Wiederbelebung stillgelegter Minen 03.04.2014, 12:45 Uhr

Europa nimmt bei Wolfram-Produktion wieder Fahrt auf

In Spanien, Großbritannien und anderen europäischen Ländern bemühen sich Unternehmen um die Wiederbelebung stillgelegter Wolfram-Minen. Sie wollen damit den Markt für das Schwermetall stabilisieren, das Stahlprodukten die gewünschte Härte gibt. Denn Hauptlieferant China exportiert immer weniger Wolfram zu immer höheren Preisen. 

Ein Bergmann montiert im Salzbergwerk in Stetten bei Haigerlich im Zollernalbkreis einen Bohrer auf eine Maschine. Mitte 2015 dürfte in Europa auch Wolfram wieder in großem Stil abgebaut werden. 

Ein Bergmann montiert im Salzbergwerk in Stetten bei Haigerlich im Zollernalbkreis einen Bohrer auf eine Maschine. Mitte 2015 dürfte in Europa auch Wolfram wieder in großem Stil abgebaut werden. 

Foto: dpa/Patrick Seeger

Der Preis für das Edelstahl-Legierungsmetall Wolfram steigt stetig. Derzeit kostet Wolfram in Europa rund 35 US-Dollar je Kilogramm. 85 Prozent des weltweit benötigten Wolframs kommen aus der Volksrepublik China, die einerseits den Preis kontinuierlich erhöht – beispielsweise durch eine Exportsteuer von 20 Prozent. Andererseits ist sie bemüht, Wolfram weniger als Metall zu exportieren, sondern vermehrt in Form von Legierungen.

Neben China bauen auch Russland, Vietnam und Kanada Wolfram ab. In bescheidenem Umfang geschieht dies auch in Österreich. Zum Preisauftrieb trägt auch bei, dass die EU wie schon zuvor die Vereinigten Staaten die Einfuhr aus einigen Militärdiktaturen, vor allem in Afrika, weitgehend verboten hat.

Angesichts der wachsenden Nachfrage und der Knappheit am Markt rentiert sich inzwischen wieder der Wolfram-Bergbau in Europa. Mehrere Länder hatten früher Wolfram produziert. Die Kosten waren dann aber in Relation zum Marktpreis zu hoch gestiegen, so dass der Bergbau eingestellt wurde.

Stillgelegte Minen in Europa würden sich wieder rentieren

Inzwischen hat der Marktpreis aber ein Niveau erreicht, das fast beim Dreifachen der erwarteten Produktionskosten in neuen europäischen Minen liegt. Mitte 2015 dürfte deswegen Wolfram erstmals wieder in Europa in größerem Stil abgebaut werden. In mehreren europäischen Ländern gibt es derzeit neue Minen-Projekte. Das Schwermetall ist am Weltmarkt inzwischen so knapp, dass einzelne Abnehmer die Investitionskosten für neue Minen vorschießen.

Das britische Bergbauunternehmen Wolf Minerals beispielsweise will Mitte nächsten Jahres in Hemerdon bei Plymouth eine stillgelegte alte Mine wieder betreiben. Das Unternehmen hat dafür 145 Millionen Euro von verschiedenen Interessenten bekommen. In Hemerdon sollen dann jährlich 3450 Tonnen Wolframtrioxid produziert werden. Das ist mehr als beispielsweise Russland oder Kanada insgesamt im Jahr erzeugen.

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Das irische Unternehmen Ormonde Mining bereitet gegenwärtig die Wiederaufnahme des Betriebs in einer alten spanischen Mine vor. Dort sollen jährlich 2270 Tonnen Wolframtrioxid produziert werden. Die Investitionskosten in Spanien belaufen sich auf 48,5 Millionen Euro. Ein anonymer Abnehmer hat zugesagt, die gesamte spanische Produktion von Ormonde Mining über fünf Jahre abzunehmen.

Wenigstens drei weitere Minenprojekte werden derzeit in Europa vorbereitet. Am weitesten sind die Planungen derzeit in Portugal fortgeschritten.

Trotz neuer Kapazitäten aber wohl kaum Preisrückgänge

Die neuen Kapazitäten in Europa werden allerdings keinen Preisrückgang für Wolfram auslösen. Bestenfalls werden sich die Preise auf dem heutigen Niveau stabilisieren. Das britische Consultingunternehmen Tungsten Market Research geht davon aus, dass in Zukunft der Wolfram-Bedarf jährlich um etwa 4000 Tonnen steigt.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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