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07.11.2014, 08:49 Uhr | 0 |

Für bessere Diagnosen Sensormütze überwacht Biofunktionen im Alltag

Wie verhält sich der Körper eines Patienten im Alltag? Antwort darauf soll ein Sensorsystem der Universität Duisburg-Essen liefern, das Herz-, Gehirn- und Muskelströme misst. Der Clou: Es ist kompakt genug für die Integration in eine Mütze oder ein T-Shirt.

Unfitte Erwachsene am Ostseestrand von Binz auf der Insel Rügen
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Unfitte Erwachsene am Ostseestrand von Binz auf der Insel Rügen. Was genau in ihren Körpern bei Alltagsaktivitäten vor sich geht, könnte in Zukunft eine Sensormütze den Ärzten verraten. 

Foto: dpa

Medizintechniker der Universität Duisburg-Essen haben ein Elektrodensystem entwickelt, das so kompakt ist, dass es sich in die Kleidung integieren lässt, um Herz-, Gehirn- und Muskelströme auch unter der üblichen Belastung des Alltags aufzeichnen zu können. Das Sensorsystem kann beispielsweise in eine Mütze oder ein T-Shirt eingefügt werden.

Es läuft batteriebetrieben und schickt Biodaten drahtlos an einen ganz normalen PC oder Laptop. Ärzte sollen mit diesen Daten aus dem Alltag des Patienten leichter Herz-, Hirn-, Muskel- und Nervenerkrankungen erkennen können.

Traditionelle EEG-Geräte sind vergleichsweise umständlich 

Bisher genutzte Langzeit-EEG-Geräte sind eher unkomfortabel. Die Elektroden werden auf der Kopfhaut festgeklebt, die Haare des Patienten verkleben im Gel, der Datenspeicher gleicht einem kleinen Koffer, der umgeschnallt oder wie eine Tasche umgehängt wird. Dennoch werden sie eingesetzt, um etwa sporadisch auftretende Störungen wie Epilepsieanfälle besser verstehen zu können.

Das Sensorsystem hört auf den Namen ExG. Das x steht für die mittleren Buchstaben in den Kürzeln EKG (Elektrokardiogramm zur Aufzeichnung der Herzströme), EEG (Elektroenzephalogramm für Gehirnströme) und EMG (Elektromyografie für Muskelströme). 

Gerät soll auch Kognitionsforschern helfen 

Das neue Gerät, entwickelt von den Medizintechnikern Unmesh Ghoshdastider und Reinhard Viga vom Institut für elektronische Bauelemente und Schaltungen, lässt sich auch von Verhaltensforschern nutzen, die herausfinden wollen, was in bestimmten Situationen im Gehirn passiert. „Ein Clou ist, dass ganze Gruppen von Menschen zeitgleich überwacht werden können. So lassen sich ihre Interaktionen und ihre Reaktionen auf Ereignisse studieren“, sagt Viga.

„Was spielt sich in den Köpfen von Fußballer und Torwart beim Elfmeter ab? Wie unterschiedlich reagieren Zuschauer auf Filmszenen?” Solche Fragen beschäftigen die kognitive und klinische Forschung sowie die Neurophysiologie. „Leider existiert es zurzeit nur als Forschungsplattform", bedauert Viga. Die Hard- und Software-Technologien seien jedoch zu Ende entwickelt. Viga und Ghoshdastider stellen das ExG auf der viertägigen Fachmesse Medica in Düsseldorf vor, die am 12. November beginnt.

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Von Wolfgang Kempkens
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