Innovationsmonitor 10.07.2026, 10:29 Uhr

Rang 9 in der EU: Deutschland ist innovationsstark und fällt trotzdem zurück

Europa wird innovativer, doch Deutschland wächst langsamer als der EU-Schnitt. Das zeigt der Innovationsanzeiger 2026. Deutschland punktet vor allem dort, wo Forschung und Industrie eng zusammenarbeiten.

Innovation

Deutschland hat aufgeholt, ist aber nicht bei den Besten dabei.

Foto: Smarterpix/maxkabakov

Europas Innovationsleistung steigt weiter. Nach dem neuen European Innovation Scoreboard 2026 (EIS) der Europäischen Kommission hat sich die Innovationskraft der EU seit 2019 um 11,6 Prozentpunkte verbessert. Alle Mitgliedstaaten konnten zulegen. Auch von 2025 auf 2026 beschleunigte sich das Wachstum wieder: Die EU verbesserte sich um 1,7 Prozentpunkte, nachdem der Anstieg im Vorjahr nur 0,5 Punkte betragen hatte.

Der Innovationsanzeiger gilt seit 2001 als zentrale Vergleichsstudie für Forschung und Innovation in Europa. Er bewertet die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Nachbarländer und globale Wettbewerber anhand von 32 Indikatoren. Dazu zählen unter anderem Bildung, digitale Infrastruktur, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Patente, Start-ups, Unternehmensinnovationen sowie wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Effekte.

Deutschland erreicht Platz 9 in der EU

Deutschland bleibt im European Innovation Scoreboard 2026 ein „starker Innovator“. Im Ranking der EU-Mitgliedstaaten liegt Deutschland auf Platz 9, im erweiterten Vergleich mit Nachbarländern auf Platz 12.

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Der deutsche Innovationsindex beträgt 111,2 % des EU-Durchschnitts. Damit liegt Deutschland zwar klar über dem EU-Mittel, aber unter dem Durchschnitt der Gruppe der starken Innovatoren. Dieser liegt bei 113,9 %. Gegenüber 2025 verbesserte sich Deutschland um 3,0 Prozentpunkte, seit 2019 aber nur um 5,7 Prozentpunkte. Genau darin liegt laut EU-Bericht die zentrale Schwäche: Deutschland wird innovativer, aber langsamer als Europa insgesamt.

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Schweden, Dänemark und Niederlande führen

An der Spitze des EU-Rankings stehen erneut Schweden, Dänemark und die Niederlande. Sie gelten als Innovationsführer und liegen mehr als 125 % über dem EU-Durchschnitt. Finnland bleibt auf Rang vier, rutscht aber in die Gruppe der starken Innovatoren. Bemerkenswert ist Malta: Der Inselstaat hat sich deutlich verbessert und gehört nun ebenfalls zu den starken Innovatoren.

Zu dieser Gruppe zählen neben Deutschland unter anderem Finnland, Belgien, Irland, Luxemburg, Österreich, Frankreich, Estland und Malta. Dahinter folgen die moderaten Innovatoren wie Italien, Spanien oder Portugal sowie die aufstrebenden Innovatoren, darunter Kroatien, Polen, Bulgarien und Rumänien.

Deutschlands Stärke: Forschung trifft Industrie

Deutschland punktet vor allem dort, wo Forschung und Industrie eng zusammenarbeiten. Besonders stark ist die Bundesrepublik bei öffentlich-privaten wissenschaftlichen Publikationen, bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Unternehmen sowie bei den Innovationsausgaben pro Beschäftigtem.

Auch bei einzelnen Indikatoren erreicht Deutschland gute Platzierungen. Dazu zählen die Beschäftigung in innovativen Unternehmen, nicht forschungsbezogene Innovationsausgaben und neue Promotionsabschlüsse. Bei den FuE-Ausgaben der Wirtschaft liegt Deutschland mit 144,8 % des EU-Durchschnitts deutlich über dem europäischen Mittel. Das passt zum industriellen Profil des Landes: Große forschungsintensive Unternehmen, insbesondere aus Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie, Elektrotechnik und Medizintechnik, prägen weiterhin das Innovationssystem.

Schwächen bei Weiterbildung und digitalen Kompetenzen

Deutlich kritischer fällt der Blick auf die Voraussetzungen für künftige Innovationen aus. Die Kommission nennt als relative Schwächen Deutschlands die geringe staatliche direkte und indirekte Unterstützung für Unternehmens-FuE, die niedrige Beteiligung am lebenslangen Lernen sowie den Anteil der Menschen mit mehr als grundlegenden digitalen Kompetenzen.

Besonders auffällig ist die Kategorie Digitalisierung. Deutschland erreicht hier nur 84 % des EU-Durchschnitts und liegt unter den Mitgliedstaaten auf Rang 20. Beim schnellen Internet sowie bei digitalen Kompetenzen steht Deutschland ebenfalls nur auf Platz 20. Zwar hat sich die Digitalisierung seit 2019 stark verbessert. Hochgeschwindigkeitsinternet, Cloud-Computing und digitale Kompetenzen gehören zu den größten Fortschritten seit 2019. Trotzdem bleibt der Abstand zu den führenden Ländern groß.

Zu wenig Dynamik bei kleinen und mittleren Unternehmen

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Innovationsaktivitäten kleiner und mittlerer Unternehmen. Deutschland liegt bei KMU mit Produktinnovationen zwar noch leicht über dem EU-Durchschnitt, doch seit 2019 zeigt dieser Indikator deutlich nach unten. Auch die Zusammenarbeit innovativer KMU mit anderen Akteuren hat sich im langfristigen Vergleich verschlechtert.

Technologische Durchbrüche entstehen allerdings nicht nur aus Konzernforschung. Gerade Start-ups, Mittelständler und spezialisierte Zulieferer sind wichtig, um Ideen schnell in marktfähige Produkte zu übersetzen. Die EU-Kommission betont deshalb, dass Europa bessere Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups schaffen müsse. Dazu sollen unter anderem die Start-up- und Scale-up-Strategie, „EU Inc.“ und der geplante European Innovation Act beitragen.

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Europa bleibt im globalen Wettbewerb unter Druck

Trotz der positiven Entwicklung reicht Europas Innovationsdynamik international nicht aus, um die Spitzengruppe einzuholen. Im globalen Vergleich bleibt Südkorea der stärkste Wettbewerber. Dahinter folgen China, Kanada, Australien und die USA, die ebenfalls über dem EU-Niveau liegen. Besonders China konnte seine Innovationsleistung seit 2019 stark steigern.

Für die EU ist Innovation deshalb nicht mehr nur ein Thema für Forschungspolitik. Sie wird zur Frage von Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und technologischer Souveränität. Der EIS-Hauptbericht betont, dass Innovation Europa helfen soll, Abhängigkeiten bei kritischen Technologien, Energie, Rohstoffen und industriellen Lieferketten zu verringern.

Was das für Deutschland bedeutet

Für Deutschland ergibt sich nach dem Bericht ein gemischtes Bild. Der Innovationsstandort bleibt leistungsfähig, vor allem dank starker Industrie, hoher privater FuE-Ausgaben, vieler Patente und enger Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Gleichzeitig zeigen die Daten strukturelle Risiken: Bei Weiterbildung, digitalen Kompetenzen, Hochschulbildung und staatlicher Unterstützung für Unternehmensforschung liegt Deutschland zurück.

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger ist Redakteurin im VDI Verlag. Besondere Expertise hat sie in den Bereichen Arbeitsmarkt, Karriere, Arbeitsrecht, Bildung und Gesellschaft. Im Karriere-Podcast „Prototyp“ spricht sie mit prominenten Gästen aus Wirtschaft, Forschung und Bildung über das, was die Arbeitswelt von Ingenieurinnen und Ingenieuren bewegt.

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