Umbau in Duisburg: Salzgitter bestellt größten Elektrolichtbogenofen Deutschlands
Deutschlands Nummer zwei im Stahl rüstet um: Salzgitter lässt am Duisburger HKM-Standort den größten Elektrolichtbogenofen des Landes errichten. Die Anlage soll ab 2029 bis zu 2,5 Mio. t im Jahr erzeugen und den Konzern ein Stück weiter weg vom klassischen Hochofen bringen.
Luftaufnahme des Geländes der ehemaligen Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Hier entsteht Deutschlands größter Elektrolichtbogenofen.
Foto: www.luftbild-blossey.de/Salzgitter AG
Nach der Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) macht Salzgitter Nägel mit Köpfen. Deutschlands Nummer Zwei im Stahl will sowohl das Duisburger HKM-Werk als auch sein Stammwerk für die Zeit nach dem Hochofen transformieren. Kernelement in Duisburg: Salzgitter lässt Deutschlands größten Elektrolichtbogenofen (E-Ofen) bauen.
Inhaltsverzeichnis
Der Zeitplan für den neuen Elektrolichtbogenofen
Der Auftrag geht an den Anlagenbauer Tenova. Der neue Elektrolichtbogenofen soll eine Jahreskapazität von 2,5 Mio. t haben; in der EU gibt es nach Salzgitter-Angaben nur eine größere Anlage. Aktuell gilt die Größenordnung von 2,5 Mio. t als Kapazitätsobergrenze für das Aggregat.
Salzgitter will bereits im August 2026 mit den Vorbereitungen beginnen. Die Inbetriebnahme ist akuell für 2029 geplant.
Diese Rolle spielt der Elektrolichtbogenofen für HKM und Salzgitter
Der E-Ofen ist das Kernstück der künftigen Stahlerzeugung bei HKM in Duisburg. HKM war lange ein Gemeinschaftsunternehmen von Thyssenkrupp, Salzgitter und Vallourec. Im Juli 2026 hat Salzgitter HKM dann vollständig übernommen. Salzgitter ist dabei, seine Standorte zu dekarbonisieren. Im Zuge des Salcos-Programms will der Konzern schrittweise seine Hochöfen abschalten und durch Direktreduktionsanlagen ersetzen. Steinkohle weicht als Reduktionsmittel erst Erdgas und später Wasserstoff.
Parallel will Salzgitter auch seine Stahlwerke umkrempeln. Im Stahlwerk wird aus Roheisen oder DRI (Eisen aus Direktreduktion) Rohstahl gekocht. Salzgitter will hier die klassischen Konverter durch Elektrolichtbogenöfen ersetzt – im Stammwerk wie auch bei HKM im Duisburg. Elektrolichtbogenöfen passen nach Ansicht vieler Unternehmen besser zur Direktreduktionsroute. Diese liefert festes Eisen. Der Elektrolichtbogenofen kann mit festem Eisen beschickt werden – anders als der Konverter, der flüssig beschickt wird.
Das erlaubt Salzgitter auch, flexible Anteile Stahlschrott einzusetzen. Mit hohen Schrottanteilen kann der Stahlkonzern den Carbon Footprint des Stahls gezielt senken.
Technische Details zum Betrieb
- maximale Kapazität: 2,5 Mio. t p.a.
- tatsächlicher geplanter Arbeitspunkt: 2 Mio. t
- Abstichgewicht: 285 t.
Den Titel „größter Elektrolichtbogenofen Deutschlands“ könnten in Zukunft auch andere Öfen für sich beanspruchen. Heutige E-Öfen in der deutschen Stahlindustrie sind deutlich kleiner. Wenn allerdings die großen Hüttenwerke – darunter Thyssenkrupp, die Stahl-Holding-Saar und Salzgitter selbst – auf die Direktreduktion umstellen – kommen in späteren Phasen möglicherweise andere E-Öfen in einer ähnlichen Größenordnung hinzu.
Die Größe der Elektrolichtbogenöfen ist auf die Kapazität der Direktreduktionsanlagen (DR-Anlagen) abgestimmt. Große DR-Anlagen liefern 2,5 Mio. t Eisen pro Jahr.
Das kann der neue Elektrolichtbogenofen
Der neue E-Ofen ist ein sogenannter Conti-Ofen. Ein Förderband beliefert ihn fortwährend mit Stahlschrott – auch das ist Teil des Lieferumfangs von Tenova. Mit der Abgaswärme des Ofens kann Salzgitter den Schrott vor der Beschickung erwärmen. Das steigert die Energieeffizienz.
Salzgitter zufolge hat der Conti-Betrieb auch Vorteile für die Stromnetze. „Gleichzeitig steigert der kontinuierliche Materialeintrag die Produktivität und verbessert die Netzdienlichkeit der Anlage, da im Vergleich zu konventionellen Elektrolichtbogenöfen mit Schrottkorb-Beschickung deutlich geringere Lastspitzen auftreten“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.
Lieferumfang von Tenova:
- Elektrolichtbogenofen
- förderbandgebundene Schrottversorgung
- Ofentransformator zur Bereitstellung der elektrischen Leistung für den Schmelzprozess
- Wasserwirtschaft zur Kühlung von Ofen und Transformator
- Abgasreinigungsanlage zur Erfassung und Reinigung der Prozessgase
Satte Förderungen
Salzgitter finanziert den neuen E-Ofen nicht allein. Im Rahmen des Förderprogramms „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“ subventionieren der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen die Anlage mit 200 Mio. €.
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