05.04.2013, 14:58 Uhr | 0 |

Hightech für Herzkranke Mit Minipumpe verlieren Treppen ihren Schrecken

Ein 53-jähriger schwer herzkranker Patient lebt dank der kleinsten Herzunterstützungspumpe der Welt fast beschwerdefrei. Entwickelt wurde die Synergy Micro-Pump von CircuLite.

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Die kleinste Herzunterstützungspumpe der Welt ist nicht größer als eine Mignon-Batterie.

Foto: CircuLite

Seit gut drei Monaten schlägt das Herz eines 53-jährigen Patienten an zwei Stellen. Zum einen dort, wo es sich üblicherweise befindet, zum anderen direkt unter der Haut unterhalb des rechten Schlüsselbeins. Ihm wurde an der Universitätsklinik Göttingen die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe implantiert. Sie ist nicht größer als eine Mignon-Batterie.

Vor der Operation konnte sich der Patient kaum noch allein bewegen. Heute, nach 15-tägigem Aufenthalt im Krankenhaus mit anschließender Rehabilitation, kann er wieder mühelos laufen und sogar Treppen steigen.

Die Pumpe, die nur 25 Gramm wiegt, versorgt den Kreislauf mit bis zu vier Liter Blut pro Minute, das sind 80 Prozent dessen, was ein gesundes Herz schafft. Weil sie so klein ist können die Ärzte sie ohne Öffnung des Brustkorbs und ohne den zeitweisen Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine minimalinvasiv einsetzen und mit dem Herzen verbinden. „Ein solcher Eingriff ist deutlich schonender. So können wir das Operationsrisiko für Patienten mit einer schweren Herzerkrankung deutlich senken", sagt Aron-Frederik Popov, Oberarzt der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik, der die Pumpe implantierte. Den Strom bezieht sie aus einem ein Kilogramm schweren Akku, den der Patient am Gürtel trägt. Die Stromzuleitung durchstößt die Haut im Bauchbereich. Alle sechs bis acht Stunden muss der Stromspeicher gegen einen frisch aufgeladenen Akku ausgetauscht werden. Bei einer kurzen Unterbrechung der Energieversorgung reicht die Pumpleistung des kranken Herzens aus.

Zur Überbrückung und Erholung

Die Synergy Micro-Pump entwickelte das in Saddle Brook, New Jersey, ansässige Unternehmen CircuLite, dessen Europavertretung sich in Aachen befindet. Bisher wurde die Pumpe mehr als 60 Patienten implantiert. Sie soll die Zeit überbrücken, bis ein Spenderherz gefunden ist. Manchmal erholt sich das Herz auch, wenn es über einen längeren Zeitraum entlastet wird, sodass der Patient nach der Entfernung der Pumpe keine oder nur noch geringe Beschwerden hat. Die durchschnittliche Verweilzeit der Pumpe im Körper der Patienten betrug bisher 190 Tage.

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Von Wolfgang Kempkens
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