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Air-India-Absturz: Triebwerksanalyse verzögert Abschlussbericht

26. Juli 2026

Air India
Mehr als ein Jahr nach dem Absturz von AI171 fehlt noch eine Triebwerksanalyse. Der Entwurf des Abschlussberichts wird im Oktober erwartet. Foto: Smarterpix / rarrarorro
32 Sekunden nach dem Abheben endete die Aufzeichnung von AI171. Warum die Triebwerksanalyse den Abschlussbericht weiter verzögert.
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Mehr als ein Jahr nach dem Absturz von Air-India-Flug AI171 fehlt den Ermittlern noch eine technische Auswertung aus dem Triebwerksbereich. Die indische Unfalluntersuchungsbehörde AAIB befindet sich nach eigenen Angaben in der abschließenden Analysephase. Ein Entwurf des Abschlussberichts wird für Oktober 2026 erwartet. Veröffentlicht wird er voraussichtlich erst später.

Die Boeing 787-8 war am 12. Juni 2025 unmittelbar nach dem Start im westindischen Ahmedabad abgestürzt. Von den 242 Menschen an Bord überlebte nur ein Passagier. Zusätzlich starben 19 Menschen am Boden. Insgesamt forderte der Unfall 260 Todesopfer.

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Inhaltsverzeichnis

Analyse aus Triebwerksüberwachung steht noch aus

Der aktuelle Stand geht aus Unterlagen hervor, die die AAIB bei Gericht eingereicht hat. Demnach warten die Ermittler noch auf die Analyse von Daten, die Ende Mai aus einer sogenannten Engine Monitoring Unit gewonnen wurden. Welche Komponente genau gemeint ist, welche Parameter sie erfasst und welche Fragen damit beantwortet werden sollen, ist öffentlich nicht näher beschrieben.

Die Einheit sollte daher nicht mit der digitalen Triebwerkssteuerung FADEC gleichgesetzt werden. Im vorläufigen Untersuchungsbericht beschreibt die AAIB die FADEC als System, das nach dem Zurückschalten der Kraftstoffschalter automatisch die Wiederzündung und den erneuten Schubaufbau steuerte. Welche Funktion die nun untersuchte Überwachungseinheit innerhalb des Triebwerkssystems erfüllt, lässt sich aus den veröffentlichten Informationen dagegen nicht sicher ableiten.

Reuters berichtete bereits im Juni unter Berufung auf eine mit der Untersuchung vertraute Person, dass im April Triebwerkstests stattgefunden hätten. Im Mai sei ein Untersuchungsteam nach Frankreich gereist, um eine Einheit aus dem Bereich des Triebwerksmanagements analysieren zu lassen. Bloomberg zufolge wurden die GE-GEnx-Triebwerke zudem zur Untersuchung in die USA gebracht.

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Die intensive Prüfung der Triebwerke belegt allerdings noch keinen technischen Defekt. Die AAIB untersucht nach eigenen Angaben technische, betriebliche, menschliche und organisatorische Faktoren. Die Ergebnisse sollen erst im Abschlussbericht zusammengeführt werden.

Die entscheidenden 32 Sekunden

Der vorläufige AAIB-Bericht rekonstruiert den Ablauf anhand der Flugschreiberdaten. Die Boeing hob um 08:08:39 Uhr UTC ab. Rund drei Sekunden später erreichte sie ihre höchste aufgezeichnete Geschwindigkeit von 180 Knoten, umgerechnet etwa 333 km/h.

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Unmittelbar danach wechselten die aufgezeichneten Zustände der beiden Fuel Control Switches im Abstand von einer Sekunde von „RUN“ auf „CUTOFF“. Dadurch wurde die Kraftstoffzufuhr zu beiden Triebwerken unterbrochen. Die Drehzahlen der Triebwerkswellen begannen zu sinken.

Der Bericht hält lediglich fest, dass die Schalterzustände wechselten. Er stellt nicht fest, wer oder was den Wechsel auslöste. Damit belegt der bisherige Ermittlungsstand weder eine bewusste Handlung noch eine Fehlbedienung oder einen technischen Fehler.

Auf dem Cockpit Voice Recorder ist laut AAIB zu hören, wie ein Pilot den anderen fragt, warum er abgeschaltet habe. Der andere antwortet, er habe dies nicht getan. Die Behörde nennt nicht, welcher Pilot welche Aussage machte. Auch daraus lässt sich bislang keine eindeutige Ursache ableiten.

Triebwerke zündeten erneut

Um etwa 08:08:47 Uhr begann die Hydraulikpumpe der Ram-Air-Turbine, hydraulische Leistung bereitzustellen. Die durch den Fahrtwind angetriebene RAT war kurz nach dem Abheben ausgefahren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Drehzahlen beider Triebwerke bereits den normalen Leerlaufbereich unterschritten.

Um 08:08:52 Uhr wechselte der aufgezeichnete Zustand des Schalters für Triebwerk 1 zurück auf „RUN“. Vier Sekunden später folgte Triebwerk 2. Daraufhin leiteten die digitalen Triebwerkssteuerungen automatisch die Wiederzündung ein und führten erneut Kraftstoff zu.

Bei beiden Triebwerken stieg die Abgastemperatur. Das deutet laut Bericht auf eine erfolgreiche Wiederzündung hin. Bei Triebwerk 1 stoppte der Rückgang der Kerndrehzahl, anschließend setzte eine Erholung ein. Triebwerk 2 zündete ebenfalls, konnte den weiteren Drehzahlverlust aber zunächst nicht stoppen. Die Steuerung versuchte wiederholt, die Kerndrehzahl durch erneute Kraftstoffzufuhr zu erhöhen.

Um 08:09:05 Uhr setzte einer der Piloten einen Mayday-Ruf ab. Sechs Sekunden später endete die Aufzeichnung des Flugschreibers. Zwischen dem Abheben und dem Ende der Datenaufzeichnung lagen damit nur 32 Sekunden.

Vorbericht nennt keine Unfallursache

Der vorläufige Bericht enthält keine abschließende Bewertung des Geschehens. Auch sofortige Maßnahmen für Betreiber oder Hersteller der Boeing 787-8 beziehungsweise der GE-GEnx-1B-Triebwerke empfahl die AAIB zu diesem Untersuchungsstand nicht. Ein technischer Fehler wird dadurch weder bestätigt noch ausgeschlossen.

In ihrer Zwischenmitteilung vom Juni 2026 erklärte die Behörde, sie habe im zurückliegenden Jahr unter anderem Flugzeugsysteme, Flugschreiberdaten, triebwerksbezogene Komponenten sowie Wartungs- und Betriebsunterlagen untersucht. Die Ergebnisse würden nun gemeinsam ausgewertet. Bei Bedarf seien weitere technische Untersuchungen vorgesehen.

Auch menschliche und organisatorische Faktoren werden geprüft

Die Untersuchung beschränkt sich nicht auf das Flugzeug und seine Triebwerke. Laut den Gerichtsunterlagen befragte die AAIB unter anderem Air-India-Piloten mit Boeing-787-Erfahrung, frühere Besatzungsmitglieder der beiden Piloten, Techniker, Fluglotsen, Wetterfachleute und Experten für menschliche Faktoren.

Das vollständige Transkript des Cockpit Voice Recorders wurde inzwischen erstellt. Außerdem führte die Behörde eine sogenannte psychologische Autopsie durch. Auf welche Person sie sich bezog und zu welchem Ergebnis sie kam, teilte die AAIB nicht mit. Daraus lässt sich deshalb keine bestimmte Theorie zum Unfallhergang ableiten.

Noch nicht beendet ist zudem die Bewertung bestimmter organisatorischer Faktoren. Die Ermittler untersuchen damit auch Abläufe und Rahmenbedingungen bei Air India. Einzelheiten dazu sind bisher nicht veröffentlicht.

Veröffentlichung dürfte nach Oktober erfolgen

Die AAIB erwartet, die noch ausstehenden Arbeiten innerhalb von etwa sechs Wochen abzuschließen. Dieser Zeitplan hängt allerdings von externen Zulieferungen und Analyseergebnissen ab. Der Entwurf des Abschlussberichts soll voraussichtlich im Oktober fertiggestellt werden.

Anschließend geht der Entwurf an die beteiligten Staaten und Untersuchungsstellen. Dazu gehört die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NTSB. Die Stellen können den Bericht prüfen und kommentieren, bevor die AAIB ihn abschließt und veröffentlicht. Oktober ist daher kein gesicherter Veröffentlichungstermin.

Bis dahin bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Warum wechselten wenige Sekunden nach dem Abheben die aufgezeichneten Zustände beider Kraftstoffschalter auf „CUTOFF“? Die noch ausstehende Triebwerksanalyse könnte dazu weitere Informationen liefern. Ob sie den entscheidenden Hinweis enthält, ist derzeit nicht bekannt.

Quellen



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