Dummy fliegt aus Babyschale: Zwei Kindersitze fallen beim ADAC durch
ADAC warnt vor zwei Kindersitzen: Beim Britax Römer Baby-Safe Pro fliegt ein Dummy aus der Schale, beim Axkid Minikid Core versagt der Stützfuß.
Beim ADAC-Crashtest des Axkid Minikid Core versagen Stützfuß und Sitzschale. Der Dummy wird stark nach oben und hinten geschleudert.
Foto: ADAC/Test und Technik
Ein 11 kg schwerer Dummy fliegt beim Frontalcrash aus einer Babyschale. Bei einem zweiten Kindersitz fährt der Stützfuß ein und die Sitzschale bricht. Die Ergebnisse sind so gravierend, dass der ADAC bereits vor Abschluss seines aktuellen Kindersitztests vor zwei Modellen warnt. Bemerkenswert: Beide erfüllen die gesetzlichen Zulassungsanforderungen.
Der vollständige ADAC-Kindersitztest erscheint erst Ende Oktober. Bei zwei Modellen wollte der Automobilclub jedoch nicht so lange warten. Er rät bereits jetzt dringend vom Kauf des Britax Römer Baby-Safe Pro in Kombination mit der Vario Base 5Z sowie des Axkid Minikid Core ab. Bei Frontalcrashs zeigten beide Systeme gravierende Schwächen.
Beim Britax-Römer-Modell ist eine Einschränkung wichtig: Das schwere Versagen trat bei der Kombination aus Babyschale, Vario Base 5Z und Liegeposition auf. Andere vom ADAC getestete Einbauvarianten bestanden den Frontalcrash.
Inhaltsverzeichnis
- Gurtschloss bricht – Dummy fliegt aus der Babyschale
- Warum der Sitz in dieser Konfiguration versagte
- Axkid Minikid Core: Stützfuß fährt beim Aufprall ein
- Zugelassen und trotzdem durchgefallen – wie passt das zusammen?
- Axkid hatte bereits einen Rückruf gestartet
- Was Besitzer der beiden Kindersitze jetzt tun sollten
Gurtschloss bricht – Dummy fliegt aus der Babyschale
Beim Britax Römer Baby-Safe Pro saß ein 11 kg schwerer Dummy rückwärtsgerichtet in der Babyschale. Diese war auf der Isofix-Basis Vario Base 5Z befestigt und in die flache Liegeposition gebracht worden.
Beim Frontalaufprall verformte sich die Babyschale stark. Gleichzeitig stiegen die Kräfte auf den Hosenträgergurt und dessen Schloss. Schließlich brachen Kunststoff-Rasthaken an der Gurtzunge. Das Schloss öffnete sich und der Dummy wurde aus der Schale geschleudert.
Bei einem realen Unfall könnte das Kind anschließend ungebremst gegen Teile des Fahrzeuginnenraums prallen. Der ADAC bewertet den Schutz beim Frontalaufprall deshalb mit „mangelhaft“. Auch Stiftung Warentest warnt vor möglichen lebensgefährlichen Verletzungen.
Warum der Sitz in dieser Konfiguration versagte
Die Crashaufnahmen zeigen nicht nur, dass das Rückhaltesystem versagt, sondern auch, wie es dazu kommt. In der flachen Position stützt die Sitzschale den Dummy beim Aufprall weniger stark ab. Der Hosenträgergurt muss dadurch einen größeren Anteil der Kräfte aufnehmen. Diese Belastung wirkt auch auf das Gurtschloss – bis dessen Kunststoff-Rasthaken versagen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Baby-Safe Pro generell keinen ausreichenden Schutz bietet. Auf derselben Vario Base 5Z, aber in aufrechter Position, hielt das System dem Frontalaufprall stand. Auch bei einer Befestigung der Babyschale direkt mit dem Dreipunktgurt des Autos öffnete sich das Gurtschloss in den Versuchen nicht – weder in aufrechter noch in flacher Position.
Beim Einbau mit dem Fahrzeuggurt läuft der Diagonalgurt um das Kopfende der Babyschale. Er stabilisiert sie zusätzlich, sodass sie sich beim Crash weniger stark verformt. Britax Römer untersucht nach Angaben des ADAC derzeit die Ursache. Eigene Tests des Herstellers hätten die Auffälligkeit bislang nicht gezeigt. Über einen möglichen Austausch, eine technische Änderung oder einen Rückruf wurde noch nicht entschieden.
Axkid Minikid Core: Stützfuß fährt beim Aufprall ein
Anders sieht der Versagensmechanismus beim Axkid Minikid Core aus. Der rückwärtsgerichtete Sitz ist für Kinder zwischen 40 und 125 cm Körpergröße vorgesehen. Für den Frontalcrash setzte der ADAC einen 23 kg schweren Dummy ein und stellte den Sitz ebenfalls in die geneigte Position. Beim Aufprall bewegte sich der Sitz nach vorn. Dabei traf das Kunststoff-Untergestell auf den Stützfuß – und löste dessen Entriegelung aus.
Der Stützfuß fuhr vollständig ein. Gleichzeitig brach die Kunststoff-Sitzschale im Bereich des Gurtschlosses. Das Schloss wurde aus seiner Befestigung gerissen und das Becken des Dummys nach oben geschleudert. Der ADAC stellte zudem ein starkes Abknicken im Bereich der Halswirbelsäule fest. Auch der Minikid Core erhielt deshalb für den Schutz beim Frontalaufprall die Bewertung „mangelhaft“.
Zugelassen und trotzdem durchgefallen – wie passt das zusammen?
Beide beanstandeten Sitze erfüllen nach Angaben des ADAC die gesetzlichen Zulassungsanforderungen. Das schlechte Abschneiden beim Verbraucherschutztest führt deshalb nicht automatisch dazu, dass ihre Typgenehmigung erlischt. Der scheinbare Widerspruch lässt sich durch unterschiedliche Prüfbedingungen erklären.
Kindersitze müssen in Europa unter anderem die Anforderungen der UN-Regelung 129 erfüllen. Der ADAC geht bei seinem Verbraucherschutztest darüber hinaus. Seine Frontalaufpralltests orientieren sich bei der Unfallschwere an aktuellen Euro-NCAP-Fahrzeugcrashtests. Dabei wirken laut ADAC deutlich höhere Kräfte als bei den gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsversuchen.
Dass solche unabhängigen Tests zunehmend strengere Anforderungen stellen, zeigt auch die Entwicklung bei Euro NCAP selbst. Seit 2026 gelten dort verschärfte Bewertungskriterien, bei denen neben klassischer Crashsicherheit unter anderem auch der Schutz von Kindern und anderen Verkehrsteilnehmern stärker berücksichtigt wird. Mehr zu den neuen Anforderungen erklärt VDI nachrichten im Beitrag „Ein weiter Weg zu fünf Sternen“.
Welche Fahrzeuge zuletzt besonders gut in den Euro-NCAP-Tests abgeschnitten haben, zeigt außerdem die ingenieur.de-Übersicht „Die sichersten Fahrzeuge des Jahres 2025“.
Der entscheidende Punkt: Eine gesetzliche Zulassung bestätigt, dass ein Produkt die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden hat. Sie garantiert nicht, dass es bei jedem darüber hinausgehenden Belastungsszenario ebenfalls funktioniert. Viele Kindersitze bestehen allerdings auch die härteren ADAC-Prüfungen.
Axkid hatte bereits einen Rückruf gestartet
Beim Axkid Minikid Core war das Problem nicht völlig neu. Der Hersteller hatte bereits im September 2026 einen freiwilligen Rückruf bestimmter Produktionschargen angekündigt.
Axkid erklärte damals, bei weiterführenden Tests sei eine Abweichung von den eigenen Sicherheitsanforderungen festgestellt worden. Gleichzeitig verwies das Unternehmen darauf, dass der Minikid Core die gesetzliche UN-R129-Zulassung sowie weitere Prüfungen bestanden habe – darunter den anspruchsvollen schwedischen Plus Test.
Der Fall zeigt, dass verschiedene Prüfverfahren unterschiedliche Schwachstellen sichtbar machen können. Ein Sitz kann einen bestimmten Crashtest bestehen und unter anderen Belastungsbedingungen trotzdem an Grenzen stoßen.
Nach der aktuellen Warnung hat Axkid den Verkauf des Minikid Core eingestellt. Betroffene Sitze sollen kostenlos gegen einen Axkid Minikid 4 Pro ausgetauscht werden. Besitzer müssen sich dafür beim Hersteller registrieren und die Daten ihres Sitzes angeben.
Was Besitzer der beiden Kindersitze jetzt tun sollten
Für Besitzer des Britax Römer Baby-Safe Pro mit Vario Base 5Z empfiehlt der ADAC, die Babyschale auf der Basis möglichst aufrecht einzustellen. In dieser Konfiguration bot sie beim Frontalcrash einen guten Schutz.
Alternativ lässt sich die Babyschale ohne Vario Base 5Z mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs befestigen. Dabei muss der Einbau genau nach Herstelleranleitung erfolgen. Auch diese Variante hielt den getesteten Frontalaufprall aus. Vom Kauf der Kombination Baby-Safe Pro und Vario Base 5Z rät der ADAC derzeit dennoch ab.
Beim Axkid Minikid Core fällt die Empfehlung eindeutiger aus: Stiftung Warentest rät von einer weiteren Nutzung ab. Besitzer sollten prüfen, ob ihr Sitz von der Rückrufaktion erfasst wird, und den kostenlosen Austausch nutzen. Die vollständigen Ergebnisse des aktuellen Kindersitztests wollen ADAC und Stiftung Warentest Ende Oktober 2026 veröffentlichen.
Quellen
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ADAC, 6. Oktober 2026:
Warnung vor zwei Kindersitzen
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ADAC, Oktober 2026:
Kindersitztest Herbst 2026 – technische Details zu den Crashversuchen
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Stiftung Warentest, 6. Oktober 2026:
Zwei Kindersitze versagen im Crashtest
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Axkid, September 2026:
Freiwilliger Rückruf des Minikid Core
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