Gletschersterben 20.08.2024, 13:22 Uhr

In Island gibt es den ersten Gletscherfriedhof der Welt

Erfahren Sie mehr über den ersten Gletscherfriedhof der Welt, ein bewegendes Mahnmal gegen den klimabedingten Gletscherschwund.

Gletscherfriedhof

Der Gletscherschwund nimmt immer dramatischere Ausmaße an, der Gletscherfriedhof in Island soll darauf aufmerksam machen.

Foto: Josh Okun - https://work.joshokun.com/

Island, das Land aus Feuer und Eis, ist weltweit für seine majestätischen Gletscher bekannt. Doch diese beeindruckenden Naturwunder sind zunehmend bedroht. Angesichts der steigenden globalen Temperaturen schrumpfen die Gletscher nicht nur in Island, sondern auf der ganzen Welt. Um auf diese bedrohliche Entwicklung aufmerksam zu machen, wurde in Reykjavík der erste Gletscherfriedhof der Welt eröffnet.

Mahnmal gegen den Klimawandel

Am 17. August 2024 versammelten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Klimaaktivistinnen und -aktivsten, Regierungsvertreter und interessierte Bürgerinnen und Bürger in der isländischen Hauptstadt Reykjavík, um ein ungewöhnliches, aber eindrucksvolles Projekt zu präsentieren: die erste globale Gletscherunfallliste und den weltweit ersten Gletscherfriedhof.

Initiiert wurde das Projekt von den Anthropologen Cymene Howe und Dominic Boyer von der Rice University in Houston. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Verlust der Gletscher zu schärfen und die Auswirkungen des Klimawandels auf diese einzigartigen Ökosysteme zu verdeutlichen.

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Die Veranstaltung fand in Marvaða statt, wo die Global Glacier Casualty List vorgestellt wurde. Diese Liste ist online verfügbar und dokumentiert 15 bereits verschwundene oder akut gefährdete Gletscher weltweit. Begleitet werden die Einträge von persönlichen Geschichten von Menschen aus den betroffenen Regionen.

Die Bedeutung der Gletscher für die Menschheit

Gletscher sind mehr als nur gefrorene Wasserreservoirs. Sie sind tief in der Kultur und Geschichte der Regionen verwurzelt, in denen sie sich befinden. Professor Dominic Boyer brachte es auf den Punkt: „Wir verlieren nicht nur Gletscher, wir verlieren Teile unserer Kultur, unserer Geschichte und unserer Identität.“ Die Gletscher, die auf der Liste stehen, sind nicht bloß Zahlen in einer Statistik. Sie sind Teil der menschlichen Erfahrung und erinnern uns an die Zerbrechlichkeit unserer Umwelt.

Diese Plattform konzentriert sich insbesondere auf Gletscher, die in den letzten zwei Jahrzehnten verschwunden sind oder voraussichtlich in den nächsten zwanzig Jahren verschwinden werden. Es ist ein dringender Appell, diese einzigartigen Naturwunder zu schützen, bevor es zu spät ist.

Der Gletscherfriedhof: Ein symbolischer Ort des Gedenkens

Nach der Präsentation der Unfallliste folgte ein symbolträchtiger Moment: Der Marsch zum ersten Gletscherfriedhof der Welt auf der Halbinsel Seltjarnarnes nahe Reykjavík. Auf diesem Friedhof stehen 15 aus Eis gehauene Grabsteine, die die Namen der verlorenen Gletscher tragen. Diese wurden vom isländischen Künstler Ottó Magnússon geschaffen und in einem grünen Feld mit Blick auf das Meer aufgestellt.

Die Zeremonie zur Einweihung des Gletscherfriedhofs war tief bewegend. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, deren Gletscher in den letzten Jahren verschwunden sind, hielten emotionale Reden. Sie erinnerten an die Bedeutung dieser Eisriesen und mahnten zu schnellem Handeln im Kampf gegen die Erderwärmung. Ein isländischer Chor untermalte die Veranstaltung mit melancholischen Liedern, die die Vergänglichkeit des Lebens und der Natur unterstrichen.

Ein Aufruf zum Handeln

Cymene Howe betonte in ihrer Rede die Bedeutung ritueller Handlungen, um den Verlust zu verarbeiten. „Wir haben noch nie einen Friedhof für Gletscher gebraucht. Aber jetzt ist es an der Zeit“, sagte sie und verwies auf die Dringlichkeit, den Klimawandel zu bekämpfen, bevor weitere Gletscher für immer verschwinden.

Die Teilnahme an dieser Zeremonie soll den Menschen die Auswirkungen des Klimawandels auf einer emotionalen Ebene näherbringen. Howe erklärte, dass die physische Präsenz und das Erleben der schmelzenden Eisblöcke dazu beitragen können, das Bewusstsein für das Ausmaß dieser Krise zu schärfen. „Die meisten Menschen werden nie die Gelegenheit haben, einen Gletscher zu berühren. Auf diesem Friedhof bringen wir die Gletscher zu ihnen, um zu zeigen, dass auch sie wie Menschen sterben können – und durch unsere Hand sterben.“

Gibt es noch Hoffnung für die Gletscher?

Während des Events betonten isländische Glaziologen wie Guðfinna Aðalgeirsdóttir und Hrafnhildur Hannesdóttir die Notwendigkeit, sofortige Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Erwärmung zu ergreifen. Sie zeigten anhand von visuellen Beispielen, wie dramatisch der Rückgang der Gletscher in den letzten Jahrzehnten war und warnten davor, dass viele weitere folgen könnten, wenn nicht bald gehandelt wird.

Auch der isländische Gletscher Hofsjökull eystri, der als Zufluchtsort für Rentiere dient, steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie sein bereits geschmolzener „Cousin“ Okjökull im Westen Islands ist auch Hofsjökull eystri von der menschengemachten Erwärmung betroffen und könnte in den nächsten Jahrzehnten verschwinden.

„Die Gletscher müssen nicht sterben“

Trotz der düsteren Prognosen gab es während der Veranstaltung auch Momente der Hoffnung. „Die Gletscher müssen nicht sterben“, sagte Howe abschließend. „Sie können weiterleben und gedeihen, wenn wir gemeinsam einen besseren Weg in die Zukunft wählen.“

Diese Veranstaltung ist ein Aufruf an die internationale Gemeinschaft, die verbleibenden Gletscher zu schützen und gleichzeitig das Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels zu schärfen. Sie fand nur wenige Monate vor dem Jahr 2025 statt, das von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr zum Schutz der Gletscher erklärt wurde.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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