Anzahl der Patente 28.05.2025, 12:30 Uhr

Zukunft der E-Auto-Batterien: Europa verliert den Anschluss

Asien investiert in Batterien der Zukunft. Europa droht zurückzubleiben. Eine Analyse der Patente zeigt, wie groß der Rückstand bereits ist.

Batterieherstellung

Was die Entwicklung neuer Batterietechnlogien angeht, hinken Europa und die USA Asien weit hinterher.

Foto: PantherMedia / SoundOfSunset (YAYMicro)

Die Elektromobilität verändert den Autosektor grundlegend – und mit ihr die Bedeutung der Batterie. Es geht längst nicht mehr nur um Reichweite oder Ladezeiten. Es geht um wirtschaftliche Souveränität, technologische Vorherrschaft und globale Abhängigkeiten. Eine aktuelle Studie der Universitäten Münster und Cambridge sowie des Fraunhofer FFB zeigt: Im Rennen um die Batterie der nächsten Generation droht Europa deutlich zurückzufallen.

Globale Kräfteverschiebung in der Batterietechnik

Über 32.000 Patentfamilien zu sechs vielversprechenden Batterietechnologien haben die Forschenden analysiert. Darunter: Festkörperbatterien, Lithium-Luft-Zellen oder Natrium-Ionen-Akkus. Ergänzend wurden mehr als 17.000 Patente zu heutigen Lithium-Ionen-Batterien ausgewertet.

Das Ergebnis: China dominiert nicht nur quantitativ – es baut seinen Einfluss gezielt aus. Fast 60 % aller Patente zu kostengünstigen Alternativen wie Natrium-Ionen-Zellen stammen aus dem Reich der Mitte. Inzwischen investiert China auch massiv in Zellchemien für High-End-Anwendungen.

China: Masse schafft Einfluss

Chinas Strategie basiert auf Skalierung. Unterstützt durch staatliche Förderprogramme und den riesigen Binnenmarkt, deckt das Land beide Seiten des Markts ab: günstige Lösungen für Massenmobilität ebenso wie leistungsstarke Batterien mit hoher Energiedichte. Die Qualität einzelner Patente mag schwanken – doch die Menge sichert Einfluss auf Standards, Lieferketten und Produktionsnetzwerke.

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Japan und Südkorea: Zwischen Qualität und Balance

Japan bleibt trotz sinkender Patentzahlen ein Vorreiter bei Festkörperzellen. Hier führen japanische Unternehmen bei der Patentqualität. Allerdings schwächelt die Innovationsdynamik. Die Zahl neuer Entwicklungen bei alternativen Technologien wie Natrium- oder Metall-Ionen-Batterien sinkt.

Südkorea hingegen zeigt sich stabiler. Es investiert gleichermaßen in High-End-Technologien und günstigere Alternativen. Ein Land mit ausgewogener Innovationsstrategie – das belegen sowohl Patentmenge als auch -qualität über verschiedene Zelltypen hinweg.

USA und Europa: Auf Qualität fokussiert, aber zu zögerlich

In Europa und den USA liegt der Schwerpunkt weiterhin auf bekannten Lithium-Ionen-Technologien – vor allem auf deren Optimierung. Zwar entstehen vereinzelt hochwertige Patente, doch sowohl Menge als auch technologische Vielfalt bleiben begrenzt. Nur 3 % aller Patente zu Zukunftsbatterien stammen aus der EU.

In den USA zeigt der Inflation Reduction Act Wirkung. Es gibt neue Initiativen, doch der Rückstand zu Asien wächst. Noch gravierender ist die Lage in Europa. Hier fehlen klare Schwerpunkte und strategische Allianzen mit internationalen Partnern.

Was sind NMIBs?
Neue Metall-Ionen-Batterien (New Metal-Ion Batteries) nutzen Metalle wie Magnesium, Zink oder Aluminium statt Lithium. Sie gelten als günstiger und nachhaltiger – und sind vor allem für Märkte mit begrenztem Zugang zu Lithium interessant.

 

Zwei Wege – und Europa bleibt am Rand

Die Studienautor:innen sehen zwei technologische Entwicklungslinien:

  • Batterien mit hoher Energiedichte, wie Festkörper-, Schwefel- oder Lithium-Luft-Zellen.
  • Günstige Alternativen wie Natrium- oder neue Metall-Ionen-Batterien.

Während asiatische Länder beide Pfade strategisch fördern, fokussieren sich Europa und die USA auf inkrementelle Verbesserungen. Das reicht mittelfristig nicht aus, um eine führende Rolle zu behaupten – weder wirtschaftlich noch politisch.

Was jetzt nötig ist

Wer die Batterietechnik der Zukunft gestalten will, muss heute investieren. Doch nicht nur in Forschung – auch in Fertigung, Förderung und internationale Zusammenarbeit. Prof. Dr. Stephan von Delft von der Universität Münster betont: „Europa und die USA sollten ihre Investitionen in zukünftige Batteriewertschöpfungsketten jetzt zügig hochfahren und den Wissens- und Technologietransfer mit führenden Batterieentwicklern und -herstellern aus Asien fördern.“

Der Erstautor der Studie, André Hemmelder, ergänzt: „Zusammen geben Patentdaten und Innovationsstrategien Aufschluss über die geopolitische Positionierung einzelner Länder bei zukünftigen Batterietechnologien.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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