16.11.2015, 15:39 Uhr | 0 |

PFLANZENSCHUTZ OHNE GIFT So vernichtet Roboter Bonirob Unkraut

Bosch-Forscher haben sich auf ungewohntes Terrain begeben: Sie nutzten ihr Wissen über Sensorik, Bilderkennung und Navigation, um einen selbstständig agierenden Unkrautvernichter zu bauen. Wie das genau funktioniert?

Bonirob bei der Arbeit auf dem Feld
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Bonirob bei der Arbeit auf dem Feld: Die Maschine kann zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheiden. Letzteres wird zielsicher vernichtet.

Foto: Deepfield Robotics

Bonirob fährt langsam über den Acker. Ab und zu schießt aus seinem Bauch ein Stempel heraus und saust in das Erdreich. Zielgenau trifft er eine Brennnessel- oder Kamillenpflanze und drückt sie in den Boden. Das ist das Ende fürs Unkraut, das das Wachstum der Feldfrucht behindert. Wenn der Unkraut-Roboter sein Terrain abgearbeitet hat finden sich auf dem nur noch junge Mais-, Roggen- oder Rübenkeimlinge. Alles, was deren Wachstum behindern könnte, ist auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe verschwunden. Und das ohne einen einzigen Tropfen Unkrautvernichtungsmittel.

Botanikkunde für einen Roboter

„Wir nutzen unsere Kompetenz in Sensorik, Algorithmik und Bilderkennung, um auch in für Bosch neuen Arbeitsgebieten zu mehr Lebensqualität beizutragen“, sagt Professor Amos Albert, Leiter des vom Autozulieferer Bosch gegründeten Start-ups Deepfield Robotics.

Die Maschine namens Bonirob verfügt über ein hoch spezialisiertes Bilderkennungssystem, das zuverlässig zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheidet. Das muss dem Roboter erst mal beigebracht werden, was eine aufwändige Angelegenheit ist.

Wenn die Pflanzen gerade aus der Erde kommen sind ihre Formen noch nicht sonderlich charakteristisch. Bonirob muss sie dennoch erkennen. „In frühen Stadien ähneln sich zum Beispiel die Blätter von Möhren und Kamille sehr“, sagt Albert. Mit der Zeit lerne der Roboter immer mehr über Parameter wie Blattfarbe, -form und -größe, sodass er nach einer Übungsphase Unkräuter sicher erkennt und einstampft.

Der kleinwagengroße Roboter navigiert mit Satelliten- und Laserhilfe sowie einer Kamera an Bord. Ein Fahrer ist nicht nötig. Es genügt, ihm über eine Fernbedienung das Startkommando zu geben.

Herbizide würden nur stören

Bonirob soll vor allem helfen, die Eigenschaften von neuen Sorten zu analysieren, die Pflanzenzüchter im Labor entwickelt haben. Auf dem Acker müssen sie dann zeigen, ob sie für den Anbau taugen. Dabei geht es um Blattgröße und -farbe, Fruchtgröße und -form, Wuchsform, Insektenbefall und den Gehalt des grünen Blattfarbstoffes Chlorophyll. Herbizide würden die Ergebnisse verfälschen, Unkraut natürlich auch. Der Agrarroboter zerstört nicht nur das Unkraut. Er hilft den Züchtern auch bei der Dokumentation des Wachstums.

Der Bonirob geht auf ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Verbundprojekt zurück. Darin haben Experten von Bosch, der Hochschule Osnabrück und dem Landmaschinenhersteller Amazone-Werke in Hasbergen bei Osnabrück zusammengearbeitet.

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Von Wolfgang Kempkens
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