Covid-19-Medikament 12.04.2021, 12:00 Uhr

Corona: Asthmaspray Budesonid könnte alles ändern

Experten nennen das Asthmaspray einen „Game Changer“ im Kampf gegen Corona: Was steckt dahinter? Und wo bekommt man es?

Das Asthmaspray Budenosid hilft laut Studien bei Corona-Patienten vorbeugend gegen schwere Krankheitsverläufe. Foto: panthermedia.net/Wavebreakmedia

Das Asthmaspray Budenosid hilft laut Studien bei Corona-Patienten vorbeugend gegen schwere Krankheitsverläufe.

Foto: panthermedia.net/Wavebreakmedia

Das Asthmaspray Budesonid als Game Changer im Kampf gegen Corona? Selten hat man SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Verlauf der Corona-Pandemie derart optimistisch erlebt. Für Lauterbachsche Verhältnisse liest sich dieser Tweet beinahe euphorisch.

“Jetzt wurde sehr wichtige lang erwartete Oxford Studie zum Asthmaspray Budesonid bei Covid-Infektion im ⁦@TheLancet⁩ veröffentlicht. Meines Erachtens ein „Game Changer“ weil Studie gut gemacht wurde und relevante Hausarzt Früh Behandlung zeigt”, schreibt er. Lauterbach hatte oft genug Recht mit seinen Prognosen in der Pandemie, umso mehr lässt diese Nachricht nun aufhorchen.

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Was hat es mit dem Asthmaspray Budesonid auf sich? Wer bekommt es? Warum hilft es bei Corona?

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Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Asthmaspray: Was ist Budesonid?

Der Wirkstoff Budesonid wird zur Behandlung von Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen eingesetzt. Ein weiteres Behandlungsfeld sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Budesonid stammt aus der Gruppe der Glucocorticoide, der unter anderem bei Asthma, Heuschnupfen, Bronchitis und weiteren Erkrankungen eingesetzt wird. 1988 erhielt das Medikament die erste Zulassung in der Schweiz.

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Inhalatives Glucocorticoid: Viele Asthma-Patienten erhalten derartige Sprays. Foto: Peter Sieben

Inhalatives Glucocorticoid: Viele Asthma-Patienten erhalten derartige Sprays.

Foto: Peter Sieben

Wie wirkt Budesonid?

Budesonid wirkt entzündungshemmend, immunsuppressiv und antiallergisch. Der Wirkstoff ist mit dem körpereigenen Stresshormon Cortisol verwandt. Die meisten Patienten kennen diesen Begriff als Cortison. Das Asthma-Medikament greift an Andockstellen in der Zellen und verändert den Stoffwechselprozess. So werden Stresssituationen im Körper abgefangen. Entzündliche Vorgänge werden durch Budesonid unterdrückt.

Welche Nebenwirkungen hat das Asthmaspray?

Die Nebenwirkungen von Budesonid werden als gering angegeben. Genauere Informationen kann und darf aber immer nur ein Arzt geben. Außerdem liegt jedem Medikament ein Beipackzettel mit möglichen Nebenwirkungen bei. Der Wirkstoff ist so konzipiert, dass er inaktiviert wird, sobald er in die Blutbahn des Patienten gelangt. Dadurch lassen sich die Nebenwirkungen minimal halten.

Wie wird Budesonid angewendet?

Das Mittel muss stets lokal angewendet werden, das heißt als Nasenspray, Inhalation oder magensaftresistenten Kapseln. Die Behandlung dauert in der Regel mehrere Woche – je nach individuellem Krankheitsverlauf. Nutzer sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen. Empfohlen wird eine Anwendung vor dem Essen.

Ist das Asthmaspray verschreibungspflichtig?

Budesonid kommt als nasale Anwendung zum Beispiel im verschreibungspflichtigen Medikament Rhinocort vor. Budesonid Nasenspray kann in Deutschland ohne Rezept erworben werden. Möglich ist das in Online-Apotheken oder beim lokalen Apotheker.
Asthmasprays mit dem Wirkstoff Budesonid sind jedoch verschreibungspflichtig und können nicht rezeptfrei gekauft werden. Auch alle anderen Arzneimittel mit diesem Wirkstoff sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

Haben Asthmapatienten ein erhöhtes Corona-Risiko?

Die vielleicht überraschende Antwort: Nein. Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres haben Forschende herausgefunden, dass Asthma-Patienten kein erhöhtes Risiko haben, nach einer Corona-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden.

Ein möglicher Grund liegt in der Art, wie sich das Coronavirus im menschlichen Körper verbreitet. Nach einer Infektion gelangen die Viren in den menschlichen Kreislauf und docken an das das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) an. So gelangt die Erbsubstanz des Coronavirus in den menschlichen Organismus.

Entscheidend ist dabei auch die Viruslast: Je weniger Viren eindringen, desto milder verläuft die Krankheit. Asthmatiker haben Studien zufolge oft weniger ACE2-Rezeptoren, entsprechend wird die Verbreitung des Virus erschwert.

Wie hilft das Asthmaspray bei Corona?

Ein Medikament gegen schwere Verläufe bei Corona wäre ein wichtiger weiterer Schlüssel neben den Impfungen und Tests im Kampf gegen das Virus. Weltweit arbeiten Forschende an einem entsprechenden Präparat. Wieso kommt nun ein Asthmamedikament ins Spiel?

Dass Asthmatiker entgegen früherer Erwartungen bei Corona-Intensivpatienten unterrepräsentiert sind, hat neben dem ACE2-”Mangel” womöglich noch einen weiteren Grund, wie Forschende der Oxford University jetzt in einer Studie erklären. Die Theorie: mildere Verläufe bei Asthmakranken könnten damit zusammenhängen, dass die Patienten häufig Medikamente mit inhalative Glucocorticoiden wie etwa Kortisonsprays verschrieben bekommen.

Lungenentzündung durch Corona: Erstes Medikament zugelassen

Inhalative Glucocorticoide haben lokal entzündungshemmende, antiallergische und immunsuppressive Eigenschaften und werden häufig bei der Asthma-Therapie oder der Behandlung von chronischer Bronchitis eingesetzt.

Das Oxford-Team untersuchte für ihre Studie den Einfluss des weit verbreiteten Glucocorticoids Budesonid bei Patienten in einem frühen Erkrankungsstadium. 146 zufällig ausgewählte Corona-Patienten nahmen an der Studie teil. Die eine Hälfte der Teilnehmer bekam zweimal täglich zwei Inhalationen Budesonid. Die Patienten in der Kontrollgruppe wurde ohne Budenosid behandelt.

Das Ergebnis: Tatsächlich reduzierte die frühe Verabreichung des Asthmasprays die Wahrscheinlichkeit eines schweren Corona-Verlaufs. Laut der Studie sankt das Risiko für eine stationäre Krankenhausaufenthalt um 91 Prozent.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Pressesprecherin beim VDI e.V.

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