Mehr als 1200 Patente: Darum zahlt ein US-Konzern 4,8 Mrd. € für ebm-papst
Madison Air kauft ebm-papst. Ventilatoren, EC-Motoren und Kühlsysteme für Rechenzentren machen den deutschen Hersteller attraktiv.
Madison Air kauft ebm-papst für 4,8 Mrd. €. Im Fokus stehen effiziente Ventilatoren und Kühltechnik für moderne Rechenzentren.
Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Michael Probst
Der deutsche Ventilatoren- und Motorspezialist ebm-papst bekommt einen neuen Eigentümer. Der US-Konzern Madison Air übernimmt das Familienunternehmen aus Mulfingen für knapp 4,8 Mrd. €. Besonders interessant ist dabei ein Geschäftsfeld, das zuletzt stark gewachsen ist: die Kühlung von Rechenzentren. Der KI-Boom treibt dort den Bedarf an leistungsfähiger und zugleich energieeffizienter Luft- und Kühltechnik.
Die drei Eigentümerfamilien von ebm-papst haben eine Vereinbarung über den Verkauf ihrer Anteile an Madison Air unterzeichnet. Der sogenannte Enterprise Value, also der Unternehmenswert einschließlich bestimmter Verbindlichkeiten, liegt bei 5,1 Mrd. €. Als Kaufpreis nennt ebm-papst 4,775 Mrd. €. Die Transaktion muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden und soll gegen Ende 2026 abgeschlossen sein.
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KI-Rechenzentren treiben das Geschäft
Hinter der Übernahme steckt mehr als der Zugang zu einem etablierten europäischen Ventilatorenhersteller. ebm-papst ist stark in Anwendungen vertreten, bei denen Luftströme möglichst präzise und energieeffizient bewegt werden müssen – von Heizungs-, Klima- und Kältetechnik bis zu industriellen Anlagen und Rechenzentren.
Gerade das Geschäft mit Rechenzentren entwickelt sich nach Angaben des Unternehmens besonders dynamisch. Der Grund liegt unter anderem im Ausbau von KI-Infrastruktur. Leistungsfähigere Prozessoren und insbesondere KI-Beschleuniger erhöhen die Leistungsdichte in Rechenzentren. Damit steigen auch die Anforderungen an die Wärmeabfuhr. Kühlung wird zunehmend zu einem entscheidenden Faktor dafür, wie viele Server auf begrenztem Raum betrieben werden können und wie hoch ihr Energieverbrauch ausfällt.
ebm-papst entwickelt für diesen Markt unter anderem spezielle Ventilator- und Pumpenlösungen. Hinzu kommt die digitale Plattform NEXAIRA. Sie soll Lufttechnik bedarfsgerecht regeln, Betriebsdaten auswerten und vorausschauende Wartung ermöglichen. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich damit auch Energieeinsparungen in bestehenden Rechenzentren erreichen.
Mehr als 1200 Patente wechseln den Eigentümer
Für Madison Air ist vor allem die technische Basis des deutschen Unternehmens interessant. ebm-papst gilt als Pionier integrierter elektronisch kommutierter Ventilator- und Motorsysteme, sogenannter EC-Systeme. Weltweit seien im Geschäftsbereich Air Technology bereits mehr als 250 Mio. Ventilatoren installiert, erklärt der Käufer. Zum Portfolio gehören außerdem mehr als 1200 Patente.
EC-Motoren lassen sich elektronisch präzise regeln und erreichen insbesondere im Teillastbetrieb hohe Wirkungsgrade. Gerade bei Lüftungs- und Kühlsystemen, deren Leistung ständig dem tatsächlichen Bedarf angepasst wird, ist das ein wesentlicher Vorteil.
Madison Air will durch die Übernahme stärker entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Lufttechnik vertreten sein. Nach Berechnungen des US-Unternehmens wächst der adressierbare Markt durch ebm-papst um rund 30 Mrd. $. Außerdem erwartet Madison Air zusätzliche Möglichkeiten im Ersatzteil-, Service- und Wartungsgeschäft.
ebm-papst soll besseren Zugang zum US-Markt bekommen
Umgekehrt verschafft Madison Air den Deutschen einen deutlich stärkeren Zugang nach Nordamerika. Madison ist unter anderem in Rechenzentren, Reinräumen, Gesundheitseinrichtungen, Industrieanlagen und Wohngebäuden aktiv. Das Unternehmen besitzt Marken wie Nortek Data Center Cooling, Nortek Air Solutions, Reznor oder Big Ass Fans.
ebm-papst ist dagegen besonders stark in Europa und verfügt zudem über ein bedeutendes Geschäft in Asien. Vorstandschef Klaus Geißdörfer sieht deshalb gerade in der geografischen Ergänzung einen Vorteil. Der neue Eigentümer ermögliche einen besseren Zugang zum US-Markt und zu den dortigen Kapitalmärkten.
Das ist für ebm-papst relevant, weil der Ausbau des Geschäfts mit Rechenzentren hohe Investitionen verlangt. Neue Produkte müssen entwickelt, Produktionskapazitäten ausgebaut und internationale Lieferketten skaliert werden.
ebm-papst wächst wieder deutlich
Der Verkauf erfolgt nicht aus einer akuten wirtschaftlichen Schwäche heraus. Im Geschäftsjahr 2025/26 steigerte ebm-papst den Umsatz um rund 6 % auf 2,236 Mrd. €. Das inzwischen stärker fokussierte Kerngeschäft Air Technology wuchs sogar um etwa 12 %. Für Forschung und Entwicklung gab das Unternehmen 142,7 Mio. € aus, weitere 110,4 Mio. € flossen in Investitionen.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 erwartet ebm-papst in den fortgeführten Geschäftsbereichen ein Umsatzwachstum von mehr als 10 %. Als wichtige Wachstumstreiber nennt der Konzern ausdrücklich Lufttechnik, Rechenzentren und die zunehmende Integration künstlicher Intelligenz in Produkte und Systeme.
Madison Air rechnet für ebm-papst für das Kalenderjahr 2026 mit einem Umsatz von rund 2,8 Mrd. $ und einem bereinigten EBITDA von etwa 343 Mio. $. Bis zum dritten Jahr nach der Übernahme sollen zudem jährlich 160 Mio. $ an Kostensynergien erreicht werden. Dabei handelt es sich allerdings um Prognosen des Käufers.
Hauptsitz Mulfingen soll bleiben
Für die mehr als 13.000 Beschäftigten soll sich durch den Eigentümerwechsel zunächst wenig ändern. Rund 5800 von ihnen arbeiten in Deutschland. Mulfingen soll Hauptsitz der Gruppe bleiben und auch künftig ein wichtiger Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion sein. Bestehende tarifliche Vereinbarungen, Betriebsvereinbarungen und arbeitsrechtliche Verpflichtungen sollen durch die Transaktion nicht verändert werden.
Damit wird ein weiteres großes deutsches Familienunternehmen Teil eines US-Konzerns. Im Fall von ebm-papst steht allerdings nicht nur klassische Klima- und Lüftungstechnik im Mittelpunkt. Mit dem rasanten Ausbau von Rechenzentren entwickelt sich effiziente Kühlung zunehmend zu einer Schlüsseltechnologie der KI-Infrastruktur – und genau in diesem Markt will Madison Air mit der Übernahme deutlich wachsen.
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