Anzeige

100 km Wasserstoff-Pipeline: Stahlwerk Salzgitter bekommt H2-Anschluss

04. März 2026

au einer Gasleitung: Ein Seitenbaumleger hebt ein großes Stahlrohr in einen offenen Leitungsgraben, im Hintergrund weitere Baumaschinen und Erdaushub.
Bau einer Gaspipeline. Für die neue Leitung nach Salzgitter hat ONTRAS bei Mannesmann Rohre mit bis zu 813 mm Durchmesser bestellt. Foto: picture alliance / Countrypixel | FRP
Eine Salzgitter-Tochter liefert Rohre für eine 100 km lange Pipeline, die das eigene Stahlwerk bald mit Wasserstoff versorgen soll. Kommt der Anschluss rechtzeitig?
Anzeige
Anzeige


140 m hoch ragt Deutschlands erste große Direktreduktionsanlage über das Hüttenwerk Salzgitter. Ab 2027 soll sie Stahl mit Wasserstoff statt Koks-Kohle erzeugen. Doch zum Start wird erstmal Erdgas durch die Anlage fließen. Der Grund: Der Anschluss ans Wasserstoffnetz fehlt noch.

Jetzt hat der Netzbetreiber Ontras die Rohre für die 100 km Wasserstoffleitung bestellt – und zwar ausgerechnet bei Mannesmann, einer Salzgitter-Tochter. Es ist die größte Einzelbestellung in der Geschichte des Leipziger Gasversorgers.

Anzeige
Anzeige

Welche Technik steckt in den Rohren, und was muss noch passieren, damit Salzgitters DRI-Turm ab 2029 wie geplant läuft?

Inhaltsverzeichnis

100 km Wasserstoffleitung

Anfang der Woche hat Ontras Gastransport aus Leipzig bei Mannesmann Grossrohr und Mannesmann Line Pipe – beide Teil des Salzgitter-Konzerns – Rohre für insgesamt rund 100 km Wasserstoffleitung bestellt. Es handelt sich laut Ontras um die größte Einzelbeschaffung in der Unternehmensgeschichte. Das Volumen liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Die Rohre sind für das Neubauprojekt FGL 702 bestimmt: eine Wasserstoffleitung, die Mitteldeutschland mit der Stahlregion Salzgitter verbindet. Konkret entstehen zwei neue Abschnitte:

Anzeige
Anzeige
  • 67 km zwischen Wefensleben und Salzgitter
  • 34 km zwischen Preußlitz und Angersdorf in Sachsen-Anhalt.

Die Trasse ist Bestandteil des Projektes „Ontras H2-Startnetz“, das insgesamt 600 km Wasserstoffleitungen für Mittel- und Ostdeutschland umfasst. Das H2-Startnetz ist selbst ein Teil des bundesweiten Wasserstoffkernnetzes, das die Bundesnetzagentur im Oktober 2024 genehmigt hat. Es soll u.a. auch das BMW-Werk in Leipzig ab Mitte 2027 mit Wasserstoff versorgen – es wäre die laut BMW weltweit erste Autofabrik mit direktem Anschluss an ein H2-Netz.

Neue Leitungen für das Kernnetz

Das Kernnetz soll nach seiner Fertigstellung im Jahr 2032 insgesamt 9.000 km umfassen und wird nach bisherigen Schätzungen rund 18,9 Mrd. € kosten. Etwa 60 % des Netzes entstehen durch Umstellung bestehender Erdgasleitungen, 40 % – wie die FGL 702 – als Neubau.

Anzeige
Anzeige

Seit Anfang 2026 können Produzenten und Abnehmer Einspeise- und Ausspeisekapazitäten im Kernnetz verbindlich reservieren. Ab Dezember 2029 soll durch die FGL 702 Wasserstoff fließen.

Salzgitter produziert Rohre für sich selbst

Die Bestellung offenbart eine interessante Struktur: Salzgitter produziert nun für Ontras die Rohre für jene Pipeline, die das eigene Stahlwerk mit Wasserstoff versorgen soll. Unter dem Programm SALCOS – Salzgitter Low CO2 Steelmaking – sollen die drei Hochöfen des Standorts schrittweise durch wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlagen (DR-Anlagen) ersetzt werden.

Der Wasserstoffbedarf des Konzerns dürfte perspektivisch noch über die bisherigen Planungen hinausgehen. Ab Juni 2026 übernimmt Salzgitter die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg von Thyssenkrupp Steel. Das Werk umfasst rund 3000 Beschäftigte und soll perspektivisch ebenfalls in die SALCOS-Transformation eingebunden werden.

Milliarden für grünen Stahl

Noch im Februar hatte SALCOS-Programmleiter Martin Zappe öffentlich beklagt, dass die Rohrbestellungen der Netzbetreiber ausbleiben und der Netzausbau stocke. Ein Scheitern des Wasserstoffprojekts ist keine Option mehr: Bund und Land Niedersachsen hatten ursprünglich rund 1 Mrd. € Förderung zugesagt; Ende Februar 2026 genehmigte das Bundeswirtschaftsministerium nach grünem Licht der EU-Kommission weitere 322 Mio. €, um eine entstandene Förderlücke zu schließen.

Salzgitter selbst investiert zusätzlich rund 1,3 Milliarden Euro. Die Rohrbestellung vom Anfang der Woche ließe sich als direkte Antwort auf Zappes Kritik lesen – und als Signal, dass die Wasserstofftransformation der Stahlindustrie tatsächlich losgeht.

400.000 t Bedarf für nur eine Branche

Neben Salzgitter haben sich auch Thyssenkrupp und die Stahl-Holding-Saar (SHS) auf die Direktreduktion festgelegt. Zusammen planen sie mit einem jährlichen Wasserstoffbedarf von mehr als 400.000 t, sobald ihre Anlagen vollständig auf Wasserstoff umgestellt sind.

Zum Vergleich: Deutschland produzierte 2024 rund 50.000 Tonnen grünen Wasserstoff. Allein die Stahlindustrie bräuchte also das Achtfache der heutigen Produktion. Und sie ist nur ein Abnehmer unter vielen.

Erste Abbrecher, steigende Kosten

Dass die Rechnung nicht für alle aufgeht, zeigte sich im vergangenen Jahr am Beispiel von ArcelorMittal. Der Stahlkonzern hat seine Direktreduktionspläne in Bremen gestoppt, dabei verwies er explizit auf unrealistische Wasserstoffpreise. Aktuell kostet grüner Wasserstoff sieben bis neun Euro pro Kilogramm; wirtschaftlich wäre er für die Stahlindustrie bei rund zwei Euro.

Thyssenkrupp verhandelt derzeit mit der Bundesregierung über eine Anpassung der Förderlogik, weil Wasserstoff teurer und später verfügbar ist als zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung angenommen.

Was bei Wasserstoffrohren zu beachten ist

Wasserstoff stellt besondere Anforderungen an Pipelinerohre. Das kleine, leichte Molekül kann in den Stahl eindringen und zur sogenannten Wasserstoffversprödung führen: Risse entstehen, die im schlimmsten Fall zum Versagen der Leitung führen. Zwischen der ersten Wasserstoffaufnahme und dem tatsächlichen Materialversagen können dabei Monate oder sogar Jahre liegen.

Für die FGL 702 liefert Mannesmann Grossrohr laut Salzgitter wasserstofffähige Rohre mit einem Durchmesser von 813 mm, die Mannesmann Line Pipe GmbH Rohre mit 610 mm Durchmesser (DN 600). Beide Typen erhalten außen eine dreilagige Polyethylenbeschichtung zum Korrosionsschutz sowie innen eine Epoxy-Flowcoat-Beschichtung, die Reibungsverluste beim Gasdurchfluss minimiert und gleichzeitig die Stahloberfläche vor dem Wasserstoffangriff schützt.

Auf rund 12 km kommt zusätzlich eine glasfaserverstärkte Kunststoffbeschichtung zum Einsatz. Die Rohre sind 18 m lang und wiegen jeweils rund 4,5 Tonnen. Mannesmann produziert nach eigenen Angaben seit Jahren H2-taugliche Rohre und hat die Stahlzusammensetzung – unter anderem reduzierte Phosphor- und Schwefelgehalte sowie ein abgesenktes Kohlenstoffäquivalent – gezielt für Wasserstoffanwendungen optimiert.

Bewegung im Netz, Fragen beim Gas

Die Rohrbestellung von Ontras ist nicht der einzige Hinweis darauf, dass der Aufbau des Wasserstoffkernnetzes aus der Planungsphase in die Realität übergeht. Am 4. März schloss der norddeutsche Netzbetreiber EWE NETZ einen Vertrag mit Open Grid Europe (OGE) über ein T-Stück am Nordsee-Ruhr-Link III. Das T-Stück bildet die physische Schnittstelle zwischen dem bundesweiten Kernnetz und dem regionalen Verteilnetz, über die ab 2027 Wasserstoff aus dem Norden ins Ruhrgebiet fließen soll.

Die Planfeststellungsverfahren für die FGL 702 von Ontras beginnen 2026, der Bau folgt 2027 und 2028, der kommerzielle Betrieb soll Ende 2029 starten. Die entscheidende Frage bleibt aber, ob bis dahin ausreichend grüner Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht. Klar ist: Das Netz entsteht – aber es nützt wenig, wenn durch die neuen Rohre kein bezahlbares Gas fließt.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige