Manipulationsvorwurf 18.04.2025, 21:44 Uhr

Tesla verklagt: Laufen die Kilometerzähler zu schnell?

Tesla unter Manipulationsverdacht: Angeblich laufen Kilometerzähler schneller – mit Folgen für Garantie und Reparaturkosten.

Tesla 3 Cockpit

Tesla wurde in den USA verklagt, weil die Kilometerzähler angeblich zu schnell laufen.

Foto: Panthermedia / vadishzainer@gmail.com

In den USA sieht sich Tesla mit einem neuen juristischen Problem konfrontiert. Der Elektroautohersteller muss sich gegen den Vorwurf verteidigen, Kilometerzähler manipuliert zu haben. Der Kern der Klage: Fahrzeuge sollen mehr Kilometer anzeigen, als tatsächlich gefahren wurden. Damit laufen Garantiezeiten schneller ab – was für Kundinnen und Kunden teuer werden kann.

Der Vorwurf: Kilometerzähler zeigen zu viel an

Die Klage wurde in Kalifornien eingereicht. Sie basiert auf Aussagen mehrerer Tesla-Fahrerinnen und -Fahrer, die auffällige Abweichungen bei den angezeigten Kilometerständen bemerkt haben. Ein zentraler Kläger ist Nyree Hinton aus Los Angeles. Er hatte Ende 2022 ein zwei Jahre altes Tesla Model Y erworben. Damals zeigte das Fahrzeug bereits rund 38.000 Meilen (etwa 61.000 km) an.

Hinton fiel auf, dass der Kilometerzähler offenbar rund 15 % mehr Strecke registrierte, als tatsächlich gefahren wurde. Zeitweise sogar noch mehr. Konkret berichtet er: „Das Auto zeigte mir 72 Meilen an, obwohl ich nur 20 Meilen unterwegs war.“ Diese Differenz habe dazu geführt, dass die Garantiegrenze von 50.000 Meilen früher erreicht worden sei – Reparaturen musste er aus eigener Tasche bezahlen.

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Garantie läuft schneller ab – Kundschaft zahlt

In der Klageschrift heißt es wörtlich: „Indem Tesla die Garantie- und Leasingkilometergrenzen an überhöhte Kilometerstände bindet, steigert das Unternehmen seine Reparatureinnahmen, reduziert die Garantieverpflichtungen und zwingt die Verbraucher, vorzeitig verlängerte Garantien zu kaufen.“

Das bedeutet: Je mehr Kilometer ein Fahrzeug laut Anzeige zurückgelegt hat, desto eher endet die Herstellergarantie. Kundinnen und Kunden müssten dann entweder kostenpflichtige Zusatzversicherungen abschließen oder für Reparaturen selbst aufkommen. Laut der Klage betrifft dieses Vorgehen potenziell über eine Million Fahrzeuge.

Wie misst Tesla die Kilometer überhaupt?

Ein klassischer Kilometerzähler misst mithilfe von Sensoren an den Rädern die tatsächlich gefahrene Strecke. Bei Tesla scheint das anders zu funktionieren. Laut der Klageschrift nutzen die Fahrzeuge ein System, das unter anderem den Energieverbrauch und das Fahrverhalten in die Berechnung der Strecke einbezieht. Der genaue Algorithmus ist nicht öffentlich bekannt.

Diese Methode könnte zu systematischen Abweichungen führen. Wenn der Stromverbrauch höher ausfällt – etwa durch sportliches Fahren oder starke Klimaanlagennutzung – könnte das System fälschlich annehmen, dass längere Strecken zurückgelegt wurden.

Tesla weist die Vorwürfe zurück

Auf die Klage selbst hat Tesla bislang nicht öffentlich reagiert. Das Unternehmen unterhält seit einiger Zeit keine eigene Presseabteilung mehr. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Tesla allerdings, dass man alle wesentlichen Vorwürfe bestreite.

Ob und wie der Fall vor Gericht weitergeht, bleibt offen. Der Ausgang könnte Signalwirkung haben – nicht nur für Tesla, sondern auch für andere Hersteller, die ähnliche Messmethoden nutzen.

Was bedeutet das für Tesla-Fahrerinnen und -Fahrer?

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, könnten viele Besitzerinnen und Besitzer von Tesla-Fahrzeugen Anspruch auf Schadensersatz haben. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie transparent die Kilometerzählung in modernen Fahrzeugen überhaupt ist. Denn: Wenn ein Algorithmus statt eines einfachen mechanischen Zählwerks über gefahrene Strecken entscheidet, braucht es Vertrauen – oder unabhängige Kontrollmöglichkeiten.

Für Ingenieurinnen und Ingenieure sowie technikinteressierte Leserinnen und Leser stellt sich auch eine grundsätzliche Frage: Wie zuverlässig sind softwarebasierte Systeme in sicherheits- und kostenrelevanten Bereichen? Und wie können Algorithmen in der Fahrzeugtechnik überprüft oder validiert werden?

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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