Bauchlandung in Houston: Wie ein Nasa-Pilot Schlimmeres verhinderte
Der Nasa-Forschungsjet WB-57 landet ohne Fahrwerk in Houston. Warum der Pilot alles richtig machte. Hintergründe und Folgen im Überblick.
Eine WB-57 der Nasa bei der Landung im Jahr 2024: Ein solcher Höhenforschungsjet setzte jetzt in Houston nach einem mechanischen Defekt ohne ausgefahrenes Fahrwerk auf und kam kontrolliert zum Stillstand. picture alliance / ZUMAPRESS.com | NASA
Am Dienstagvormittag wurde es auf dem Ellington Field im Südosten von Houston ernst. Ein Forschungsflugzeug der Nasa, Typ WB-57, setzte ohne ausgefahrenes Fahrwerk zur Landung an. Was folgte, war eine sogenannte Bauchlandung – kontrolliert, ohne Verletzte, mit einem Piloten, der in einer Extremsituation die richtigen Entscheidungen traf.
Videoaufnahmen des Lokalsenders KHOU 11 zeigen, wie die Maschine über die Landebahn rutscht. Funken, Rauch, kurzzeitig auch Flammen sind zu sehen. Trotzdem bleibt das Flugzeug stabil in der Spur. Der Pilot hält es unter Kontrolle, bis die Reibung den Jet zum Stillstand bringt. Niemand an Bord kommt zu Schaden.
Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.
Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung
von youtube.com zu.
Inhaltsverzeichnis
Mechanisches Problem, keine Verletzten
Die Nasa bestätigte wenig später den Vorfall. Sprecherin Bethany Stevens erklärte:
„Heute führte ein mechanisches Problem mit einer der WB-57 der Nasa zu einer Landung ohne ausgefahrenes Fahrwerk auf dem Ellington Field.“ Alle Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit.
Weiter sagte sie: „Wie bei jedem Vorfall wird die Nasa eine gründliche Untersuchung der Ursache durchführen. Die Nasa wird die Öffentlichkeit transparent auf dem Laufenden halten, sobald wir weitere Informationen gesammelt haben.“
Today, a mechanical issue with one of NASA’s WB-57s resulted in a gear-up landing at Ellington Field. Response to the incident is ongoing, and all crew are safe at this time. As with any incident, a thorough investigation will be conducted by NASA into the cause. NASA will…
— Bethany Stevens (@NASASpox) January 27, 2026
Der Vorfall ereignete sich am 27. Januar gegen 11:30 Uhr Ortszeit auf dem Ellington Field. Rettungskräfte eines militärischen Dienstleisters waren rasch vor Ort. Die Landebahn blieb gesperrt, bis das Flugzeug gesichert und abtransportiert war.
Warum diese Landung als professionell gilt
Eine Landung ohne Fahrwerk zählt zu den anspruchsvollsten Notverfahren in der Luftfahrt. Ziel ist es, die Maschine möglichst stabil aufzusetzen, die Geschwindigkeit kontrolliert abzubauen und ein Ausbrechen zu verhindern. Genau das ist hier gelungen.
Der Pilot entschied sich gegen riskante Manöver und für eine gerade, flache Landung. Das reduzierte die Belastung auf Rumpf und Tragflächen – und vor allem das Risiko für die Crew. Die Federal Aviation Administration (FAA) bestätigte, dass sich zwei Personen an Bord befanden. Auch sie leitete eine eigene Untersuchung ein.
Ein Flugzeug mit langer Geschichte
Die WB-57 ist kein modernes Serienflugzeug, sondern ein Spezialgerät. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1940er-Jahre zurück. Ursprünglich entwickelte die britische Firma English Electric den Bomber Canberra. In den USA entstand daraus die B-57, die unter anderem im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.
Für die heutige Nutzung baute man die Maschine stark um. Die WB-57 erhielt verlängerte Tragflächen und ist für Flüge in über 60.000 Fuß Höhe ausgelegt. Das entspricht rund 18 Kilometern. In diesen Höhen operieren sonst kaum bemannte Flugzeuge.
Forschung statt Militär
Seit 1972 nutzt die NASA die WB-57 für wissenschaftliche Missionen. Die Jets flogen durch Hurrikane, sammelten Proben aus der oberen Atmosphäre und untersuchten Abgase von Raketen. Auch Staub von Kometen und Asteroiden wurde so analysiert.
Betrieben werden die drei verbliebenen Maschinen vom Johnson Space Center. Eine davon wurde 2013 aus dem sogenannten „Boneyard“ der Davis-Monthan Air Force Base geholt und aufwendig restauriert.
In den vergangenen Jahren kamen die Flugzeuge auch bei der Beobachtung von Starship-Starts von SpaceX zum Einsatz. Geplant waren zudem Unterstützungsflüge rund um die Mondmission Artemis II.
Welche Folgen hat der Zwischenfall?
Noch ist unklar, wie stark die beschädigte WB-57 in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine Reparatur ist möglich, aber nicht garantiert. Ebenso offen bleibt, ob sich der Vorfall auf anstehende Missionen auswirkt. Die NASA äußerte sich dazu bislang nicht.
Fest steht jedoch: Der Zwischenfall zeigt, warum erfahrene Pilotinnen und Piloten, klare Verfahren und robuste Technik in der Luftfahrt entscheidend sind. Fehler passieren. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird.
Ein Beitrag von: