Viele Tote in Spanien 19.01.2026, 08:36 Uhr

Tragödie bei Córdoba: Rätsel um entgleisten Iryo-Zug

Bahnunglück zwischen Málaga und Madrid: 39 Tote, über 70 Verletzte, Hochgeschwindigkeitsverkehr gestoppt, Ermittlungen laufen.

Iryo Hochgeschwindigkeitszug

Ein Iryo Hochgeschwindigkeitszug im Bahnhof von Madrid. Eigentlich gelten die Züge als sicher, jetzt ist einer aus noch unbekannten Gründen entgleist.

Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz gilt in der Branche als Vorzeigeprojekt für moderne Infrastruktur. Doch ein schweres Unglück am Sonntagabend erschüttert dieses Bild. In der Nähe der Ortschaft Adamuz, unweit von Córdoba, kam es zu einer folgenschweren Kollision zweier Züge. Die Behörden melden eine steigende Zahl an Opfern. Während erste Berichte von 24 Toten sprachen, korrigierten staatliche Stellen die Zahl mittlerweile auf mindestens 39 Todesopfer. Etwa 75 Personen erlitten Verletzungen, 15 davon schwere.


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Wie es zum Unfall kam

Der verunglückte Iryo-Hochgeschwindigkeitszug war auf dem Weg von Málaga nach Madrid, als er kurz nach 19:39 Uhr Ortszeit entgleiste. Der hintere Zugteil verließ die Schienen, überfuhr ein Nachbargleis und kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Gesellschaft Renfe. Infolge des Aufpralls entgleisten auch die ersten beiden Waggons des Renfe-Zuges und stürzten eine Böschung hinunter.

Die genaue Ursache des Unfalls ist noch nicht bekannt. Spaniens Verkehrsminister bezeichnete den Vorfall als „äußerst seltsam“, weil er sich auf einem geraden und erst im Mai 2025 erneuerten Streckenabschnitt ereignet habe, der nach Behördenangaben zuvor in einwandfreiem Zustand gewesen sei. Der betroffene Iryo-Zug war zudem weniger als vier Jahre alt und damit technisch nicht veraltet.

Technische und operative Hintergründe

Iryo ist ein privater Betreiber im spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz und setzt im Wesentlichen Frecciarossa-1000-Züge ein. Diese Züge erreichen regulär Geschwindigkeiten bis etwa 300 km/h und gelten im Alltag als zuverlässig. Auch der Renfe-Zug war ein moderner Hochgeschwindigkeitszug.

Das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz ist hinter dem chinesischen das zweitlängste der Welt und gilt insgesamt als sicher. Dennoch zeigen historische Unfälle, wie der schwere Eisenbahnunfall von Santiago de Compostela 2013, dass auch Hochgeschwindigkeitsverkehr Risiken birgt, wenn technische oder operative Fehler auftreten.

Weichenfehler, Signalproblem oder Systemausfall?

Aus technischen Daten geht hervor, dass an der Unfallstelle ein sogenannter Wechselbetrieb – also das Querfahren über Weichen – stattfand, als der Iryo-Zug entgleiste. Solche Weichenmanöver gehören zu den komplexeren Teilen der Infrastruktur und erfordern höchste Präzision in Wartung und Steuerung. Die Ermittler werden unter anderem prüfen, ob ein Weichenfehler, Signalproblem oder ein Systemausfall an Bord beteiligt war.

Rettungskräfte und Hinterbliebene

Rettungskräfte und Hinterbliebene im Bahnhof von Huelva.

Foto: picture alliance / abaca | Europa Press/ABACA

Schwierige Bergung im Trümmerfeld

Die Rettungskräfte standen vor einer komplexen Aufgabe. Da sich der Unfall in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignete, erreichten Helfende die Unglücksstelle nur unter erschwerten Bedingungen. „Die Lage an der Unglücksstelle ist sehr ernst“, erklärte Antonio Sanz, der regionale Gesundheitsminister der Provinz Andalusien.

Feuerwehrleute arbeiteten die gesamte Nacht hindurch, um Eingeklemmte aus den deformierten Metallmassen zu befreien. Bilder zeigen Reisende, die durch eingeschlagene Fenster aus den schräg liegenden Waggons kletterten. Unter den Verstorbenen befindet sich auch einer der Lokführer. Die regionale Leiterin des Zivilschutzes, María Belén Moya Rojas, betonte gegenüber dem Sender Canal Sur die schwierige Zugänglichkeit des Geländes.

Infrastruktur wurde gerade erst überprüft

Für Fachleute wirft das Unglück viele Fragen auf. Die Strecke befindet sich auf einem geraden und ebenen Abschnitt. Erst im Mai 2025 schlossen Fachleute umfassende Sanierungsarbeiten an diesem Teilstück ab. Rund 700 Millionen Euro flossen in die Instandsetzung. Verkehrsminister Óscar Puente äußerte sich skeptisch zur Unfallursache: „Ich kann keine Angaben zu den Ursachen machen, da diese derzeit noch nicht bekannt sind.“ Er fügte hinzu, dass Experten den Vorfall als „äußerst seltsam“ bewerten.

Auch der beteiligte Iryo-Zug ist mit etwa vier Jahren Standzeit technisch modern. Diese Züge erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte klare Sicht. Die Suche nach dem Fehler in der Leit- und Sicherungstechnik oder einem mechanischen Defekt an der Weiche läuft auf Hochtouren.

Regionalpräsident Juanma Moreno zeigte sich tief betroffen von der Situation vor Ort. Mit Blick auf die komplizierten Räumungsarbeiten sagte er: „Ich schließe nicht aus, dass in den Trümmerhaufen aus Metall weitere Leichen liegen könnten.“ Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte den Betroffenen schnelle Unterstützung zu und erklärte via X: „Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land.“ Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien bleibt vorerst eingestellt.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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