Stolz der Kaiserlichen Marine 06.11.2025, 19:17 Uhr

Vom Krieg in die Vitrine: Das Schicksal des U-Boots U16

Nach über 100 Jahren wurde das U-Boot U16 geborgen. Jetzt erzählen Museen seine Geschichte – zwischen Technik, Streit und Erinnerung.

Kaiserliches U-Boot U16

Die U16 nach der Bergung. Das 1911 gebaute Schiff lag über 100 Jahre am Meeresgrund. Beim Heben ist das U-Boot in zwei Teile gebrochen.

Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Nach mehr als 100 Jahren auf dem Meeresgrund wurde das deutsche U-Boot U16 geborgen – ein Wrack aus der Kaiserzeit, das in zwei Teile zerbrach. Heute sind Fragmente des Bootes in mehreren Museen zu sehen. Die Geschichte dieser Bergung erzählt von Technik, Streit und der Frage, was von der Vergangenheit bewahrt werden soll.

Ein Kaiserliches U-Boot taucht wieder auf

Über hundert Jahre lang lag es still im Schlick der Elbmündung – das U-Boot U16, gebaut 1911 in Kiel, einst Stolz der Kaiserlichen Marine. Es war robust, 57 m lang, zwei Hüllen stark, für die Hochsee konzipiert. Dann kam das Ende: 1919 sollte es nach dem Ersten Weltkrieg als Reparationsleistung an Großbritannien überführt werden. Doch kurz vor der Insel Scharhörn sank es – mitten in einem schwierigen Gezeitengebiet.

Was folgte, war eine Jahrhundertpause. Eingebettet in Sand und Schlick überstand das Boot die Jahrzehnte, während über ihm Containerschiffe Richtung Nordsee fuhren. Erst in den 1960er-Jahren tauchte es auf Seekarten auf. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie dokumentierte seinen Zustand regelmäßig – bis Fachleute im Sommer 2025 beschlossen, das Wrack zu bergen.

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Technik trifft auf Geschichte

Das Herzstück der Aktion war der niederländische Schwimmkran Matador 3. Ein Stahlgigant mit 1800 t Hubkraft, der schon Offshore-Plattformen gehoben hat. „Theoretisch war das kein Problem“, sagte ein beteiligter Ingenieur. „Das Boot wog im Originalzustand nur rund 600 t.“

Theorie und Realität trennt auf See oft nur ein Gezeitenwechsel. Über 100 Jahre Salzwasser hatten die Hülle der U16 zu sprödem Metall verwandelt. Schon beim Freilegen zeigte sich: Jeder falsche Zug könnte das Wrack zerreißen.

Tatsächlich passierte genau das. Als der Kran die Last aus dem Schlick hob, brach das Boot in zwei Teile – ein leiser Moment, in dem ein Jahrhundert Geschichte buchstäblich auseinanderbrach.

 

Flotten-U-Boote der kaiserlichen Marine 1912

Die Flotten-U-Boote der kaiserlichen Marine 1912 in der Werft von Danzig. In der Mitte das U-Boot U16

Foto: picture alliance / SZ Photo | Scherl

Archäologen schlagen Alarm

Die Nachricht von der Bergung löste sofort Diskussionen aus. Jens Auer von der Kommission für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie sprach von einem Tabubruch: „Was unten bleiben kann, sollte auch unten bleiben.“

Denn die Archäologie hat klare Regeln. Wracks gelten als Denkmale, auch wenn sie kein Kriegsgrab sind. U16 war zwar kein Grab – die Besatzung hatte das Boot vermutlich rechtzeitig verlassen –, doch das macht es nicht automatisch zur Beute.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee verteidigte das Vorgehen. Das Wrack habe sich zu einem Sicherheitsrisiko entwickelt, hieß es. In der stark befahrenen Elbmündung hätte sich der Rumpf verschieben und in die Fahrrinne ragen können. „Sicherheit geht vor“, erklärte eine Sprecherin des BSH.

Eine Hülle aus Rost und Erinnerung

Als die Teile schließlich an der Oberfläche lagen, war der Zustand ernüchternd. Der Stahl war brüchig, das Innere voll kontaminiertem Sediment. Landesarchäologe Henning Haßmann sagte später: „Das Material war weich wie Kartoffelchips.“

Die Fachleute untersuchten das Wrack, scannten es mit Lasern, nahmen Proben von Stahl, Kabeln und Batterien. Es stellte sich heraus, dass wichtige Komponenten fehlten – etwa die Bordschraube und Teile eines Motors.

Mike Belasus, Experte für Nautik und Archäologie, meinte dazu: „Man konnte deutlich sehen, dass Teile auch abgesägt worden sind.“ Offenbar hatte die Besatzung beim Sinken einige Systeme unbrauchbar gemacht – eine gängige Praxis, um Technik nicht in fremde Hände fallen zu lassen.

Streit um den Umgang mit dem Erbe

Was tun mit einem U-Boot, das kaum noch zu erkennen ist? Die Antwort fiel nicht leicht. „Wir haben uns ein bisschen hinter den Türen gestritten“, räumt Haßmann ein. „Wollen wir wirklich der Zerlegung zustimmen?“

Eine vollständige Konservierung wäre kaum zu finanzieren gewesen. Schon kleine Teile wie Luken oder Ventile müssen nach der Bergung aufwendig stabilisiert werden. Ganze Rümpfe aus rostigem Stahl – das sprengt jedes Museumsbudget.

So entschieden die Behörden, nur ausgewählte Fragmente zu bewahren. Rund ein Viertel des Wracks wurde verteilt, der Rest dokumentiert und verschrottet.

Ein Boot mit Geschichte

U16 war ein sogenanntes Zweihüllenboot, konstruiert als Hochseeboot. Es hatte eine innere und eine äußere Hülle, um mehr Sicherheit und Reichweite zu gewinnen.

Ein Blick in die Zahlen:

  • Länge: 57,8 m
  • Breite: 6 m
  • Tiefgang: 3,36 m
  • Verdrängung: 489 t über, 627 t unter Wasser
  • Tauchtiefe: maximal 50 m

Die Antriebe waren für die Zeit modern. An der Oberfläche arbeiteten Petroleummotoren mit 1200 PS. Unter Wasser liefen Elektromotoren von Siemens-Schuckert mit zusammen 860 PS. So schaffte U16 bis zu 15,6 Knoten über Wasser und 10,7 Knoten getaucht. Der Aktionsradius betrug 4500 Seemeilen.

An Bord befanden sich 29 Mann, darunter vier Offiziere. Bewaffnet war das Boot mit Torpedos und ab 1915 zusätzlich mit einer 5-Zentimeter-Schnelladekanone.

Einsatz im Ersten Weltkrieg

Zwischen 1914 und 1915 ging U16 auf Feindfahrten. Zehn oder elf Handelsschiffe wurden versenkt, die Zahlen variieren je nach Quelle. Dazu kamen beschädigte Schiffe und ein Prisenfang. Insgesamt kam U16 auf mehr als 11.000 Bruttoregistertonnen zerstörter Handelsflotte.

Ab 1915 wurde das Boot in Kiel zum Schulboot umgebaut. In dieser Rolle überstand es den Krieg. Erst nach dem Waffenstillstand wurde es außer Dienst gestellt – und sank ironischerweise nicht im Einsatz, sondern auf der Überführungsfahrt nach Großbritannien.

Teile des U-Boots U16

Das U-Boot wurde in Einzelteile zerlegt. Einige Teile wandern ins Museum, andere dienen der Wissenschaft.

Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Ein U-Boot auf Wanderschaft

Wer heute U16 sehen will, muss weit reisen – bis in den Harz. Dort, im Fahrzeug- und Technikmuseum Benneckenstein, wird ab Ostern 2026 der mittlere Rumpfabschnitt mit Turm gezeigt. Museumsleiter Mario Tänzer ist stolz: „Gebaut 1911, gesunken 1919, gehoben 2015. Weltweit einmalig – ein Stück deutsches Kulturerbe.“

Auch andere Museen beteiligen sich. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden erhält die beiden vorderen Torpedorohre. Das Deutsche Luftschiff- und Marinefliegermuseum in Nordholz bei Cuxhaven zeigt ein Segment des Achterschiffs.

Selbst weit im Landesinneren taucht U16 auf: Das Stadtmuseum Hagen bekommt zwei gewaltige Batterien, das Museum „Windstärke 10“ in Cuxhaven die schwere Ankerkette. Kleinere Bauteile wandern nach Hamburg und Wilhelmshaven.

So verteilt sich das kaiserliche U-Boot heute auf halb Deutschland – ein technisches Puzzle mit rostigen Teilen.

Forschung zwischen Rost und Geschichte

Die Bergung ist nicht das Ende, sondern der Anfang neuer Fragen. Forschende der Universität Magdeburg und der Technischen Universität Clausthal wollen das Material analysieren. Haßmann erklärt: „Das war damals eine geheime Wissenschaft. Die Marine hat ihre Innovationen bewusst nicht dokumentiert.“

Damit eröffnet das U-Boot eine zweite Karriere – als Forschungsobjekt. Was war die genaue Zusammensetzung des Stahls? Welche Fertigungstechniken nutzte die Kaiserliche Marine? Und wie verändert sich Metall nach einem Jahrhundert unter Wasser?

Die Auswertung aller Proben und Daten soll Jahre dauern.

(mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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