Kohle 09.11.2012, 19:55 Uhr

Europa ist inzwischen bester Kunde der US-Kohleexporteure

Den großen Kohleförderern in den USA geht es schlecht. Denn dort hat der Boom bei Schiefergas nicht nur die Preise für Kraftwerkskohle in den Keller gedrückt, sondern diesen einst „Schwarzes Gold“ genannten Brennstoff sogar vielerorts ganz aus der Stromerzeugung verdrängt. Der Trend in Amerika geht ganz klar in Richtung billigerer Gaskraftwerke. Der einzige Lichtblick für die US-Kohleförderer und damit auch die Kumpel im US-Kohlegürtel ist derzeit der Export, vor allem nach Europa.

Europa importiert Kohle.

Europa importiert Kohle.

Foto: ccvision.de

Die Kohleförderer in den USA stehen unter Druck: Die Kohle und die US-Stromerzeuger, eine lange Zeit kaum zu trennende Allianz, fremdeln. Die New York Times schätzt, dass in den nächsten Jahren wohl 100 der 500 Kohlekraftwerke in den USA schließen werden. Weil Gas billiger ist und strengere Emissionsrichtlinien der Obama-Administration die Umrüstung älterer Kraftwerke erfordern, diese aber dadurch unrentabel würden. Dann, so das Kalkül der Stromversorger, setzt man doch besser gleich auf moderne Gaskraftwerke.

Im Präsidentschaftswahlkampf setzten die Kohlereviere – traditionell – auf die Republikaner und deren Kandidat Mitt Romney. Im täglichen Geschäft setzen die Kohleförderer auf den Export. Im ersten Halbjahr 2012 sind die Ausfuhren der USA um 24 % auf ca. 60 Mio. t Kohle gestiegen. Das entspricht rund 13 % der gesamten Kohleförderung in den USA. Am steilsten stieg die Ausfuhr von Kraftwerkskohle: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 mit 18,6 Mio. t haben die Bergbaukonzerne im ersten Halbjahr 2012 mit 28,5 Mio. t knapp 10 Mio. t mehr Kraftwerks-
kohle exportiert.

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Der Export metallurgischer Kohle, vor allem der Kokskohle für die Stahlindustrie, ist mit jetzt 37,7 Mio. t immer noch der größere Posten. Er hat sich allerdings gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 nur um 2,7 Mio. t erhöht. Wegen der Stahlkrise in weiten Teilen der westlichen Welt und schwächerer Nachfrage Chinas sind überdies die Exportpreise für Kokskohle in den Keller gerutscht.

Noch tiefer sind seit den Höchstwerten im Frühjahr 2011 die Kurse der Kohleförderer an den US-Aktienbörsen gefallen: Die Papiere von US-Branchenführer Peabody Energy haben 69 % an Wert verloren, der Kurs der Arch-Coal-Aktie ist um 82 % gefallen, Alpha Natural Resources gab um 89 % nach. Aktien von Walter Energy notieren 76 % niedriger.

Etwas glimpflicher mit einem Kursverlust von 43 % kam die früher via Rheinbraun zum Essener Energiekonzern RWE zählende Consol Energy davon. Dagegen hat die von Peabody ausgegliederte Patriot Coal Konkurs anmelden müssen.

Doch die Probleme der US-Kohleförderer sind nicht nur das billigere Schiefergas, sondern auch hausgemacht. Der wilde Kaufrausch von 2010 und 2011 hat die Kassen der Bergbaukonzerne geleert, aber nicht viel an guter Substanz gebracht, im Gegenteil. In vielen Fällen ist der Wert der neuen Töchter weit unter den Kaufpreis gesunken.

Das gilt für die von Peabody in Australien gekaufte Macarthur Coal ebenso wie für die bei Alpha Natural Resources gelandete Massey Energy, die von Arch gekaufte International Coal Group und die von Walter übernommene kanadische Western Coal. Ihre neuen Besitzer können nur hoffen, dass die Nachfrage nach Kohle in Kontinentaleuropa hoch bleibt und China bald als Käufer an den Markt zurückkehrt.

Im ersten Quartal 2012 gingen von 28,8 Mio. t aus den USA exportierter Kohle 16,4 Mio. t nach Europa. Asien hat – einschließlich China – mit 7 Mio. t US-Kohle weniger als die Hälfte des europäischen Volumens importiert. Von der Importkohle nach Europa gingen 2,5 Mio. t nach Italien, 2,1 Mio. t nach Großbritannien und der größte Teil mit 3,9 Mio. t in die Niederlande.

Die letztere Zahl trügt allerdings. Denn der Löwenanteil der in Rotterdam ankommenden Kohle geht über die Rheinschiene per Binnenschiff weiter nach Deutschland, Belgien und Frankreich. Denn in Deutschland stagniert der Einsatz von Gas in Kraftwerken. Große Versorger wie allen voran RWE nutzen neben ihrer eigenen Braunkohle Importkohle zur Stromerzeugung.

In Großbritannien sank der Gaseinsatz in Kraftwerken sogar. Im ersten Halbjahr 2012 nutzten die britischen Energieversorger, darunter die E.on UK, die von E.on gekaufte frühere Powergen und RWE Innogy, nur rund 37 % der Kapazität ihrer Gaskraftwerke. Dagegen verstromten sie 28 % oder 7 Mio. t mehr Kohle.

Solange der Preisunterschied in Europa zwischen Gas und Kohle so hoch bleibt, dürfte sich daran auch wenig ändern – Klimadiskussion hin oder her. Die Deutsche Bank hat in ihrer jüngsten Marktstudie berechnet, dass Gaskraftwerke einen negativen Ertrag von 5 €/MW bringen, sich mit Kohlekraftwerken aber im Schnitt 8 €/MW verdienen lassen. Kein Wunder, dass Kohlekraftwerke noch lange nicht ausgemustert sind. KATHARINA OTZEN

 

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