lassen sich durch die Überwachung der Komponenten potenzielle Abweichungen im Lastgang identifizieren, die prädiktive Instandhaltungsmaßnahmen unterstützen können. Zweitens können Werkzeugmaschinenhersteller die beschriebenen Modelle bereits während eines energetischen Testzyklus vor der Auslie­ferung erstellen und zusammen mit der Werkzeugmaschine ­bereitstellen. 

Das Verbundprojekt „Aufbau eines Datenraums für die aus­rüstende Industrie – die Ausrüster von Fabriken weltweit (Factory-X)“ mit der Förderkennziffer 13MX001ZF wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Förderrahmen „Zukunftsinvestitionen Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie“ gefördert.
 Für Anfragen und weitere Informationen steht Herr Dr.-Ing. Henning Buhl (Institut für Fertigungstechnik und Werkzeug­maschinen der Leibniz Universität Hannover) unter +49 (0) 511 / 762 2390 oder per E-Mail (buhl@ifw.uni-hannover.de) zur ­Verfügung.

Literatur

[1] Denkena, B.; Buhl, H.; Rademacher, B. T. G.: Component Energy Modelling for Machine Tools. Journal of Manufacturing and Materials Processing, 10 (2026) 4, S. 136. https://doi.org/10.3390/jmmp10040136.

[2] Internet: https://www.plattform-i40.de/IP/Redaktion/DE/Downloads/­Publikation/202404-plattform-industrie40-timeline-2024.pdf?__ blob=publicationFile&v=7. Zugriff am 15.06.2026.

[3] Denkena, B.; Abele, E.; Brecher, C.; Dittrich, M.-A.; Kara, S.; Mori, M.: Energy efficient machine tools. CIRP Annals, 69 (2020) 2, 646–667. https://doi.org/10.1016/j.cirp.2020.05.008.

[4] Denkena, B.; Mori, M.; Dittrich, M.-A.; Klages, N.; Matthies, J.: Energy efficient supply of cutting fluids in machining by utilizing flow rate control. CIRP Annals, 72 (2023) 1, S. 349–352. https://doi.org/10.1016/j.cirp.2023.04.082.

Autoren

Prof. Dr.-Ing. Berend Denkena leitet das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover.
Dr.-Ing. Henning Buhl leitet den Bereich Maschinen und ­Steuerungen des IFWs.
Bengt Rademacher, M. Sc., war bis zum 30. Juni 2026 ­wissenschaftlicher Mitarbeiter des IFWs im Bereich Maschinen und ­Steuerungen.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (w/m/d) Bauwerksprüfung
Die Autobahn GmbH des Bundes

24.09.2026
Hamm, Münster
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d)
wpd infrastruktur GmbH

24.09.2026
Bremen
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement
Universität zu Köln

24.09.2026
Köln
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte
wpd infrastruktur GmbH

24.09.2026
Berlin
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d)
wpd construction GmbH

24.09.2026
Bietigheim-Bissingen
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung
Universität zu Köln

24.09.2026
Köln
Bauingenieur (m/w/d) für Statik und Tragwerksplanung
BS+P INGENIEURE

24.09.2026
Stuttgart
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH

24.09.2026
Essen
Ingenieur oder Techniker (m/w/d) HKLS im Bundesbau
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

24.09.2026
Kiel
(Senior) Projektingenieur:in digitale Schienenverkehrsinfrastruktur ETCS Korridor Rhine-Alpine (w/m/d)
DB InfraGO AG

25.09.2026
Frankfurt am Main
Senior Projektingenieur:in Bautechnik Generalsanierung (w/m/d)
DB InfraGO AG

25.09.2026
Frankfurt am Main
Senior Expert:in STE mit Schwerpunkt Kabeltrassenplanung für die Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim (w/m/d)
DB InfraGO AG

25.09.2026
Saarbrücken
Spezialist Netzmodellierung & Prozessautomatisierung (m/w/d)
TenneT

25.09.2026
Bayreuth
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

25.09.2026
Wedel
Projekt-/Applikationsingenieur für mechanische Bohr- und Fräsmaschinen (m/w/d)
Schmoll Maschinen GmbH

25.09.2026
Rödermark
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

25.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

25.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

25.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

25.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

25.09.2026
Netphen

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige