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Erderwärmung hat seit 2015 enorm an Tempo zugelegt

06. März 2026

Athabasca Gletscher in Kanada
Der Athabasca Gletscher mündet in einen leuchtend türkisfarbenen See und zeigt die Auswirkungen des Klimawandels auf die kanadischen Rocky Mountains im Jasper Nationalpark in Alberta. Foto: picture alliance / imageBROKER | Unai Huizi
Seit 2015 hat die globale Erderwärmung deutlich zugelegt. Eine neue Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat natürliche Schwankungen aus den Daten besser herausgerechnet als bisher.
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Zwei Forscher haben sich etablierte Datensätze zur globalen Temperatur seit dem Jahr 2015 noch einmal vorgenommen – und siehe da: Es lässt sich noch mehr aus Ihnen herausholen als bisher. Ergebnis der Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK): Die Erderwärmung hat sich seit etwa 2015 deutlich beschleunigt. Und zwar stärker als bisher gedacht. Der US-Statistiker Grant Foster und PIK-Experte Stefan Rahmstorf konnten Einflüsse durch Vulkanismus, Sonnenzyklen oder das Klimaphänomen El Niño herausrechnen.

Während die globale Temperatur von 1970 bis 2015 um durchschnittlich 0,2° C pro Jahrzehnt gestiegen sei, seien es in der Dekade danach etwa 0,35° C gewesen, so die Studie, erschienen im „Geophysical Research Letters“. Das wichtige: Erstmals belegen die beiden Forscher mit ihrer Arbeit, dass diese Daten auch statistisch signifikant sind. Und damit sind auch Ableitung aus diesem Trend valide.

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Inhaltsverzeichnis

Beschleunigte Erderwärmung seit 2015 jetzt aussagekräftig bewiesen

Bei primären Messdatensätzen steht die Wissenschaft immer vor demgleichen Problem: Was bitteschön ist das Messsignal, das ich suche? Und wie bekomme ich es da raus? Was folgt ist ein mehr oder weniger großer bis riesiger Aufwand – sprich Methodik, gepaart mit Computer-Rechenleistung – um das eigentliche Signal von den überlagernden anderen Signalen zu befreien. „Rauschen“ werden diese nicht gesuchten, aber gefundenen Sigalanteile auch genannt.

Grant Foster und Stefan Rahmstorf haben sich jetzt die Mühe gemacht, aus den bisherigen Meßdaten für die globale Temperatur für die Dekade 2015 bis 2025 (fünf große, etablierte Datensätze) bekannte natürliche Einflüsse herauszurechnen. Einflüsse durch Vulkanismus, Sonnenzyklen oder das Klimaphänomen El Niño sind jetzt „draußen“. Übrig bleibt ein aussagekräftiger Datensatz: „Entscheidend ist, dass wir aus den Messdaten bekannte, natürliche Schwankungen herausrechnen, sodass das zufällige „Rauschen“ geringer wird und daher das langfristige Erwärmungssignal klarer hervortritt“, so Foster.

1,5-Grad-Ziel wohl 2028 oder 2029 schon erreicht

Foto: picture alliance / Willfried Gredler-Oxenbauer / picturedesk.com | Willfried Gredler-Oxenbauer

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Dass die Erde sich seit geraumer Zeit erwärmt, steht zweifelsfrei fest. 2023 und vor allem 2024 waren die bislang wärmsten seit Messbeginn. Durch die Korrekturen werden diese beiden Jahre zwar etwas etwas kühler, bleiben aber weiterhin die beiden wärmsten seit Beginn der Messungen. „Die bereinigten Daten zeigen eine Beschleunigung der Erderwärmung seit 2015 mit einer statistischen Sicherheit von über 98 %, konsistent in allen untersuchten Datensätzen und unabhängig von der gewählten Auswertungsmethode,“ erklärt Rahmstorf.

Um zu überprüfen, ob sich die Erwärmungsrate seit den 1970er Jahren verändert hat, nutzte das Forschungsteam zwei statistische Ansätze: eine quadratische Trendanalyse und ein stückweise lineares Modell, das statistisch objektiv ermittelt, wann sich die Erwärmungsrate verändert. Die beiden untersuchten dabei nicht die konkreten Ursachen der beobachteten Beschleunigung untersucht.

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Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde das im Pariser Klimaabkommen anvisierte Ziel, den Anstieg der Erderwärmung seit der vorindustriellen Zeit auf 1,5° c zu begrenzen, voraussichtlich 2028 oder 2029 erreicht. „Wie schnell sich die Erde weiter erwärmt, hängt letztlich davon ab, wie rasch wir die globalen CO2-Emissionen aus fossilen Energien auf null reduzieren“, sagt Rahmstorf. Die 1,5-Grad-Grenze gilt erst als überschritten, wenn die Temperatur einige Jahre entsprechend hoch ist. 

Methode der Forscher aus Expertensicht „sinnvoll“

Gegenüber der deutschen Presseagentur äußerte sich der Klimaforscher Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Er hält den Ansatz der Studie für „angemessen“, die Methode sei aus seiner Sicht „sinnvoll, um natürliche Schwankungen des Temperaturanstiegs herauszurechnen und zu robusteren Aussagen zu kommen“.

Einfluss auf die Temperatur habe vermutlich auch die Entwicklung von Aerosolen in der Atmosphäre gehabt, erläutert Gößling. Deren Konzentration sei deutlich gesunken, etwa durch Maßnahmen in China seit Ende der 2000er Jahre und durch Regelungen etwa zum Schwefelgehalt von Schiffsdiesel. Der Ausstoß dieser Aerosole, die etwa die Wolkenbildung verstärken und so für Kühlung sorgen können, habe in der Vergangenheit die Erderwärmung maskiert, sagt Gößling. Diese Maskierung sei in den vergangenen Jahren zum Teil weggefallen. Aber: „Der globale Temperaturanstieg hat sich tatsächlich sehr wahrscheinlich beschleunigt“, sagt er. „Das würde ich unterschreiben.“



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