Fasern der Agave 26.07.2016, 13:59 Uhr

Ford will Fahrzeugteile aus Tequila-Abfall bauen

Kunststoff aus alten Tequila-Pflanzen? Ford will aus den Abfällen der Agavepflanze, aus der in Mexiko Tequila hergestellt wird, künftig Kunststoffe produzieren. Dazu hat Ford eine Forschungskooperation mit dem weltweit führenden Tequila-Hersteller Jose Cuervo geschlossen. 

Verarbeitung von Agaven zu Tequila: Die Fasern der Agave wurden nach der Tequila-Herstellung bislang kaum genutzt. Jetzt will Ford Kabelbäume und Verkleidungen im Fahrzeuginneren aus Agaven hergestellen. 

Verarbeitung von Agaven zu Tequila: Die Fasern der Agave wurden nach der Tequila-Herstellung bislang kaum genutzt. Jetzt will Ford Kabelbäume und Verkleidungen im Fahrzeuginneren aus Agaven hergestellen. 

Foto: Ford

Tequila-Hersteller wie Jose Cuervo wissen gar nicht wohin mit den riesigen Mengen von Agavefasern, die bei der Herstellung übrig bleiben. Jetzt glauben der Autohersteller Ford und Cuervo die Lösung gefunden zu haben: Beide Unternehmen haben eine Forschungskooperation vereinbart, um Kunststoff aus den Fasern zu gewinnen. Aus dem Kunststoff will Ford Fahrzeugteile herstellen.

Denkbar ist der Einsatz im Fahrzeuginneren sowie für Kabelbäume, Klimatisierung und Ablagen. Nach ersten Tests ist man bei Ford zuversichtlich, dass der neue Verbundkunststoff eine gute Haltbarkeit und auch hohe ästhetische Qualitäten mitbringt.

Ford nutzt viele Pflanzen als Rohstoffe – und CO2

„Wir bei Ford wollen unsere Auswirkungen auf die Umwelt reduzieren“, sagte Debbie Mielewski, Senior Technical Leader, Substainability Research Department bei Ford. „Als führendes Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit entwickeln wir neue Technologien, um Materialien und Fasern aus Abfällen effizient einzusetzen – und damit die Verwendung von Erdöl basierten Erzeugnissen nach Möglichkeit zu verringern und unsere Fahrzeuge leichter zu machen, Kraftstoffe zu sparen.“

Agavenernte in Mexiko für den Tequila-Hersteller Jose Cuervo: Werden die Blätter der Agave abgeschlagen, bleibt der Stamm übrig, Cabeza oder Piña genannt. Er enthält den dicken, süßen Agavensaft, aus dem auch Tequila gewonnen wird. Aus den Abfallstoffen der Tequila-Produktion will Ford nun Kunststoffe herstellen, um sie im Innenraum von Ford-Modellen einzusetzen.

Agavenernte in Mexiko für den Tequila-Hersteller Jose Cuervo: Werden die Blätter der Agave abgeschlagen, bleibt der Stamm übrig, Cabeza oder Piña genannt. Er enthält den dicken, süßen Agavensaft, aus dem auch Tequila gewonnen wird. Aus den Abfallstoffen der Tequila-Produktion will Ford nun Kunststoffe herstellen, um sie im Innenraum von Ford-Modellen einzusetzen.

Foto: Ford

Bereits vor 16 Jahren begann Ford die Verwendung von nachhaltigen Materialien im Fahrzeugbau zu erforschen. Aktuell kommen insgesamt acht verschiedene Biomaterialien in Ford-Modellen zum Einsatz: Sojaschaum, Rizinusöl, Weizenstroh, Kenaffasern, Cellulose, Holz, Kokosfasern und Reiskornschalen. „Bei einem Auto werden heutzutage fast 200 Kilogramm Kunststoff verbaut“, so Mielewski. „Unsere Aufgabe ist es, eine geeignete Verwendung für Biomaterialien wie etwa Agavefaser zu finden, um die Umwelt sinnvoll zu entlasten.“

Neuerdings will Ford sogar Schaumstoff aus CO2 herstellen. Das Klimagas eignet sich nämlich sehr gut als Rohstoff und Kohlenstoffersatz. Bislang wird Schaumstoff aus dem Rohstoff Erdöl produziert, künftig aus CO2. Das Verfahren hatte Ford erst kürzlich vorgestellt.

Agave muss sieben Jahre wachsen

Es braucht ein Weilchen, bis eine Agavepflanze zu Tequila aufgewertet wird. Der Wachstumszyklus einer Agave erstreckt sich über mindestens sieben Jahre. Erst dann werden die Bestandteile der Pflanze nach der Ernte geröstet, anschließend werden die Pflanzensäfte extrahiert und destilliert.

Die Fasern der Agave eignen sich offenbar zur Herstellung von Kunststoffen. Das haben erste Tests bei Ford ergeben. Deshalb hat der Autohersteller eine Kooperation mit dem größten Tequila-Hersteller der Welt abgeschlossen.

Die Fasern der Agave eignen sich offenbar zur Herstellung von Kunststoffen. Das haben erste Tests bei Ford ergeben. Deshalb hat der Autohersteller eine Kooperation mit dem größten Tequila-Hersteller der Welt abgeschlossen.

Foto: Ford

Das auch heute noch familiengeführte Unternehmen Jose Cuervo hat eine Menge Expertise in der Destillation von Tequila, immerhin werden seit 1795 Erfahrung, handwerkliches Können und die Rezepturen von Generation zu Generation weitergegeben.

Aber für eine sinnvolle Verwendung des Abfalls aus der Tequilaherstellung haben sie bei Jose Cuervo bisher keine guten Ideen gehabt. Ein kleiner Teil der verbleibenden Agavefasern nutzt das Unternehmen als Kompost für die Algavefarmen. Ein paar Fasern nutzen lokale Handwerker zur Fertigung von Kunstgegenständen oder Papier. Das war’s.

Wir kultivieren Millionen von Agavepflanzen“

„Wir von Jose Cuervo sind stolz auf die Zusammenarbeit mit Ford, denn wir möchten unseren Plan bezüglich einer nachhaltigen Nutzung der Agave ausbauen“, sagte Sonja Espinola, Director of Heritage bei Cuervo. „Wir haben uns zum weltweit führenden Tequila-Produzenten entwickelt und wir kultivieren Millionen von Agavepflanzen. Die Kooperation von zwei großen Unternehmen bietet spannende Perspektiven bei der Entwicklung von innovativen und umweltfreundlichen Materialien.“

Wenn man es nicht wüsste ...: Das ist ein Kunststoffteil, herstellt aus Agavefasern.

Wenn man es nicht wüsste …: Das ist ein Kunststoffteil, herstellt aus Agavefasern.

Foto: Ford

Jährlich 5 Milliarden Tonnen an Biomasse

Rund um den Globus entstehen jährlich rund 5 Milliarden Tonnen an Biomasse in Form von Abfällen und landwirtschaftlichen Nebenprodukten. Genutzt wird davon kaum etwas. Obwohl Biomasse oft recht einfach und kostengünstig verwertet werden könnte, sind die Potenziale für die Nutzung längst nicht ausgeschöpft. Die Kooperation zwischen Ford und Jose Cuervo ist da ein guter Ansatz.

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