Wassermangel erzeugt Sinkholes 12.04.2015, 08:51 Uhr

Tausende Einsturzlöcher gefährden Touristen am Toten Meer

Anwohnern und Besuchern des Toten Meeres bricht buchstäblich der Boden unter den Füßen weg: Fast täglich entstehen rund um den Salzwassersee tiefe Löcher, sogenannte Sinkholes. Grund ist der allmählich sinkende Wasserspiegel.

An den Ufern des Toten Meeres haben Forscher schon über 4000 Sinkholes registriert. Sie sind bis zu 25 Meter tief und somit eine echte Gefahr für Menschen. 

An den Ufern des Toten Meeres haben Forscher schon über 4000 Sinkholes registriert. Sie sind bis zu 25 Meter tief und somit eine echte Gefahr für Menschen. 

Foto: Dr. Christian Siebert/UFZ

Am Toten Meer warnen Schilder Touristen und Anwohner vor dem Betreten der Ufergebiete. Bei jedem Schritt könnte der Boden unter den Füßen einbrechen. Seit in den 1980er Jahren erstmals vereinzelt und plötzlich Löcher im Boden rund um das Tote Meer entstanden, verwandelt sich das Gebiet allmählich in eine bizarr anmutende Mondlandschaft.

Sowohl auf israelischer als auch auf jordanischer Seite bilden sich bis zu 25 Meter tiefe Löcher mit einem Durchmesser von bis zu 50 Metern. Mehr als 4000 solcher sogenannter Sinkholes haben Geologen und Umweltschützer bereits registriert – und es werden fast täglich mehr.

Süßwasser löst Salzschichten im Boden auf

Fest steht, dass der absinkende Wasserspiegel des Toten Meeres zur Bildung der Sinkholes führt. Das salzhaltige Tote Meer trocknet aus, der sinkende Salzwasserspiegel beeinflusst den Grundwasserhaushalt. Die Süßwasservorkommen im Boden dringen in gewaltige Salzschichten in der Erde ein und lösen diese allmählich auf. Dadurch entstehen Hohlräume, über denen der Boden irgendwann einbricht. Die Erdfälle zerstören die Landschaft und bedrohen Anwohner, Landwirtschaft und Industrieanlagen ebenso wie die Tourismusindustrie.

Totes Meer könnte 2050 verschwunden sein

Seit vielen Jahren sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres beständig – etwa einen Meter pro Jahr. Geht das so weiter, könnte das Tote Meer bis zum Jahr 2050 ganz verschwinden, warnen Wissenschaftler.

Das Tote Meer ist ein See ohne Abfluss. Das Wasser steht nicht im direkten Austausch mit den Weltmeeren, sondern ist nur Teil des hydrologischen Kreislaufes durch Verdunstung und Niederschlag. Als Binnengewässer wird es von seinen Zuflüssen gespeist.

Wissenschaftler des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) nehmen Proben in den Sinkholes am Ufer des Toten Meeres. Sie interessieren sich unter anderem für die Grundwasseraustrittsstellen. 

Wissenschaftler des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) nehmen Proben in den Sinkholes am Ufer des Toten Meeres. Sie interessieren sich unter anderem für die Grundwasseraustrittsstellen. 

Foto: André Künzelmann/UFZ

Wichtigster Zufluss des Toten Meeres ist der Jordan. Doch dessen Wasser wird gestaut und vor allem zur Bewässerung in der Landwirtschaft abgezweigt. Im Toten Meer kommt kaum noch etwas an. Außerdem wird Wasser des Toten Meeres bei der industriellen Verdunstung zur Gewinnung der darin gelösten Mineralien verbraucht. Gepaart mit nur geringen Niederschlägen in der Region führen all diese Faktoren dazu, dass das Tote Meer allmählich austrocknet.

Rettungsmaßnahmen laufen an

Im Februar haben Jordanien und Israel nun ein Abkommen zur Rettung des Toten Meeres unterzeichnet. Der Vertrag regelt die Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Bereitstellung von Trinkwasser. Geplant ist auch der Bau einer rund 200 Kilometer langen Pipeline quer durch die Wüste, die frisches Wasser vom Roten Meer zum Toten Meer transportieren soll. Außerdem soll in der Nähe des Touristenorts Aqaba am Roten Meer eine neue Entsalzungsanlage gebaut werden, deren salzreiches Abwasser ebenfalls eingespeist und zum Toten Meer geleitet wird.

Umweltschützer kritisieren den Bau dieser Pipeline jedoch. Sie warnen vor unabsehbaren Risiken, sowohl für die Ökosysteme des Toten Meeres als auch für die des Roten Meeres.

Von Susanne Neumann
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