Digitaler Prozesspass soll Energiesparpotenziale in Industrie aufspüren
15. Mai 2025

Foto: PantherMedia / biancoblue
Die deutsche Industrie stöhnt unter zu hohen Energiepreisen. Während die Koalitionsverhandlungen züber eine neue deutsche Bundesregierung das Thema auf der Agenda hat, weißt das August-Wilhelm-Scheer-Institut für digitale Produkte und Prozesse in Claustahl-Zellerfeld darauf hin, dass es in den Unternehmen noch ungenutzte Potenziale gibt, die den Betroffenen mitunter gar nicht bewusst seine dürften. Es sei wichtig „Transparenz über Energiebezug und -verbrauch zu schaffen, um Optimierungspotenziale zu identifizieren“, so Shari Maria Alt, Energie- und Nachhaltigkeitsexpertin am AWS.
Die Potenziale könnten gehoben werden, wenn die vorhandenen energiespezifischen Daten in Unternehmen transparent gemacht werden. „In vielen Unternehmen stellen die Energiedaten noch immer eine Blackbox dar“, schreibt Alt. „Im Kontext der wirtschaftlichen Umbrüche wird es unumgänglich, diese Blackbox der Energiedaten zu öffnen und die Chance, aus diesen Daten Wissen und Mehrwerte zu generieren zu nutzen.“
Digitaler Prozesspass soll Energieverbrauch und Produktionsdaten miteinander verknüpfen
Im ersten Schritt gilt es Energiebezug und Energieverbrauch transparent zu machen. „Gibt es eine Differenz, deutet das in den meisten Fällen auf bislang noch nicht erfasste Verbraucher hin“, so das AWS. Gemäß dem Pareto Prinzip seien 20 % der Verbraucher für 80 % des Energieverbrauchs verantwortlich. Diese 20 % der Verbraucher seien demnach besonders interessant, wenn es um das Identifizieren und Umsetzen von Optimierungsmaßnahmen geht.
Eine Möglichkeit, auf die AVS-Expertin Alt hinweist, ist eine so genannter digitaler Prozesspass. Er soll energie- und Produktionsprozessdaten miteinanderverknüpfen. Dann ließen sich zum Beispiel CO2-Emissionen zuordnen und so interne Prozesse verbessern. Mit dem digitalen Prozesspass könne auch „auf die steigenden Nachweispflichten gegenüber Kunden und anderen Stakeholdern eingezahlt werden“, so Alt. Die zusammengeführten Daten dienten dann als Basis für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. So ließen sich der Primärenergiebedarfs und die damit verursachten CO2-Emissionen systematisch senken.
Forschungsprojekt soll digitalen Prozesspass evaluieren
Derzeit erprobt das AWS das Prinzip des digitalen Prozesspasses beim saarländischen Metallveredler Wegener Härtetechnik. Beide evaluieren das Konzept im Rahmen des Forschungsprojektes Oekoproof. Ebenfalls mit im Boot ist das saarländische Unternehmen Kraftblock, das einen Hochtemperatur-Energiespeicher für den Einsatz erneuerbarer Energie und Abwärme entwickelt und das Institut für Betriebs- und Technologiemanagement IBT mit Sitz am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier.
Der digitale Prozesspass soll im Endeffekt auf verschiedensten Branchen übertragbar und dort anwendbar sein. Das AWS entwickelt dabei die Datenpunkte, die über Messsysteme und smarte Sensorik erfasst und gesteuert werden und den digitaler Prozesspass selbst. Er bewertet und steuert die Energie- und Ressourceneffizienz das Energiemanagement- und Energiemonitoringsystemen. Dabei werden softwaretechnisch modular die Daten und die Systeme in den Unternehmen über ein Cloud-Software Services als Microservice-Architektur gekoppelt.























