Hitze fühlt sich nicht gleich an 29.07.2013, 16:46 Uhr

In großen Wohnblocks klagen die Menschen am stärksten über Hitze

Wissenschaftler haben erstmals untersucht, wie unterschiedlich Menschen Hitze wahrnehmen. Je nach Wohnlage und sozialer Stellung ist die Hitzebelastung unterschiedlich. Entscheidend für die Hitzewahrnehmung sind neben Städtestrukturen auch die persönlichen Belastungen des täglichen Lebens.

Bei 30 Grad Hitze haben Leipziger Forscher untersucht, wie sich die Wohnformen und die Verteilung von Grünflächen auf das Hitzeempfinden der Menschen auswirken. Am schlimmsten leiden die Menschen in Plattenbauten unter Hitze.

Bei 30 Grad Hitze haben Leipziger Forscher untersucht, wie sich die Wohnformen und die Verteilung von Grünflächen auf das Hitzeempfinden der Menschen auswirken. Am schlimmsten leiden die Menschen in Plattenbauten unter Hitze.

Foto: André Künzelmann/UFZ

Hitzewahrnehmung ist abhängig von unserem Alltag und unserer Wohnlage. Hitze wird für uns Menschen besonders anstrengend bis unerträglich, wenn es keinen kühlen Rückzugsort gibt. Daher sind gut gedämmte Wohnungen und genügend Grünflächen in der Stadt wichtig für die Gesundheit. Zusammenhänge zwischen Außen- und Innentemperaturen und die Auswirkungen auf die Gesundheit sind jedoch noch nicht ausreichend bekannt.

Wo Menschen bei Hitze am besten leben

„Während in der Vergangenheit im Schnitt sechs Hitzetage pro Jahr mit Temperaturen über 30 °C in Leipzig gemessen wurden, zeigen Klimasimulationen für die Region einen mittleren Anstieg auf 16 Hitzetage bis 2060“, erklärt Dr. Andreas Marx vom Mitteldeutschen Klimabüro am Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ.

Das UFZ hat sich darauf konzentriert, wie und wo Menschen mit der Hitze am besten leben können. Dazu wurden die verschiedenen Bebauungsformen untersucht: Ein- und Mehrfamilienhäuser mit und ohne Garten, Reihenhäuser, Häuserblöcke mit grünen Höfen und geschlossene Häuserblöcke. Im Sommer 2010 startete die Messreihe an verschiedenen Punkten Leipzigs. Zu dieser Zeit lagen die Temperaturen bei hochsommerlichen 30 Grad am Tag und 20 Grad bei Nacht.

In Wohngebieten mit Ein- und Zweifamilienhäusern kann man es bei Hitze am besten aushalten. Dort zeigten sich die größten Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Als Grund nannte Dr. Ulrich Franck vom UFZ die geringere Bodenversiegelung in diesen Gegenden. Oftmals gibt es die Ein- und Zweifamilienhäuser eher am Standrand als in der Innenstadt.

Je weiter sich die Wissenschaftler vom Stadtzentrum entfernten, um so mehr nahm die Außentemperatur ab. Während am Morgen die Temperatur noch um 0,67 Grad je Kilometer Richtung Vororte sank, verringerte sich der Temperaturunterschied am Abend auf 0,36 Grad.

Den gleichen Effekt beobachteten die Forscher auch für die Innentemperaturen von Räumen. Rund ein Viertel Grad je Kilometer nahm die Temperatur in den Räumen ab. Wenig überraschend: Grünflächen beeinflussen die Außentemperaturen und haben kühlende Wirkung. Am stärksten nehmen die Menschen die Hitzebelastung am Arbeitsplatz und auf den täglichen Wegen wahr.

In Plattenbauten klagen die Menschen am stärksten über Hitze

Die stärkste subjektive Hitzebelastung haben offenbar diejenigen, die sich keine bessere Wohngegend leisten können. In Leipzig sind das die Bewohner der Plattenbauen, wo die Menschen am stärkten über Hitze klagten. In den Einfamilienhäusern und offenen Randstrukturen hingegen konnten die Menschen am besten mit der Hitze umgehen.

„Die subjektive Hitzebelastung ist also nicht nur eine Folge von Klimawandel und urbanem Wärmeinseleffekt, sondern auch eine Folge städtischer Vergesellschaftung“, fasst UFZ-Soziologin Katrin Großmann die Studie zusammen. „Die Strukturen der hoch spezialisierten, technisierten und mobilisierten Gesellschaft unserer Großstädte verstärken bei Hitze die physische Belastung.“

Der Körper reagiere darauf mit Mattigkeit oder Leistungsabfall, doch die Welt der Erwachsenen nehme darauf keine Rücksicht. Großmann: „Schülern geben wir hitzefrei, die Erwachsenen müssen weiter funktionieren.“

Von Petra Funk

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