05.08.2016, 07:29 Uhr | 1 |

Integrierte Solarzellen Sion: Ein revolutionäres Elektroauto für 12.000 Euro

Ein Münchner Jungunternehmen hat ein Fahrzeug entwickelt, das über und über mit Solarzellen bedeckt ist. Sie sammeln Strom für bis zu 30 Kilometer pro Tag. Die Sache hat nur einen Haken: Die Batterien müssen extra bezahlt werden. Wie viel sie kosten verraten die Gründer noch nicht.

Elektroauto Sion von Sono Motors
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Der Sion soll das erste serienmäßige Elektroauto werden, das seine Batterien durch die Sonne lädt.

Foto: Sono Motors

Drei junge Münchner entwickeln ein revolutionär anmutendes Elektroauto. Es ist über und über mit monokristallinen Solarzellen bedeckt, die gegen Witterungseinflüsse und Beschädigung von einer 8 mm dicken Schicht aus glasklarem Polycarbonat überzogen sind. Die Spitzenleistung dieser Zellen, die eine Gesamtfläche von 7,5 m2 haben, beträgt etwa 1,1 kW. Das soll für eine Fahrstrecke von täglich 30 km reichen, sagen Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians – die Gründer des Unternehmens Sono Motors, das das Fahrzeug entwickelt.

Der Haken: Die Sache funktioniert nur, wenn die Motorleistung von 50 kW dezent genutzt wird und die Akkus zuvor wenigstens vier Stunden lang in praller Sonne aufgeladen wurden. Der Sechssitzer kommt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h.

Crowdfunding soll 150.000 Euro bringen

Geplant sind zwei Modelle: „Extender“ mit einer 30-kW-Batterie und „Urban“ mit 14,4 kW. Die Fahrzeuge sollen zwischen 16.000 und 17.600 beziehungsweise zwischen 12.000 und 13.200 Euro kosten. Dazu kommen die Leasingkosten für die Batterie, beziehungsweise deren Kaufpreis. Über diese Zusatzkosten schweigen die Entwickler. „Bitte habt Verständnis, dass wir zu so einem frühen Zeitpunkt noch keine genauen Angaben machen können. Der stetig fallende Batteriepreis wird sich aber nur zu Gunsten Deines Endpreises entwickeln“, beteuern sie auf ihrer Homepage.

Um den ersten Prototypen zu bauen braucht Sono Motors 150.000 Euro. Die versucht das Unternehmen gerade über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo hereinzuholen. 268 Unterstützer haben bisher 21.900 Euro locker gemacht. Eine Vorbestellung ist nicht dabei, obwohl die Münchner mit einem kräftigen Nachlass für die ersten Fahrzeuge locken. Die Hoffnung, ihr Ziel zu erreichen, müssen sie jedoch nicht aufgeben. Die Kampagne läuft noch einen Monat lang. Allerdings reicht das Geld dann gerade für ein paar Prototypen. Um eine Serienproduktion aufzubauen sei „viel mehr Geld nötig“, wie die jungen Unternehmer zugeben.

Rentierflechte reinigt die Luft

Sie haben sich einiges einfallen lassen, um sich von anderen Herstellern zu unterscheiden. So gibt es einen natürlichen Filter, der die in den Innenraum strömende Luft reinigt.

Er besteht aus ständig nachwachsender Echter Rentierflechte (Cladonia rangiferina), manchmal auch als Isländisch Moos bezeichnet. Es versorgt sich selbst aus der durchströmenden Luft mit Wasser, muss also nicht gepflegt werden.

Videoquelle: Sono Motors

Wenn ein Ladegerät mit einer Gleichstromleistung von 43 kW zur Verfügung steht sind die Batterien innerhalb von 30 bis 40 Minuten aufgeladen. Wenn Haushaltsstrom genutzt wird dauert es schnell zehnmal so lange. Weil sich die Entwickler für ein bidirektionales Ladegerät entschieden haben kann das Fahrzeug Teil des Regelenergiemarktes werden. Bei Strommangel speist es Energie ins Netz, bei Überschuss werden die Akkus aufgeladen.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Fachwerkstätten, die das Fahrzeug warten und reparieren, wird es nicht geben. Das sollen bestehende Einrichtungen übernehmen. Das Know-how findet sich in einem Anweisungskatalog und einem Erklärungsvideo. Selbst Laien soll es so möglich sein, Ersatzteile, die Sono Motors liefert, einzubauen. Allerdings verfällt dann die Garantie, zumindest teilweise. Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, Schäden zu beheben: „Außerdem stellen wir zu jeder Komponente des Fahrzeugs die CAD-Datei kostenlos online, um so dem Kunden zu ermöglichen, Ersatzteile lokal per CNC-Fräse oder 3D-Drucker herstellen zu lassen.“

Das sparsamste Elektroauto der Welt hat die TU München gebaut: Es ist auf einer Teststrecke von Audi mit der Energie eines Liters Superbenzin 10.957,02 km weit gefahren. 4 l würden theoretisch genügen, um einmal um die Erde zu fahren. 

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Von Wolfgang Kempkens
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kommentare
09.08.2016, 10:08 Uhr Progetti
Superkondensatoren, die ohne Hast und ohne Platzmangel über das normale Stromnetz aufgeladen werden, könnten in Garagen die Schnell- Ladefunktion übernehmen, weil sie ja in kurzer Zeit sehr viel Energie abgeben können. Damit wäre das Auflade- Zeitproblem gelöst, weil sich ja die Aufladezeit vom Auto in Richtung Garage verschiebt. Diese Kondensatoren könnten dann auch die erwünschte Pufferfunktion für das allgemeine Stromnetz übernehmen.
Dass sie im Vergleich zu normalen Batterien bei gleicher Energie- Menge viel mehr Platz benötigen, dürfte in Garagen kein bedeutendes Problem darstellen.

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