Zerfällt Europas Zukunftsjäger? 10.02.2026, 10:37 Uhr

Zwei Jets statt einer Vision: Wohin steuert das FCAS-Projekt?

Zwei Kampfjets, eine Combat Cloud: Warum das FCAS-Projekt vor einem grundlegenden Kurswechsel steht.

Modell des NGF Future Combat Air System (FCAS) von Dassault Aviation, Airbus und Indra Sistemas, ausgestellt auf der Paris Air Show

Stillstand beim FCAS: Deutschland und Frankreich diskutieren über zwei getrennte Fighter als Ausweg aus der Blockade.

Foto: picture alliance / Visually | VDWI Aviation

Das europäische Luftkampfsystem FCAS steckt fest. Seit Ende 2025 haben Deutschland und Frankreich die Entscheidung über die Zukunft des Projekts erneut vertagt , diesmal ohne klaren Zeithorizont. Hinter den Kulissen wächst jedoch eine Alternative heran, die lange als Tabubruch galt: Statt eines gemeinsamen neuen Kampfjets könnten zwei unterschiedliche Flugzeuge entstehen, verbunden über eine gemeinsame digitale Infrastruktur.

FCAS, das Future Combat Air System, war ursprünglich als integriertes System gedacht. Ein bemanntes Kampfflugzeug der nächsten Generation sollte gemeinsam mit unbemannten Begleitdrohnen und einer vernetzten Datenplattform, der sogenannten Combat Cloud, ab 2040 den Eurofighter bei der Bundeswehr und die Rafale in Frankreich ablösen. Heute steht vor allem der Kern dieses Plans infrage.

Industriepolitischer Stillstand als Auslöser

Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist ein seit Jahren schwelender Konflikt zwischen den beteiligten Unternehmen. Vor allem die Arbeitsaufteilung zwischen Airbus und Dassault sorgte für Blockaden. Frankreich pochte zeitweise auf einen dominierenden Anteil bei der Entwicklung des Kampfflugzeugs, was Berlin ablehnte. Auch der spanische Partner Indra Sistemas blieb davon nicht unberührt.

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Das Ergebnis: ein industriepolitisches Patt. Zeitpläne gerieten ins Rutschen, Entscheidungen wurden verschoben. Für ein Projekt mit geschätzten Gesamtkosten im dreistelligen Milliardenbereich ist das ein hohes Risiko.

Die Zwei-Flugzeuge-Lösung gewinnt Rückhalt

Vor diesem Hintergrund sprechen sich nun zentrale Akteure offen für einen Kurswechsel aus. Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie unterstützt die Idee, künftig zwei nationale Kampfjets zu entwickeln, die über eine gemeinsame Combat Cloud vernetzt werden.

BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn formuliert das bewusst als Weiterentwicklung: „Eine Zwei-Flugzeuge-Lösung ist kein Scheitern, sondern das Erwachsenwerden von FCAS.“ Sie argumentiert, dass nationale Schwerpunkte so besser berücksichtigt werden könnten und Kooperation dort stattfinde, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Auch die IG Metall signalisiert Zustimmung – unter einer klaren Bedingung. Es gehe darum, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland abzusichern. Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft, betont: „Wenn Steuergelder eingesetzt werden, muss ein fairer Anteil der industriellen Arbeit und der Arbeitsplätze hierzulande entstehen.“

Combat Cloud als gemeinsamer Nenner

Bemerkenswert ist, dass die Abkehr vom gemeinsamen Flugzeug nicht das Ende der Zusammenarbeit bedeuten soll. Im Gegenteil. Gerade die digitalen Elemente von FCAS gelten als prädestiniert für eine gemeinsame Entwicklung. Die Combat Cloud soll Sensoren, Waffensysteme und Plattformen in Echtzeit vernetzen. Auch die unbemannten Begleitdrohnen könnten weiterhin gemeinsam konzipiert werden.

Damit würde sich FCAS stärker zu einem modularen System entwickeln. Unterschiedliche Flugzeuge, angepasst an nationale Anforderungen, greifen auf eine gemeinsame digitale Infrastruktur zurück. Befürwortende sehen darin mehr Flexibilität und weniger Reibungsverluste.

Politische Signale aus Berlin und Paris

Politisch deutet vieles darauf hin, dass diese Option ernsthaft geprüft wird. Berichten zufolge erwartet die Bundesregierung bis Ende Februar 2026 eine finale Klärung von französischer Seite. Bundeskanzler Friedrich Merz soll intern bereits erklärt haben, dass es keinen gemeinsamen Kampfjet mehr geben werde. Stattdessen laufe alles auf zwei unterschiedliche Systeme hinaus.

Das wäre eine deutliche Abkehr vom ursprünglichen Symbolprojekt, das 2017 von Angela Merkel und Emmanuel Macron gestartet wurde. Damals stand die Idee einer engen deutsch-französischen Rüstungskooperation im Vordergrund. Heute rücken nationale industriepolitische Interessen stärker in den Fokus.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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