Salzgitter übernimmt HKM und halbiert den Standort
Das Hüttenwerk im Duisburger Süden ist offenbar gerettet. Salzgitter hat für die Zeit nach der Übernahme allerdings Stellenabbau und Anlagenschließungen angekündigt.
Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern, Salzgitter, will die Hüttenwerke Krupp Mannesmann im Duisburger Süden übernehmen.
Foto: picture alliance / Jochen Tack
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) sind womöglich gerettet. Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller, Salzgitter, hat angekündigt, HKM zu übernehmen. Allerdings sollen 2000 der derzeit rund 3000 Stellen abgebaut werden und Anlagen abgeschaltet werden.
50 % der HKM-Anteile gehören derzeit noch der Thyssenkrupp-Stahlsparte, die schon länger aus dem Joint Venture aussteigen will. Salzgitter, derzeit im Besitz von 30 % der Anteile, will die Thyssenkrupp-Anteile übernehmen. Die restlichen 20 % gehören dem französischen Röhrenhersteller Vallourec, der sich bereits zustimmend geäußert hat und bei HKM ebenfalls aussteigen will.
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Thyssenkrupp steigt zum Juni aus
HKM produziert im Duisburger Süden mit zwei Hochöfen nebst Stahlwerk, Stranggussanlage und Röhrenwalzwerk Vorprodukte für die Eigentümer. Thyssenkrupp hatte bereits im vergangenen Jahr den Liefervertrag gekündigt. Das Ende der Brammen-Lieferungen war bisher für 2032 geplant, nach aktuellem Stand der Verhandlungen ist nun bereits Ende 2028 Schluss.
Salzgitter will die Thyssenkrupp-Anteile demnach zum 1. Juni 2026 übernehmen. Voraussetzung: Ein bereits beauftragtes Fortführungsgutachten muss zu einem positiven Ergebnis kommen.
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), begrüßte die Einigung. „Sie kann bei allen schmerzhaften Folgen eine verantwortungsvolle Lösung sein“, sagte Wüst. Die Beschäftigten müssten nun schnell endgültige Klarheit bekommen. Knut Giesler, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, nannte die Nachricht ein „gutes Signal für den Stahlstandort NRW“. Es werde ein schwieriger Weg, aber es würden wichtige Wertschöpfungsketten in NRW und darüber hinaus abgesichert.
Hochöfen werden abgeschaltet – E-Ofen kommt
Der Stahlstandort in Duisburg wird nun komplett umgekrempelt. Das Konverter-Stahlwerk soll ersetzt werden. Stattdessen soll eine Elektrostahlroute installiert werden: Der neue Elektrolichtbogenofen soll zwischen 2,0 Mio. t und 2,5 Mio. t Stahl jährlich produzieren. Dieser soll mit 200 Mio. € gefördert werden. Hinzu kommen Umwälzungen in der Eisenproduktion.
Beide HKM-Hochöfen sollen abgeschaltet werden, insgesamt haben diese eine Roheisenkapazität von 5 Mio. t. Damit wird die Produktion am Standort mindestens halbiert. Wie das Eisen stattdessen produziert werden soll oder ob es importiert werden soll, darüber wurde bisher nichts bekannt. Definitiv sollen aber in großem Umfang Recyclingschrotte genutzt werden. „Geplant sind auch hohe Schrottanteile“, sagte ein Salzgitter-Sprecher auf Anfrage.
Drastischer Stellenabbau
Mit der Übernahmeeinigung scheint eine Schließung des Standorts abgewendet. Allerdings will Salzgitter die Belegschaft von 3000 auf 1000 verkleinern. Salzgitter äußerte sich nicht dazu, wann der Stellenabbau beginnt.
Die bisher bekannten Details zum Stellenabbau und den Anlagenentscheidungen sind in einem Eckpunktepapier von Salzgitter und Thyssenkrupp festgehalten. Diese müssen aber noch in Verträge überführt werden.
Thyssenkrupp Steel mitten im Umbau
Für die Thyssenkrupp-Stahlsparte ist der Ausstieg bei HKM ein Kernelement der Sanierungsstrategie. Die neue Chefin, Marie Jaroni, will das Unternehmen unter anderem durch Stellenabbau wieder wettbewerbsfähig machen. Insgesamt sollen 11.000 Stellen wegfallen oder ausgelagert werden. Die Produktionskapazitäten sollen verringert werden.
Jaroni nannte die Einigung mit Salzgitter einen Meilenstein. „Mit der Vereinbarung ist es uns gelungen, eine faire und für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu erzielen. Damit kommen wir unserer Verantwortung sowohl für Thyssenkrupp Steel als Ganzes als auch für die HKM-Beschäftigten nach“, sagte sie.
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