27.10.2014, 16:11 Uhr | 1 |

DESERTEC IM KLEINFORMAT Doch noch Strom für Europa aus der Wüste

Kurz nach dem Zusammenbruch des gigantischen Solarstrom-Projektes Desertec, das 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Energie aus der Wüste decken sollte, kündigt das britische Unternehmen Nur Energie Ltd. ein solches Projekt im Kleinformat an. Immerhin 2,5 Millionen Haushalte in Großbritannien sollen mit Sonnenstrom aus Tunesien versorgt werden.

Solarprojekt des britischen Energieunternehmen Nur Energie in Tunesien
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Solarfeld in Tunesien im Modell: Das britische Energieunternehmen Nur Energie Ltd. will mit riesigen Solarfeldern in Tunesien rund 2,5 Millionen Haushalte in Großbritannien mit Solarstrom versorgen.

Foto: Nur Energie Ltd.

In der tunesischen Wüste sollen tausende ferngesteuerte Spiegel das Sonnenlicht reflektieren, das dann in einem zentralen Turm gebündelt wird. Darin enthaltenes Salz wird aufgeheizt, der dabei entstehende Dampf treibt Turbinen an, die Strom erzeugen. Und den muss man dann nur noch über Landleitungen und ein 450 Kilometer langes Seekabel zwischen Tunesien und Italien nach Großbritannien bringen – fertig ist die Energieversorgung für 2,5 Millionen britische Haushalte.

Mit dem Bau des Parks und des Seekabels soll 2016 begonnen werden. Die italienische Netzgesellschaft Terna sucht gerade nach einem geeigneten Standort, um den Strom aus Tunesien ins italienische Stromnetz einzuspeisen und nach Norden zu transportieren. Bereits für 2018 verspricht Nur Energie die Aufnahme der Energieversorgung.

Standort ist bereits gefunden

Technisch ist jeder einzelne Bestandteil für den geplanten 100 Quadratkilometer großen Solarpark durchaus erprobt und kein Problem. Und gegenüber dem gigantischen Desertec-Projekt, das unter anderem an der Unzahl Beteiligter mit unterschiedlichen Interessen scheiterte, scheinen die Voraussetzungen in dem neuen TuNUR-Projekt besser. „Wir haben schon einen Standort gefunden, eine Machbarkeitsstudie angefertigt und potenzielle Investoren an der Hand“, sagte Projektleiter Daniel Rich der britischen Tageszeitung Independent.

Unter anderem soll sich die britische Low Carbon-Gruppe an dem Vorhaben beteiligen. Das Unternehmen hat bereits eine Reihe von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien finanziert.

Hoffen auf Preisgarantie der Regierung

Die nächste Hürde wird die britische Regierung sein. Sie vergibt in einem Wettbewerb zwischen TuNUR und anderen Energieproduzenten eine einzige Preisgarantie für den produzierten Strom. Die Bewerber müssen beweisen, dass sie eine stabile und sichere Versorgung anbieten können. Ohne diese Preisgarantie, die den Produzenten unabhängig von der Marktentwicklung macht und ihm ähnliche Sicherheit wie die Einspeisevergütung in Deutschland gibt, wäre das Mini-Desertec wohl nicht realisierbar.

Solarpotenzial in Nordafrika ist riesig

Das Solar-Kraftwerk soll zwei Gigawatt Leistung haben und damit doppelt so viel Strom erzeugen wie die Kernkraftwerke in Großbritannien. In zwei Jahren soll mit dem Bau begonnen werden. Zweifel an einem solchen Projekt, die nach dem Scheitern von Desertec besonders schnell aufkommen, versuchen die Planer zu zerstreuen. Marokko habe schon bewiesen, dass solche Anlagen funktionieren und wirtschaftlich betrieben werden könnten, sagt Kevin Sara, CEO des Unternehmens Nur Energie.

Dass das Potenzial für Solarenergie riesig ist, steht außer Frage. Nach einer Studie der EU würden 0,3 Prozent der Sonneneinstrahlung, umgesetzt ist Strom, für die Versorgung ganz Europas ausreichen.

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Von Werner Grosch
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kommentare
03.03.2015, 11:13 Uhr Progetti
Hier bestünde die Möglichkeit, für die Gleichstromkabel statt der Kupfertechnologie die Kohlenstoff- Technologie anzuwenden, was sich auf lange Sicht bezahlt machen würde. Kohlenstoff besitzt den negativen Temperaturgradienten für den elektrischen Widerstand. Gut wärmeisolierte Kabel erreichen schnell jene Arbeitstemperatur, bei der der elektrische Widerstand sehr niedrig ist. Man könnte aus Hanf produziertes Carbon verwenden.

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