01.04.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Engagement-Studie Unmotivierte Mitarbeiter kosten die Unternehmen rund 118 Milliarden Euro jährlich

Arbeitnehmer sind an ihrem Arbeitsplatz stark gefrustet und nur noch wenig motiviert. 67 Prozent der Beschäftigten verrichten nur Dienst nach Vorschrift, 17 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Gallup-Studie. In den meisten Fällen ist eine schlechte Personalführung für das schlechte Betriebsklima verantwortlich. 

Schlecker-Mitarbeiterin
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Schlecker-Mitarbeiterin reißt das Firmenlogo nach der Pleite der Drogeriemarktkette vom Schaufenster: Schlecker hatte seine Mitarbeiter unerlaubt überwacht und für ein schlechtes Betriebsklima gesorgt. Demotivierte Mitarbeiter kosten die Unternehmen in Deutschland nach einer Gallup-Studie jährlich 118 Milliarden Euro.

Foto: dpa

„Emotionale Mitarbeiterbindung wirkt als eine Art Schutzimpfung gegen Abwanderung und bietet den Unternehmen Sicherheit in ihrer Personal- und Kostenplanung", erklärt der Leiter der Gallup-Studie, Marco Nink.

Demotivierte Mitarbeiter führen zu hohen Schäden

Doch von einer emotionalen Mitarbeiterbindung sind die meisten Unternehmen weit entfernt. Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind bereit, sich freiwillig für die Ziele ihrer Firma einzusetzen, während 67 Prozent der Beschäftigten nur „Dienst nach Vorschrift" erledigen, so das Ergebnis der aktuellen Gallup-Studie, für die das Beratungsunternehmen 1368 Mitarbeiter von Unternehmen in Deutschland befragt hat. 17 Prozent haben bereits „innerlich gekündigt“. Diese Umfrage führt Gallup seit 2001 regelmäßig durch, um den sogenannten Engagement-Index festzustellen. Dies ist der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber.

Wer gerne ins Büro kommt, arbeitet engagiert und motiviert und fühlt sich meist mit dem Unternehmen innerlich verbunden. Doch wer morgens schon gefrustet ist, widerwillig an seinen Arbeitsplatz fährt und dann nur Dienst nach Vorschrift erledigt, schadet dem Unternehmen erheblich. Die innere Kündigung der Mitarbeiter bringt den Unternehmen einen volkswirtschaftlichen Schaden von etwa 118 Milliarden Euro jährlich, schätzt Gallup.

Zu Beginn kommen die Mitarbeiter hoch motiviert an ihren neuen Arbeitsplatz. Nach und nach fühlen sie sich jedoch desillusioniert und kündigen schließlich innerlich, beschreibt Gallup-Forscher Nink die häufige Entwicklung. Inzwischen kommt jeder sechste Arbeitsnehmer in Deutschland unmotiviert zur Arbeit und leistet nicht mehr als notwendig. Innerlich schon gekündigt, fehlt ihm die emotionale Bindung, um das Unternehmen erfolgreich zu machen.

Ursache für schlechtes Betriebsklima ist meist schlechte Personalführung

In den meisten Fällen ist der direkte Vorgesetzte dafür verantwortlich, ob sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohl fühlen und sich mit dem Unternehmen identifizieren. Schlechte Personalführung führt oftmals zu unmotivierten Mitarbeitern, die häufiger fehlen und irgendwann das Unternehmen verlassen. Etwa drei Viertel der Arbeitnehmer kündigen aufgrund ihres Chefs, so Nink.

Das schadet dem Unternehmen zusätzlich, weil es immer schwieriger wird, passenden Ersatz für die ausscheidenden Fachkräfte zu gewinnen. Im Jahr 2012 dauerte es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit durchschnittlich drei Monate, um eine hochqualifizierte Fachkraft zu ersetzen, während dies im Jahr 2008 noch zwei Wochen schneller ging.

„Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels scheint sich in vielen Unternehmen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Qualität der Führung und die Unternehmenskultur entscheidend sind, um die Mitarbeiter zu binden." Geeignetes Führungspersonal sei daher für ein Unternehmen entscheidend, so Nink. Gute Führungskräfte erhalte man nicht mithilfe gängiger Aufstiegskriterien oder langjähriger Firmenzugehörigkeiten. Nur ein Zehntel der Mitarbeiter verfügt laut Nink über Merkmale in ihrer Persönlichkeit, die eine gute Führungskraft benötigt.

Trotz aller alarmierenden Nachrichten soll sich die Stimmung in deutschen Büros und Werkstätten trotzdem seit zehn Jahren erstmals wieder etwas verbessert haben. 

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Von Petra Funk
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