Mobiler Deich im Test 04.11.2025, 10:55 Uhr

Wie sicher ist der Hochwasserschutz aus Schläuchen?

Mobiler Hochwasserschutz neu gedacht: Der wassergefüllte Mobildeich ersetzt Sandsäcke und schützt vor Extremwetter.

mobiler Hochwasserschutz

Kein Sandsack, kein Bagger: Der Mobildeich lässt sich in Minuten aufbauen und schützt zuverlässig vor Überflutungen. VdS / Kathrin Vogt

Starkregen, überlaufende Flüsse, Sturmfluten – was früher als Ausnahme galt, gehört längst zum Alltag vieler Regionen. Die Klimakrise verstärkt Extremwetter. Kommunen müssen schneller und flexibler reagieren, wenn Pegel steigen. Doch Sandsäcke stapeln ist mühsam, zeitaufwendig und kostet Personal. Ein deutsches Unternehmen bietet eine Alternative: den Mobildeich – ein wassergefülltes Schlauchsystem, das binnen Minuten zum schützenden Deich wird.

Wasser gegen Wasser

Das Prinzip klingt simpel, ist aber technisch ausgefeilt. Der Mobildeich besteht aus einem ummantelten Doppel- oder Dreifach-Kammer-Schlauchsystem, das direkt mit Wasser befüllt wird.

Was paradox klingt – Fluten mit Fluten abwehren –, funktioniert erstaunlich gut. Das Eigengewicht des Wassers stabilisiert die Konstruktion. Die einzelnen Module lassen sich über Kupplungen verbinden. So entstehen durchgehende Schutzlinien, die sich an Gelände und Hindernisse anpassen – egal ob Asphalt, Wiese oder Kopfsteinpflaster.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
HYDRO Systems GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Teamlead Shopfloor Service Station Norderstedt (m/w/d) HYDRO Systems GmbH & Co. KG
Norderstedt Zum Job 
GVG Immobilien Service GmbH-Firmenlogo
Projektassistenz (m/w/d) Baumanagement GVG Immobilien Service GmbH
München Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Stadtwerke Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 

Während klassische Sandsackdämme Schicht für Schicht wachsen müssen, genügt beim Mobildeich das Ausrollen, Befüllen und Ausbreiten einer Dichtungsplane. Innerhalb von Minuten steht ein temporärer Deich, der je nach Ausführung bis zu 2,6 m Wasser standhält.

Weniger Aufwand, mehr Schutz

Der große Vorteil: keine schweren Geräte, kein Materialtransport. Das Wasser stammt meist aus dem nahen Gewässer oder direkt aus dem Hochwasser selbst. Eine Pumpe genügt, um mehrere hundert Meter Deich in kurzer Zeit zu befüllen.

Der Mobildeich lässt sich beliebig verlängern, wiederverwenden und platzsparend lagern. Nach dem Einsatz wird das Wasser abgelassen, die Module gereinigt und aufgerollt. Auch der Abbau gelingt mit wenigen Handgriffen – ein entscheidender Punkt, wenn nach der Flut jede Minute zählt.

Ein Beispiel: 400 m Schutzlinie lassen sich laut Hersteller in rund zweieinhalb Stunden mit zehn Modulen aufbauen – und das mit minimalem Personal. Das ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Sicherheit für die Einsatzkräfte.

Drei Komponenten für Stabilität

Das System beruht auf drei abgestimmten Elementen:

  1. Schläuche aus PVC-beschichtetem Polyestergewebe halten den Wasserdruck.
  2. Eine Netzhülle aus hochfestem Polyesterseil umschließt und stabilisiert die Schläuche.
  3. Eine robuste Dichtungsplane liegt wasserseitig auf dem Boden und verhindert, dass Wasser unter den Deich dringt.

Durch diese Kombination bleibt der Mobildeich auch bei steigendem Wasserpegel standfest. Die Plane dichtet flexibel ab, selbst auf unebenen Untergründen oder bei Treibgutbelastung. So entsteht kein gefährlicher Auftrieb, der den Deich anheben könnte – ein Problem, das bei einfacheren Systemen auftreten kann.

Getestet unter realen Bedingungen

Um die Leistungsfähigkeit zu prüfen, wurde das System am Testlabor des Instituts für Klimafolgen-Forschung (KLIFF) der TU Hamburg-Harburg untersucht. Gemeinsam mit den Prüfingenieurinnen und -ingenieuren von VdS Schadenverhütung wurden verschiedene Szenarien simuliert: Wellen, Strömungen, Treibgut und Druckbelastungen.

Das Ergebnis: Der Mobildeich erfüllte die Anforderungen der VdS-Richtlinie 3855 für Hochwasserschutzelemente. Damit ist er eines der wenigen mobilen Systeme, dessen Wirksamkeit unter realitätsnahen Bedingungen belegt wurde.

Sebastian Brose, Bereichsleiter Security & Geo bei VdS, sagt dazu: „Mit der VdS-Zertifizierung des Mobildeichs setzen wir einen richtungsweisenden Standard im kommunalen Hochwasserschutz. Aufgrund zunehmender Extremwetterereignisse ist es für Städte und Gemeinden essenziell, auf Produkte und Systeme zum Schutz ihrer Bevölkerung setzen zu können, die ihre zuverlässige Wirksamkeit auch bei höchster Anforderung objektiv nachgewiesen haben.“

Das Institut KLIFF fungiert künftig als Außenstelle des Zertifizierungslabors. Ziel ist, Hochwasserschutzprodukte künftig noch praxisnäher zu testen – unter Bedingungen, wie sie im Katastrophenfall tatsächlich auftreten.

Vom Notfallplan zur Standardausrüstung

Für viele Städte und Gemeinden stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob sie Hochwasser trifft, sondern wann. Mobile Systeme wie der Mobildeich könnten daher künftig zur Grundausstattung kommunaler Bauhöfe gehören.

Sie sind flexibel einsetzbar, schnell transportiert und wiederverwendbar. Ob zum Schutz von Wohngebieten, Industrieanlagen, Krankenhäusern oder Stromverteilstationen – der Mobildeich lässt sich an nahezu jedes Szenario anpassen.

Gerade im urbanen Raum, wo feste Deiche kaum Platz finden, bietet das System eine Lösung, die sich kurzfristig aktivieren lässt. Auch in engen Straßen oder an Gebäudeeingängen kann der Mobildeich aufgerollt, verbunden und befüllt werden.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.