Nicht nur Gesetze wirken 03.03.2026, 12:00 Uhr

Warum Ihr Friseur mehr fürs Klima tut als manche Politiker

Studie aus Großbritannien zeigt: Friseure verändern Alltagsroutinen – und senken so indirekt CO₂-Emissionen. Der Hebel heißt Vertrauen.

Friseur wäscht Mann die Haare

Beim Haarewaschen entscheidet nicht nur die Frisur – sondern auch die Temperatur des Wassers über den CO₂-Fußabdruck. Gespräche im Salon können nachhaltige Routinen anstoßen.

Foto: Smarterpix / SashaKhalabuzar

73 % der Kundinnen und Kunden geben an, nach einem Friseurbesuch ihr Verhalten ändern zu wollen. Nicht wegen einer neuen Verordnung. Sondern wegen eines Gesprächs beim Haarewaschen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Centre for Climate Change and Social Transformations (CAST) gemeinsam mit Forschenden der Universitäten Bath, Cardiff, Oxford und Southampton. Veröffentlicht wurde sie in Humanities & Social Sciences Communications.

Die Kernaussage lautet folgendermaßen: Friseursalons sind soziale Infrastrukturen. Und soziale Infrastrukturen beeinflussen Verhalten.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Landkreis Wesermarsch-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur*in (m/w/d) / Bachelor / Master der Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Landespflege, Landschaftsplanung/-entwicklung oder Landschaftsökologie Landkreis Wesermarsch
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landkreis Friesland-Firmenlogo
Kommunaler Energiemanager (m/w/d) Landkreis Friesland
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/in (m/w/d) als Referent/in für unser Branchenkompetenzcenter BG ETEM
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main-Firmenlogo
Ingenieur*in Energie, Klimaschutz und Transformation (w/m/d) Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Frankfurt Zum Job 
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Fachgebietsleitung Betriebsorganisation (w/m/d) Münchner Stadtentwässerung
München Zum Job 
HIC Consulting-Firmenlogo
Geschäftsführer (m/w/d) HIC Consulting
Hamburg Zum Job 
Nordex SE-Firmenlogo
Testingenieur / Validation Engineer Leistungselektronik (m/w/d) Nordex SE
Rostock Zum Job 

Vertrauen als technischer Faktor

Klimapolitik arbeitet mit Regulierung, CO₂-Preisen oder Förderprogrammen. Technik setzt auf Effizienz. Doch beide Instrumente stoßen an eine Grenze: das Verhalten. Hier setzt die Studie an. Friseurinnen und Friseurepflegen oft über Jahre oder Jahrzehnte stabile Beziehungen zu ihren Kundinnen und Kunden. Diese Beziehung schafft Offenheit.

Dr. Sam Hampton vom CAST sagt: „Friseure bauen über Monate und Jahre hinweg Vertrauen auf. Diese Art von Beziehung ist Gold wert, wenn es um die Diskussion über den Klimawandel geht. Wir haben festgestellt, dass Friseursalons einzigartige Orte sind, an denen sich Kunden sicher und entspannt fühlen und offen für neue Ideen sind.“

Das Forschungsteam führte 30 qualitative Interviews mit Saloninhaber*innen und testete in 25 nachhaltig ausgerichteten Salons sogenannte „Mirror Talkers“. Kurze Hinweise am Spiegel sollten Gespräche über nachhaltige Routinen anstoßen.

Wichtig: Es handelt sich um eine explorative Studie. Die Stichprobe ist begrenzt. Die 73 % basieren auf Selbstauskünften. Dennoch zeigt sich ein klarer Mechanismus: Vertrauen erleichtert Verhaltensänderung.

Der CO₂-Hebel steckt im Warmwasser

Ein zentrales Beispiel ist Shampoo. Viele verbinden Nachhaltigkeit mit Verpackung. Doch der größte Emissionsanteil entsteht bei der Nutzung.

Denise Baden, Professorin für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Southampton, erklärt: „Die meisten von uns denken, dass ein „grünes“ Produkt eines mit recycelbarer Verpackung ist, aber der CO2-Fußabdruck von Shampoo liegt hauptsächlich im verbrauchten Warmwasser. Daher können einfache Botschaften wie „Die meisten von uns verwenden zu viel Shampoo und waschen sich zu oft die Haare“ Gespräche darüber anregen, wie weniger Shampoonieren und Waschen mit niedrigerer Temperatur Zeit, Geld, Energie und Wasser spart und besser für die Haut und die Haare ist.“

Das ist energetisch nachvollziehbar. In europäischen Haushalten entfällt ein relevanter Anteil des Energieverbrauchs auf Warmwasserbereitung. Jede Temperaturabsenkung reduziert direkt den Energiebedarf.  Wenn Kundinnen oder Kunden ihrer Haare seltener waschen oder kühler duschen, sinkt der Verbrauch ohne neue Technologie. Der Hebel liegt im Verhalten.

Alltag statt Symbolpolitik

Fast alle befragten Salons berichteten, dass Gespräche über Nachhaltigkeit ohnehin stattfinden. Ausgangspunkt ist oft Haarpflege. Das Thema weitet sich schnell aus. Es geht um Plastik, Ernährung, Energieverbrauch oder Mobilität.

Dr. Briony Latter von der Universität Cardiff sagt: „Wir sind es gewohnt, Menschen im öffentlichen Leben, wie zum Beispiel Prominente, als Influencer zu betrachten. Aber was ist mit den Menschen, mit denen Sie regelmäßig sprechen, die Sie kennen und denen Sie Ihr Aussehen und manchmal auch persönlichere Aspekte Ihres Lebens anvertrauen? Friseure haben die ungenutzte Fähigkeit, den Klimawandel in alltägliche Gespräche und Handlungen einzubinden.“

Der Begriff „Everyday Influencers“ beschreibt genau das: Einfluss durch persönliche Nähe, nicht durch Reichweite. In Großbritannien gibt es über 61.000 Friseur- und Kosmetiksalons. Sie erwirtschaften rund 5,1 Milliarden Pfund pro Jahr. Rechnet man die Kontaktpunkte hoch, entsteht ein beachtliches Kommunikationsnetz.

Übertragbar auf Deutschland?

Die Studie bezieht sich auf Großbritannien. Die Struktur von Friseursalons ist in Deutschland vergleichbar. Auch hier existiert ein dichtes Netz kleiner Betriebe mit engem Kundenkontakt. Ende 2024 gab es hierzulande etwa 80.000 Friseurbetriebe.

Ob sich die 73 % bestätigen lassen, bleibt offen. Doch das Prinzip ist übertragbar: Klimaschutz wird wirksamer, wenn er in bestehende soziale Räume integriert wird. Der Friseursalon liefert damit keine technische Innovation. Er zeigt einen sozialen Hebel. Und dieser Hebel entscheidet oft darüber, ob technische Lösungen Wirkung entfalten.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.