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Warum Schalke eines der innovativsten Stadien der Welt ist

24. August 2001

Rasenplatz Fußball stat und grün
Kunstrasenplätze sollen keine Plastikschleudern mehr sein.
Foto: panthermedia.net/kanate
Das Dach lässt sich schließen, den Rasen kann man hinaus rollen und alles wurde privat finanziert. FIFA-Präsident Blatter lobte denn auch die Arena als eines der „innovativsten Stadien der Welt“.
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Die neue Schalke Arena liegt im „Berger Feld“, dem geographischen Mittelpunkt der Stadt Gelsenkirchen und somit nicht weit entfernt vom bisherigen Nabel der Welt für Schalke-Fans, dem Parkstadion.

Das planerische Konzept sah von Anfang an eine Multifunktionsarena vor: „Eine reine Stadionlösung reicht schon lange nicht mehr aus. Man muss ein Stadion heute wie eine Gewerbeimmobilie entwickeln, damit sich der Betrieb rechnet“, erklärt Günter Kus, Projektbetreuer bei den Planern, dem Düsseldorfer Architektenbüro Hentrich, Petschnigg und Partner, HPP.

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Multifunktions-Arena auf Schalke

Neben der Hauptnutzung als Fußballstadion für ca. 51.800 bzw. 58.000 Zuschauer (mit Stehplätzen) lassen sich bei herausgeschobenem Spielfeld unter anderem Ausstellungen, andere Sportveranstaltungen, Kongresse, Kirchentage und Großkonzerte unabhängig von der Witterung durchführen. Im Mittelpunkt der Bauplanungen stand allerdings u.a. der Wunsch, ein Fußballstadion zu bauen, das nicht zuletzt auch für die Weltmeisterschaft 2006 geeignet ist.

Die Arena hat eine rechteckige Grundform, eine aufschiebbare Überdachung und ein verschiebbares Spielfeld. An allen vier Seiten sind die Zuschauer auf den Tribünen nah am Geschehen, nur durch einen Graben vom Spielfeld getrennt.

Der Zuschauerbereich ist in zwei Tribünenränge geteilt, die durch Promenaden in zwei Ebenen erschlossen werden. Zwischen diesen beiden Promenaden sind Nutzflächen für Büroräume u.ä. angeordnet. Im Bereich der Westtribüne sind auf fünf Geschossebenen Umkleiden, Vip-Räume, Logen, Business-Club, Medienbereich und weitere Büroräume untergebracht.

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225 Meter misst die neue Schalke Arena

Insgesamt 225 Meter misst die neue Arena in der Läge, 187 Meter in der Breite der Höhenunterschied zwischen Spielfläche und Oberkante Dach beträgt 53,50 Meter. Um dem großvolumigen Baukörper etwas von seiner Massigkeit zu nehmen, wurde er ein wenig ins Gelände versenkt: Die Rasenfläche liegt 10,70 Meter tiefer als die Zugangsebene und kann komplett in einem Stück (118 m x 79 m) aus der Arena heraus geschoben werden – zum Vorschein kommt dann der innere Sekundärboden, eine Stahlbetonplatte.

So eine verschiebbare Rasenfläche hat es bislang noch in keinem Stadion der Welt gegeben. Dabei dient die aufwendige Technik, mit der die 11.000 Tonnen schwere „Pflanz­wanne“ auf teflonbeschichteten Stahlschienen von vier Hydraulikpressen bewegt wird, weniger dem von Spöttern unterstellten Zweck, bei einem schlechten Spiel das Geschehen den Augen der Fans zu entziehen. Der Grund ist vielmehr, dass dem hochstrapazierten Rasen während der spielfreien Zeit ausreichend Gelegenheit gegeben werden soll, sich im Licht bei Wind und Wetter wieder zu erholen.

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Wie wichtig eine solche Erholungsphase ist, zeigen die Erfahrungen anderer Großstadien, die jährliche mehrere hunderttausend DM in die Sanierung der Rasenfläche nach einem Spiel investieren müssen, weil neben der Beanspruchung durch den Spielbetrieb, selbst bei offener Stadionbauweise, Sonne, Wind und Wetter nicht ausreichen, um den Rasen auf natürliche Weise wieder zu regenerieren.

Spielfeld der Arena bewegt sich

Anders ist es auf Schalke: Hier bewegt sich das Spielfeld der Arena nach dem Abpfiff innerhalb von sechs Stunden durch eine Öffnung in der Südtribüne ins Freie. Dabei werden die Zuschauerränge mit zwei stählernen Brücken abgefangen. Dabei zeigt sich eine weitere Besonderheit des Stadions, denn losgelöst von dieser Brückenkonstruktion, lässt sich der Unterrang der Südtribüne auch um ca. 16 Meter unter den Oberrang schieben und bietet so eine optimale, von überall her gut einsehbare Bühne.

Die 118 m x 79 m große Betonwanne, in der sich das Spielfeld befindet, ist nur knapp 1 Meter hoch. Wie ein gewaltiger Blumenkasten ist sie zunächst mit einer Schicht Sand gefüllt. In diese Sandschicht ist auch die Rasenheizung eingelassen. Überdeckt wird der Sand von einer Schicht Mutterboden für den Rasen. Selbstverständlich ist innerhalb der Wanne für eine ausreichende Be- und Entwässerung gesorgt. Darunter sind die 60 cm hohen Gleitschuhe angebracht.

Die Tragkonstruktion der Tribünen besteht aus Stahlbeton. Eine Ausnahme bildet die Südtribüne: Damit die Rasenfläche unter ihr hindurch fahren kann, bilden zwei Stahlbrücken das Tragwerk für eine Stahlprofil-Tribüne.

Glasfasergewebe verleiht der Arena besondere Ausstrahlung

Eine besondere Ausstrahlung erhält die Arena durch das weiße, mit lichtdurchlässigem Glasfasergewebe bespannte Dach. Die großen Dachspannweiten werden durch bogenförmige Stahlfachwerkträger überspannt. Die hell-transluzente Dachkonstruktion, die bei freundlichem Wetter zwar die Zuschauerränge überspannt, aber dennoch Zuschauern und Akteuren das Gefühl lässt, letztendlich an einer Freiluftveranstaltung teilzunehmen, verwandelt sich erst bei schlechtem Wetter in eine geschlossene Haut, unter der die jeweilige Veranstaltung von Regengüssen oder Schneestürmen ungehindert weitergehen kann – allerdings dauert es etwa 30 Minuten, bis die rund 560 Tonnen schweren, beweglichen Dachteile ihre Endposition erreicht haben.

Die Außenfronten erhielten eine Vorhangfassade in Stahl-Aluminium-Glaskonstruktion, die durch vorgesetzte Stahlpfeiler gegliedert wird. Die Pfeiler fassen die 18 außenliegenden, offenen Treppen ein und dienen – neben ihrer Funktion als Architekturelement – auch zur Überbrückung der Gebäude-Dehnungsfugen. Die Tragkonstruktion der offenen Treppen besteht in Anlehnung an die Fassadenpfeiler aus Stahlprofilen.

Die Treppenläufe und -podeste wurden in Stahlbeton ausgeführt. Mit diesen genannten Materialien wird die gewünschte Transparenz der Arena erzielt. So bleiben die Stahlbeton-Skelettbauweise der Arena und die Konstruktion des Stahlfachwerks im Dachbereich von außen erkennbar.

Neu in einem Fußballstadion ist auch der sogenannte Video-Würfel, der sich in luftiger Höhe genau über dem Anstoßpunkt befindet. Bei dieser 32 t schweren Konstruktion handelt es sich um vier Großbildschirme von jeweils 35 m² Größe. Diese Video-Bildschirme, die dank modernster Digitaltechnik Bilder in höchster Qualität liefern und dabei angeblich fast wartungsfrei arbeiten, stellen aber nur das Herzstück der Multimedia-Vernetzung des Stadions: Weitere 500 Monitore, die über die gesamte Anlage verteilt sind, sollen bei allen Veranstaltungen den Erlebniswert erheblich steigern.

Philips sponsert Videowürfel

Sowohl die Monitore wie auch der Videowürfel wurden von dem niederländischen Elektronikhersteller Philips geliefert, der als Sponsor und „ArenaPartner“ nicht nur das technische Equipment lieferte, sondern auch gleichzeitig für die inhaltliche Umsetzung des Stadion-TV sorgt. So entsteht ein gemeinsam mit dem Verein gestaltetes Programm nur für die Arena-Besucher.

Denn auch sie haben ihren Teil zu dem 358 Millionen DM teuren Bau geleistet. Lange vor dem Bau drängten die Fans schon danach, sich irgendwie am Bau zu beteiligen.

Der Vereinsvorstand fand dafür den Weg: die „Mauer der Freunde“. Jeder Fan kann dem Verein ein oder mehrere zinslose Darlehen von 500 DM geben. Für jedes dieser Darlehen bekommt er einen mit Namen versehenen Stein in der „Mauer der Freunde“. Die eigentliche Rückzahlung erfolgt zehn Jahre lang durch jährlich einen Gutschein über 50 DM für den S04-Fanshop. Insgesamt 15 Millionen DM kamen so von den Fans zusammen. 225 Millionen DM wurden von einem Bankenkonsortium aufgebracht, 66 Millionen DM werden vom Verein nebst einigen Einzelanlegern finanziert, 25 Millionen DM stellte der Generalübernehmer, die holländische Baugesellschaft HBM, bereit und 9,5 Millionen DM stammen aus Beteiligungen der Stadt Gelsenkirchen. Somit ist die Arena, so der Verein, die erste rein privat finanzierte Sportstätte.

Nur eines fehlt den Schalkern jetzt noch zu ihrem Glück: Dass es endlich mit der Meisterschaft klappt.



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