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Veraltete Stromnetze bremsen Energiewende in Europa

03. April 2025

Ein Großteil des Stromnetzes in der EU stammt noch aus dem 20. Jahrhundert. Fast die Hälfte der Stromleitungen ist älter als 40 Jahre. Diese Alterungserscheinungen betreffen nicht nur einzelne Komponenten, sondern stellen die Grundstruktur des europäischen Energieversorgungssystems infrage. Hinzu kommt, dass der Strombedarf in der EU deutlich ansteigen wird. In…
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Ein Großteil des Stromnetzes in der EU stammt noch aus dem 20. Jahrhundert. Fast die Hälfte der Stromleitungen ist älter als 40 Jahre. Diese Alterungserscheinungen betreffen nicht nur einzelne Komponenten, sondern stellen die Grundstruktur des europäischen Energieversorgungssystems infrage. Hinzu kommt, dass der Strombedarf in der EU deutlich ansteigen wird. In dieser Gemengelage wird deutlich: Ohne eine substanzielle Modernisierung der Netzinfrastruktur sind die ambitionierten energie- und klimapolitischen Ziele der EU kaum zu erreichen.

Die EuRH-Prüferinnen und -Prüfer fordern daher tiefgreifende und rasch umgesetzte Investitionen. Der aktuelle Planungsstand sieht zwischen 2024 und 2050 Investitionen in Höhe von rund 1 871 Mrd. € durch Netzbetreiber vor. Dieser Wert liegt allerdings unter der von der Europäischen Kommission veranschlagten Spanne von 1 994 bis 2 294 Mrd. €, was auf eine Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Bedarf und der bisherigen Planung hinweist. Neben dem absoluten Investitionsvolumen bereitet den Expertinnen und Experten aber auch das Tempo der Umsetzung Sorgen. Bürokratische Hindernisse, langwierige Genehmigungsverfahren, mangelnde Koordination zwischen den Mitgliedsstaaten und ein struktureller Fachkräftemangel bremsen den Fortschritt erheblich.

Ein weiteres zentrales Problem ist die geringe öffentliche Akzeptanz für neue Leitungsinfrastrukturen, insbesondere in dicht besiedelten Regionen. Netzausbauprojekte stoßen häufig auf Widerstand von Anwohnerinnen und Anwohnern oder kommunalen Entscheidungsträgern. Diese Verzögerungen führen dazu, dass dringend benötigte Modernisierungen oder Erweiterungen häufig Jahre hinter dem Zeitplan zurückbleiben. Der EuRH empfiehlt deshalb, Planungsverfahren effizienter zu koordinieren und Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Auch der gezielte Einsatz digitaler Technologien könne dabei helfen, Planung, Bau und Betrieb der Netze kosteneffizienter zu gestalten.

Auf die flexible Steuerung kommt es an

Neben dem physischen Ausbau setzen die Prüferinnen und Prüfer auf intelligente Steuerung und Flexibilisierung. So könnten modernere Netztechnologien, etwa durch den verstärkten Einsatz von Speichersystemen und automatisierten Lastmanagementlösungen, den Investitionsbedarf reduzieren. Anstatt das Netz pauschal zu verstärken, sei es in vielen Fällen wirtschaftlicher, Stromflüsse besser zu steuern und temporäre Lastspitzen durch Speicher zu puffern, heißt es in dem Bericht. Auch die Integration dezentraler Erzeugungsanlagen sowie sogenannter Energiegemeinschaften könne zur Entlastung beitragen – etwa, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher selbst Strom erzeugen und innerhalb lokaler Netzstrukturen teilen.

Der grenzüberschreitende Verbund der europäischen Stromnetze ist ein weiteres Handlungsfeld. Eine stärkere Vernetzung zwischen den Mitgliedsstaaten kann Ausgleichspotenziale zwischen Regionen mit Stromüberschuss und solchen mit Defiziten nutzbar machen. In der Praxis ist dieses Potenzial bislang allerdings nur unzureichend erschlossen. Technische und regulatorische Unterschiede behindern den reibungslosen Austausch. Dabei wäre ein gut integriertes europäisches Verbundnetz ein Schlüssel, um wetterbedingte Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen und erneuerbare Energien effizient zu verteilen.

Wasserdampf stabilisiert das Stromnetz

Ein wesentlicher Punkt ist zudem die rechtliche und wirtschaftliche Ausgestaltung der Netzfinanzierung. Investitionen in Stromnetze sind kapitalintensiv und amortisieren sich oft erst nach Jahrzehnten. In dieser Konstellation spielen regulatorische Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle – etwa bei der Festlegung der erlaubten Renditen für Netzbetreiber oder bei der Struktur der Netzentgelte, die an Endkundinnen und -kunden weitergegeben werden. In der Praxis besteht ein Spannungsfeld zwischen dem Ziel, Investitionen anzureizen, und dem Anspruch, die Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht übermäßig zu belasten. Besonders Industriezweige mit hohem Energieverbrauch sind sensibel für Stromkosten, da diese einen erheblichen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachen können.

Wie Europa die Umstellung auf Erneuerbare beschleunigen will

Laut EuRH ist es gegenwärtig kaum möglich, die langfristigen Auswirkungen der Netzinvestitionen auf die Strompreise präzise zu beziffern. Zu viele Unwägbarkeiten beeinflussen das System – von der Entwicklung der Erzeugungskosten über die Höhe staatlicher Abgaben bis hin zu volatilen Weltmarktpreisen für Rohstoffe. Klar ist jedoch, dass ohne zusätzliche Investitionen mittelfristig Engpässe drohen, die sich ebenfalls preistreibend auswirken könnten.

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat zusätzlich deutlich gemacht, wie fragil energiepolitische Abhängigkeiten sein können. Die EU hat darauf mit dem Programm „REPowerEU“ reagiert, das eine beschleunigte Umstellung auf erneuerbare Energien und den Ausbau alternativer Infrastrukturen vorsieht. In diesem Zusammenhang wurden im aktuellen Finanzrahmen deutlich mehr Mittel für die Netzmodernisierung bereitgestellt als in der vorherigen Periode. Zwischen 2014 und 2020 stellte die EU rund 5,3 Mrd. € für Stromnetze zur Verfügung – von 2021 bis 2027 sind es rund 29,1 Mrd. €, ein Großteil davon über die Aufbau- und Resilienzfazilität.

Trotz dieses Anstiegs bleibt der Anteil öffentlicher Mittel gemessen am Gesamtbedarf begrenzt.

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Investitionen in Europa dringend erforderlich

Die Investitionslast liegt zu einem großen Teil bei den Netzbetreibern, die wiederum auf planbare regulatorische Rahmenbedingungen angewiesen sind. Die EuRH-Prüferinnen und -Prüfer plädieren daher für eine engere Abstimmung zwischen europäischer und nationaler Ebene. Nur wenn politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen konsistent ausgestaltet sind, kann das notwendige Vertrauen entstehen, das für langfristige Infrastrukturprojekte erforderlich ist.

„Die Stromnachfrage in der EU wird sich bis 2050 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Erhebliche Investitionen ins Stromnetz sind daher unbedingt erforderlich. Wir müssen jedoch alle Hebel in Bewegung setzen, um den Investitionsbedarf so gering wie möglich zu halten,“ erläutert Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des EuRH für den Bericht zuständig ist.

Die Erhebung des EuRH stützt sich auf umfangreiche Analysen. Neben öffentlich zugänglichen Daten und den Netzentwicklungsplänen der Mitgliedsstaaten wurden auch finanzielle Kapazitäten der Netzbetreiber untersucht. Besuche in Deutschland und Italien sowie Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der EU-Kommission, nationalen Regulierungsbehörden und Marktteilnehmern lieferten zusätzliche Einblicke. Ziel war es, ein realistisches Bild vom Zustand der europäischen Stromnetze, den bestehenden Herausforderungen und möglichen Lösungswegen zu zeichnen.

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