Entscheidung gefallen: Salzgitter übernimmt Hüttenwerke Krupp Mannesmann
Der Stahlkonzern Salzgitter treibt die Konsolidierung der Stahlbranche voran und schluckt den Duisburger Hochofenstandort von HKM.
Aus fünf werden vier: Mit der Fusion betreiben in Deutschland nur noch vier Konzerne Hochöfen.
Foto: Salzgitter AG
Jetzt steht es fest. Aus fünf Konzernen, die in Deutschland mindestens einen Hochofen betreiben, werden vier. Salzgitter, die deutsche Nummer zwei, übernimmt die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) im Duisburger Süden zu 100 %.
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Salzgitter und die anderen bisherigen Anteilseigner, Thyssenkrupp Steel und Vallourec, hatten die grundsätzlich Einigung bereits im Februar bekannt gegeben. Die drei Konzerne haben am 8. Juli die Verträge unterzeichnet und über die Details Stillschweigen vereinbart. Aus dem Joint Venture wird eine 100%ige Salzgitter-Tochter. Details zu den Vertägen nannten die Unternehmen nicht.
Fortsetzung der Stahlproduktion
Die Stahlproduktion an dem Traditionsstandort geht weiter. Allerdings will sich Salzgitter auf die grüne Transformation des Standorts konzentrieren. In seinem Salcos-Projekt will Salzgitter stufenweise seine Hochöfen durch wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlagen ersetzen und damit CO2-Emissionen einsparen.
Konkret will Salzgitter in Duisburg in einen Elektrolichtbogenofen investieren. So sollen langfristig die CO2-Emissionen an dem Duisburger Standort um 90 % sinken. Salzgitter rechnet damit, dass das Aggregat mit 200 Mio. € gefördert wird.
Verringerte Produktion
Salzgitter will die Produktionsmenge stark reduzieren. Aktuell haben die beiden Hochöfen der HKM gemeinsam eine Roheisenkapazität von 5 Mio. t pro Jahr. In Zukunft soll der Elektrolichtbogenoden nur noch 2 Mio. t produzieren. Roheisen- und Rohstahlproduktion sind nicht dasselbe, allerdings liegen sie typischerweise in einer ähnlichen Größenordnung.
Das bedeutet auch einen Abschied vom Hochofen. Kurzfristig soll der erste Hochofen abgeschaltet werden. Langfristig wird auch der zweite weichen.
Wie das Eisen stattdessen produziert werden soll oder ob es importiert werden soll, darüber wurde bisher nichts bekannt. Definitiv sollen aber in großem Umfang Recyclingschrotte genutzt werden. „Geplant sind auch hohe Schrottanteile“, sagte ein Salzgitter-Sprecher auf Anfrage.
Thyssenkrupp hatte ursprünglich geplant, bis 2032 weiter Rohmaterial aus dem Duisburger Süden zu beziehen. Nun steht fest: Die Lieferungen laufen schon 2028 aus.
Drastischer Stellenabau
Salzgitter hat angekündigt, die Belegschaft auf ein Drittel zusammenzuschrumpfen. Statt wie bislang 3000 sollen ab voraussichtlich 2028 nur noch 1000 Menschen in dem Werk arbeiten. „Die Alternative wäre eine komplette Schließung des integrierten Hüttenwerks in Duisburg gewesen“, teilt der Konzern mit. „Dies ist ein schwerer, aber notwendiger Schritt. Die kommenden Veränderungen werden verantwortungsvoll und grundsätzlich sozialverträglich gestaltet“, sagt Salzgitter-Personalvorständin Birgit Dietze.
Als neues Mitglied der Geschäftführung in dem Duisburger Unternehmen entsendet Salzgitter Andreas Betzler, den Geschäftsführer der Mannesmann Precision Tubes, der Mannesmann Grossrohr und der Mannesmann Line Pipe.
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