Autonome Güterwagen: USA testet Konkurrenz für den Lkw auf kurzen Schienenstrecken
Parallel Systems testet autonome Güterwagen in den USA. Die Zugroboter sollen kurze Schienenstrecken wirtschaftlicher und flexibler bedienen.
Güterwaggon-Roboter von Parallel Systems auf der Teststrecke im US-Bundesstaat Georgia. Jeder Wagen hat eine eigene Batterie, einen Antrieb und eine Steuerung.
Foto: Parallel Systems
Die Firma Parallel Systems aus Los Angeles ist ein Start-Up, das seit 2020 den Schienen-Güterverkehr neu denken will. Ein herkömmlicher Frachtzug besteht aus wenigen Triebfahrzeugen und vielen Güterwaggons. Das US-Unternehmen möchte jedoch jeden Waggon mit eigener Steuerung, Antrieb und Energieversorgung ausstatten, womit ein Waggonroboter entsteht, der sich mit weiteren Waggonrobotern zu Zügen zusammenschließen soll. Dieses Konzept wird Platooning genannt. Damit sollen Güterzüge bzw. Waggonverbünde beliebiger Kürze auch auf kurzen Strecken bis 800 km wirtschaftlich werden.
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In dem angedachten System entfällt das manuelle Rangieren. Die Waggons fahren ohne echte mechanische Kopplung. Daher kann sich ein Waggonverbund auf entsprechender Gleisinfrastruktur selbst umsortieren oder in verschiedene Züge aufteilen.
257 km Testgebiet – mit jeder Menge Personaleinsatz
Am 7. Oktober kündigte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 100 Mio. $ an, was etwa einer Verdopplung der Finanzierung entspricht. Damit will das Unternehmen den Schritt vom reinen Testbetrieb in den Markteintritt finanzieren.
Während die US-Eisenbahnbehörde verschiedene Stufen von Testbetrieben genehmigt hat, ist das Unternehmen noch weit entfernt von einer Betriebserlaubnis. Selbst wenn die Testfahrzeuge aktuell ohne Menschen operieren, müssen die autonomen Strecken täglich inspiziert werden und alle Bahnübergänge der Teststrecke mit Personal abgesichert werden. Jede Testphase braucht außerdem eine schriftliche Freigabe der Behörde. Das aktuell genehmigte Testgebiet umfasst rund 257 km im Bundesstaat Georgia.
Integration in bestehendes US-Eisenbahnsystem angedacht
Das Unternehmen hofft, seine Platoons künftig in die Eisenbahnsysteme integrieren zu können. Zugverbände sollen sich dann wie normale Züge an die Regeln des Systems halten. Dazu gibt es zwar ein Sicherheitskonzept, was Notbremsungen und den sicheren Umgang mit der Rekuperationsenergie angeht, aber dieses ist noch nicht zertifiziert.
Das eigentliche Vorhaben, Gütertransporte über die Bahn so günstiger zu machen, lässt sich bisher noch nicht bewerten. Während zwar Menschen im Bahnbetrieb wegfallen, werden zusätzliche bei Wartung und Inspektion benötigt, eventuell auch für die Sicherheit. Das Pilotprogramm soll insbesondere Zuverlässigkeit und Betriebskosten ermitteln. Dazu gibt es bisher noch keine Zahlen.
CEO war vorher SpaceX-Ingenieur
Matt Soule war ein langjähriger SpaceX-Ingenieur, bevor er CEO des Unternehmens wurde. Ob er und die anderen ehemaligen Raketenentwickler den Erfolg des privaten Raumfahrtunternehmens auf der Schiene kopieren können, hängt insbesondere an den Eisenbahngesellschaften. Anders als der Weltraum sind Schienennetze mitunter dicht getaktet und auf einem Gleis gibt es keine Ausweichmöglichkeit. Wichtig ist also, dass neues und altes System sicher parallel funktionieren. Zumindest heißt die Firma schon mal Parallel Systems.
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