Kunststoffe 05.03.1999, 17:20 Uhr

PET schlägt Glas klar

Die 1-l-PET-Mehrweg-Flasche belastet die Umwelt im Durchschnitt nur halb so stark , wie die 0,7-l-Glas-Mehrweg-Flasche. Zu diesem Fazit kommen das Europäische Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung Prognos und das Institut für Energie- und Umweltforschung Ifeu in einer gemeinsam erarbeiteten Ökobilanz.

In neun von zehn analysierten Kriterien schnitt bei einer am 24. Februar in Bonn vorgestellten Ökobilanz die neue Gerolsteiner Mehrweg-Flasche aus Polyethylenterephthalat (PET) besser ab als die in Deutschland bereits lange etablierte Mehrweg-Flasche aus Glas. Laut den Angaben der Gerolsteiner Brunnen GmbH, die die Untersuchung beim Europäischen Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung Prognos in Basel und dem Institut für Energie- und Umweltforschung Ifeu in Heidelberg in Auftrag gegeben hatte, berücksichtigten die Experten der beiden Institute dabei sämtliche Faktoren von der Flaschenherstellung über die Mineralwasser-Distribution bis hin zur Entsorgung.
Um auch eine Entscheidungsgrundlage hinsichtlich der in der Praxis für PET und Glas sehr unterschiedlich gehandhabten Wiederbefüllungen der Mehrweg-Flaschen zu erhalten, war mit variierenden Zahlen gerechnet worden. Alternativ wurde bei der Kunststoff-Flasche mit sieben, zehn und 15 Umläufen gerechnet, während für die Glas-Flasche 30 und 50 Umläufe angesetzt wurden. Bis auf eine Ausnahme (nur beim Indikator der Gewässer-Überdüngung aufgrund von Abwässern, die aus der Produktionskette zur PET-Herstellung resultierten, schnitt das Kunststoffgebinde ungünstiger ab ) gewann das Polymer den ökologischen Wettstreit der Verpackungsmaterialien.

Jedes zweite Coca-Cola-Produkt findet in PET zum Kunden

Dies gilt laut Gerolsteiner für alle in der Analyse zugrundegelegten Umlaufzahlen – selbst bei der ungünstigsten Annahme für die Kunststoff-Flasche von nur sieben Wiederbefüllungen im Vergleich zur günstigsten Annahme für die Glas-Flasche von 50 Umläufen.
Nach Ansicht von Fritz Schröder-Senker zeigt die jetzt veröffentlichte Gerolsteiner Studie, „daß es sich bei dem Werkstoff PET um ein nicht nur verbraucherfreundliches, sondern auch durch seine Umwelteigenschaften überzeugendes Verpackungsmaterial handelt“. Dies, so der Leiter Unternehmenskommunikation der Coca-Cola GmbH, Essen, habe seine Organisation bereits 1990 bewogen, eine PET-Mehrwegflasche flächendeckend im deutschen Markt einzuführen. „1997 wurden bereits über 57 % unserer Produkte in PET-Getränkeverpackungen verkauft“, belegt Schröder-Senker den Erfolg der leichten PET-Gebinde bei den Verbrauchern.
Das Kriterium mit der größten ökologischen Bedeutung in der präsentierten Ökobilanz ist der Beitrag zum Treibhauseffekt, der vor allem durch CO2-Emissionen verursacht wird. An zweiter Stelle wurde der Verbrauch von Energie und Rohstoffen in Form von Kohle, Erdöl und Erdgas, die im wesentlichen bei der Flaschen-Erzeugung und -Distribution eingesetzt werden, genannt. Zu den untersuchten Umweltkriterien zählten darüber hinaus noch der Beitrag zum Photosmog (vor allem im Sommer durch Stickoxid- und Kohlenwasserstoff-Emissionen verursachte Ozonbildung), die Versauerung von Böden und Gewässern sowie die Lärmbelästigung bei der Distribution.
Verantwortlich für die günstigere Ökobilanz der Gerolsteiner PET-Mehrweg-Flasche ist vor allem ihr geringes Gewicht von nur 49 g und dem damit einhergehenden geringen Materialbedarf gegenüber der Glasflasche, die 600 g wiegt. Je Lkw-Fahrt könnten so deutlich größere Getränke- und Leergutmengen transportiert werden als beim Glas-Flascheneinsatz. Der Umweltnutzen: Geringerer Kraftstoffverbrauch, weniger Abgase und weniger Straßenverkehr. Hinzu komme die reduzierte Lärmbelästigung bei der Distribution mit den Kunststoff-Gebinden.
Selbst als nur sieben Umläufe für PET, für Glas dagegen 50 Wiederbefüllungen angenommen worden waren, lag der Energieverbrauch für die neue Kunststoff-Flasche des Brunnenabfüllers um rund 40 % unter dem Ergebnis der Glas-Flasche. Und beim Beitrag zum Treibhauseffekt wurde sogar nur etwa die halbe Umweltbelastung ermittelt. Zum Photosmog trägt die PET-Flasche unter den Gerolsteiner Verteilerbedingungen zu 60 % und bei der Versauerung zu 35 % weniger bei. Erhöht sich die Umlaufzahl der PET-Flasche von sieben auf 15, so schneidet diese je nach Indikator noch einmal um bis zu 20 % besser ab, erklärte das Unternehmen bei der Ökobilanzpräsentation in Bonn.
Der geringe Bedarf an PET-Rohmaterial war eine der entscheidenden Ursachen für die erheblichen Ersparnisse bei den umweltintensiven Prozessen, die zur Flaschenproduktion angewandt werden. Zudem trägt das Recycling der ausgedienten Getränkeflaschen – der so gewonnene Sekundär-Kunststoff kann in der Textilindustrie „frisches“ PET ersetzen – zur guten Ökobilanz bei.
Die Ökobilanzierung für die beiden Werkstoff-Alternativen erfolgte laut den Unternehmensinformationen mit den gleichen methodischen Ansätzen und Grunddaten sowie in Abstimmung mit den noch laufenden Untersuchungen des Umweltbundesamtes, Berlin, und der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), Bonn. Die Analyse wurde nach den Vorgaben der internationalen Normen ISO 14040f durchgeführt. Dazu gehörte auch eine kritische Begleitung durch zwei unabhängige Sachverständige, die Dr. Heinrich Vogelpohl von der Technischen Universität München-Weihenstephan und Dr. Rainer Griesshammer vom Öko-Institut in Freiburg übernommen hatten.
JÜRGEN SIEBENLIST
Nur 49 g wiegt diese PET-Flasche. Damit gewann sie den Ökobilanz-Wettstreit bei Gerolsteiner, denn der Brunnen transportiert seine Produkte bundesweit über größere Entfernungen als der Branchendurchschnitt .

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