Digitale Koffertags 15.07.2019, 14:00 Uhr

Gepäckverlust: Airline setzt auf RFID-Technologie

Der Informationstechnologiekonzern Vanguard ID Systems entwickelt einen sogenannten „ViewTag“. Ein RFID-Kofferanhänger, der dafür sorgen soll, in erster Linie den Gepäckverlust bei Flugreisen zu minimieren. In Kooperation mit der Fluggesellschaft British Airways können Passagiere diese Technologie bereits nutzen und sogar Zeit beim Einchecken sparen.

Koffer gestapelt vor einem Fenster. Dort steigt im Hintergrund ein Flugzeug hoch

Der RFID-Kofferanhänger minimiert den Gepäckverlust.

Foto: panthermedia.net/peshkova

Gerade jetzt, pünktlich zur Urlaubszeit, machen sich viele Fluggäste Gedanken darüber, ob die eigenen Koffer den Zielort erreichen. Diese Unsicherheit kommt nicht von ungefähr. Zahlen verraten nämlich, dass verlorenes Gepäck ein sehr großes Problem für Fluggesellschaften und Passagiere darstellt. 2017 wurden 22 Millionen Gepäckstücke fehlgeleitet oder sind auf ominöse Weise verschwunden. Bei etwa 3,77 Milliarden Fluggästen weltweit, entspricht das in etwa 6 Gepäckstücken auf 1.000 Passagiere. Besonders bei Anschlussflügen ist das Risiko laut dem Technologiekonzern Sita sehr hoch. Aus dem Informationstechnologieunternehmen Vanguard ID Systems entwickelte sich das Tochterunternehmen ViewTag LLC., das denselben Namen trägt, wie der elektronische Kofferanhänger selbst.

Die simple aber innovative Idee, ist einer langen Warteschlange am Check-In und eines daraus resultierenden verpassten Fluges zurückzuführen. Der Erfinder Rick Warther entwickelte als Antwort darauf das elektronische Koffer-Tag (Electronic Bag Tag, kurz EBT), das mittels Bluetooth und Radiofrequenzen ganz einfach per Smartphone und den gängigen Scannern der Check-In-Schalter zu bedienen ist. Anders als die herkömmlichen Papierbanderolen, die nur mit den Ländercodes des Start- und Zielflughafens sowie einem Strichcode versehen sind, setzt der ViewTag auf RFID-Technologie (Englisch für radio-frequency identification). Damit können Daten elektronisch erfasst und ausgelesen werden. Durch diese Weiterentwicklung soll nicht nur der Gepäckverlust eingegrenzt, sondern Vorgänge wie der Check-In am Flughafen im Allgemeinen beschleunigt und getrackt werden. Systeme zur Erfassung von RFID-Tags sind derzeit laut SITA bereits in 28 % der Flughäfen integriert. Weitere 20 % planen den Einstieg bis zum Jahr 2022 und 52 % arbeiten an einem Business Case. Die Fluggesellschaft British Airways steht in Kooperation mit ViewTag und nutzt das System bereits. Passagiere können das Gadget bei der Gesellschaft käuflich erwerben.

Die Technik hinter ViewTag

Der elektronische Kofferanhänger stellt seinen Inhalt per RFID UHF und Bluetooth Low Energy bereit. Erstere senden Funkwellen über spezielle RFID-Antennen aus. Die Tags nehmen dabei die Energie dieser Wellen auf und werden aktiviert. Dadurch kann der Inhalt der ViewTags aus bis zu 6 Metern Entfernung ausgelesen werden. Benötigt werden dafür spezielle Lesegeräte, die jedoch noch nicht flächendeckend an Flughäfen installiert sind. Um die Kompatibilität zu erhöhen, kann der ViewTag zusätzlich über Bluetooth Low Energy ausgelesen werden. Die Reichweite dieser Technologie beträgt in etwa 250 Meter bei Bluetooth-5-Standard. Die notwendige Energieversorgung wird durch eine Batterie sichergestellt. Die Hardware ist jedoch erst bei der Übertragung aktiv, sodass der Tag nur selten geladen werden muss. Durch beide Übertragungsarten ist es möglich, verlorene oder fehlgeleitete Gepäckstücke auch ohne weiteres in der Umgebung von Lesegeräten lokalisieren zu können.

Für den Fall, dass ein Flughafen noch über kein passendes Lesegerät verfügt, werden die Daten außerdem am 4-Zoll-Display des Anhängers dargestellt. Die Darstellung der Daten erfolgt über das E-Ink-Prinzip, wie es zum Beispiel bei gängigen E-Book-Readern der Fall ist, und ist deshalb gleichermaßen energiesparend und gut lesbar. Der Hersteller gibt die Akkulaufzeit mit rund 3.000 Flügen, beziehungsweise Inhaltswechseln am Display an. Die Flugdaten werden hierbei über eine App am Smartphone an den digitalen Gepäckanhänger übertragen. Dieser lässt sich sicher am Gepäckstück anbringen und nur durch einen speziellen Pin-Key wieder entriegeln.

In der Praxis gewährt der elektronische Tag den Reisenden Zeiteinsparungen beim Check-In. Dabei wird die iOS- und Andriod-App von British Airways genutzt, um das Anhängeschild mit den Daten zum aktuellen Flug zu aktualisieren. Das Gepäckstück kann einfach am Schalter abgegeben werden und bedarf keiner weiteren Beachtung.

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Digitalisierung der Fluggesellschaften

Koffer- und Gepäck-Tags sind nur ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung und Automatisierung der Flughäfen. Dem Menschen soll ermöglicht werden, bequem und ohne Hürden zwischen einer Vielzahl an Destinationen reisen zu können. Ticketbuchungen und Reservierungen online abzuwickeln, ist in der Gegenwart bereits Gang und Gebe. Dabei wird in überwiegender Mehrheit zudem elektronisch bezahlt anstatt mit Bargeld. Um eine schnellere Abwicklung aller Passagiere zu ermöglichen, beschäftigt sich die Branche der Fluggesellschaften zunehmend mit digitalen Möglichkeiten, Reisende und Gepäck effizienter abzuwickeln. Dabei sollen Staus, verpasste Flüge und andere Unannehmlichkeiten möglichst vermieden werden. Neuartige Kofferschilder in Form von ViewTags stellen daher einen weiteren Schritt zur Modernisierung von Flughäfen und der gesamten Luftfahrt dar. Durch dieses Potential könnte das ViewTag in der Lage sein, sich weltweit in Fluggesellschaften und Flughäfen zu etablieren und die innovative und zeitsparende Alternative zum herkömmlichen Banderolenetikett werden.

Weitere Themen:

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Ein Beitrag von:

  • Silvia Hühn

    Porträt Silvia Hühn

    Silvia Hühn ist freie Redakteurin mit technischem Fokus. Sie schreibt unter anderem über die Rekorde dieser Welt und verfasst Ratgeber.

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